07.08.2026 -
Globaler Ausblick für Staatsanleihen und Währungen
Teil 2/3: Industrieländer-Staatsanleihen und Schwellenländer
Industrieländer-Staatsanleihen: Qualität bleibt wertvoll, aber nicht risikolos
US-Treasuries und Bundesanleihen bleiben die verlässlichsten Liquiditäts- und Rezessionsanker im betrachteten Anlageuniversum. Ihr defensiver Nutzen ist besonders hoch, falls der Investitionsboom nachlässt und sich Arbeitsmarkt sowie Kerninflation gleichzeitig abschwächen. Im Basisszenario erscheint das mittlere Laufzeitsegment attraktiver als das sehr lange Ende, das stärker unter Fiskalangebot und schwankenden Inflationserwartungen leidet. Britische Gilts bieten ebenfalls Diversifikation, bleiben aber wegen hartnäckiger Dienstleistungsinflation volatil. Italienische Staatsanleihen liefern zusätzlichen Carry, tragen jedoch neben dem Zinsrisiko ein eigenständiges Fiskal- und Spreadrisiko.
Norwegen, Australien und Neuseeland verfügen über hohe institutionelle Qualität, reagieren jedoch stärker auf Rohstoffpreise, China und globale Risikobereitschaft. Ihre Anleihen und Währungen sind daher keine reinen Sicherheitsbausteine. Insgesamt sollten hochwertige Staatsanleihen als Gegengewicht zu Schwellenländer- und Währungsrisiken erhalten bleiben, ohne das Portfolio von einer einzigen Annahme fallender Langfristzinsen abhängig zu machen.
Schwellenländer: der attraktivste Carry, aber auch die größte Differenzierung
Schwellenländer sind im aktuellen Umfeld nicht als einheitlicher Risikoblock zu verstehen. Ihre Attraktivität entsteht dort, wo hohe nominale Renditen mit positiven Realzinsen, glaubwürdiger Geldpolitik, tragfähigen Außenbilanzen und ausreichender Marktliquidität zusammentreffen. Der wichtigste globale Faktor bleibt der US-Dollar. Analysen zeigen, dass seine Stärke die Zuflüsse in lokale Schwellenländeranleihen teilweise maßgeblicher bestimmt als der reine Zinsabstand. Ein stabiler oder schwächerer Dollar bei geordneter Disinflation wäre daher das konstruktivste Umfeld: Lokalwährungen könnten aufwerten, Zentralbanken vorsichtig lockern und lokale Kurven gleichzeitig profitieren. Ein erneuter Dollar- und Realzinsschock würde diese Mechanismen umkehren.
Lateinamerika bietet im Durchschnitt die höchsten realen Renditen und hat den Inflationsschock früher als viele Industrieländer mit restriktiver Geldpolitik beantwortet. Brasilien und Mexiko verfügen damit grundsätzlich über attraktiven Carry und bei weiterer Disinflation über Potenzial für sinkende lokale Renditen. Positionen am langen Ende sind hier angebracht. Die Gegenrisiken liegen in fiskalischer Glaubwürdigkeit, Rohstoffvolatilität, US-Handelspolitik und einer zu schnellen Verringerung des Zinsvorsprungs. In Mittel- und Osteuropa hängt der Ausblick stärker von Energieimporten, Euro-Konjunktur, Fiskalpolitik und Wechselkursstabilität ab. Eine Lockerung der Geldpolitik kann dort Anleihekurse stützen, zugleich aber die Währung und damit die Inflationsverankerung schwächen.
Südafrika und die Türkei bieten sehr hohen nominalen Carry, bleiben aber besonders empfindlich gegenüber Dollarstärke, externen Finanzierungskosten und der Glaubwürdigkeit des jeweiligen Disinflationsprozesses. Hohe Kupons sind hier nicht automatisch hohe reale Erträge, wenn Währungsabwertung und Inflation den Zinsvorteil aufzehren. In Asien sind die laufenden Renditen meist niedriger, dafür bieten Länder mit breiteren inländischen Anlegerbasis und solideren Außenpositionen häufig ein defensiveres Profil. Indonesien und die Philippinen stehen beispielhaft für Märkte, deren Hartwährungsanleihen bei globaler Volatilität relativ robuster sein können, sofern fiskalische und externe Puffer erhalten bleiben.