Globaler Ausblick für Staatsanleihen und Währungen
Teil 1/3: Globales Wachstumbild und Inflation + Geldpolitik
Globales Wachstumsbild: widerstandsfähig, aber nicht breit abgestützt
Der Internationale Währungsfonds erwartet für 2026 ein globales Wachstum von 3,0 Prozent und für 2027 eine Beschleunigung auf 3,4 Prozent. Hinter diesen stabil wirkenden Zahlen steht jedoch eine ungewöhnlich große Streuung. Volkswirtschaften, die eng in die globale Technologie-Wertschöpfung eingebunden sind, profitieren vom Investitionszyklus rund um Rechenzentren, Halbleiter, Netzinfrastruktur und Automatisierung. Energieimporteure sowie Länder mit geringem fiskalischem Spielraum tragen dagegen einen überproportionalen Teil der Belastung aus höheren Importpreisen und Finanzierungskosten. Der Zyklus ist damit nicht schwach, aber schmal: Investitionen und einzelne Exportsektoren tragen mehr, während Konsum und klassische Industrie weniger verlässlich stützen.
Für die USA bedeutet dies weiterhin positives Wachstum, zugleich aber eine höhere Abhängigkeit von Investitionen, Arbeitsmarktstabilität und Vermögenseffekten. In Europa bleibt die Expansion deutlich verhaltener und stärker von Energiepreisen sowie externer Nachfrage abhängig. China wirkt über schwache Binnennachfrage und hohe Ersparnisüberschüsse zwar dämpfend auf globale Güterpreise, kompensiert aber nicht vollständig den neuen Kostendruck aus Energie, Zöllen und fragmentierten Lieferketten. Unser Basisszenario ist deshalb keine klassische Rezession, sondern eine Phase mäßigen Wachstums mit wiederkehrenden Inflationsschüben und größeren regionalen Unterschieden.
Inflation und Geldpolitik: der letzte Kilometer bleibt schwierig
Die globale Disinflation ist ins Stocken geraten. Der IWF rechnet für 2026 mit einer globalen Teuerung von 4,7 Prozent. In den USA verbindet die Federal Reserve für 2026 noch solides reales Wachstum mit einer deutlich über dem Ziel liegenden Kerninflation; im Euroraum hat die Europäische Zentralbank ihre Inflationsprojektionen wegen höherer Energiepreise angehoben, obwohl das Wachstum schwach bleibt. Dieses Nebeneinander aus stabiler Nachfrage und angebotsseitigem Preisdruck begrenzt den Spielraum für schnelle Zinssenkungen. Geldpolitik wird in den kommenden Quartalen weniger synchron und stärker datenabhängig verlaufen. Für die Anleihemärkte ist entscheidend, dass lange Renditen nicht nur die erwarteten Leitzinsen widerspiegeln. Auch Inflationsunsicherheit, Laufzeitprämie und das hohe staatliche Emissionsangebot bestimmen das lange Ende. Selbst wenn Zentralbanken später lockern, können Renditekurven deshalb steiler werden, weil kurze Laufzeiten stärker fallen als lange. Das spricht gegen eine extrem lange Duration und für einen Schwerpunkt auf 5- bis 10-jährigen Laufzeiten, in denen laufender Ertrag, Roll-down und Konjunkturschutz in einem ausgewogeneren Verhältnis stehen.