16.03.2026 -
USA und Europa unterschiedlich betroffen
Doch das alles trifft in erster Linie Europa, während die Folgen des Krieges an der Wall Street kaum zu spüren sind. Das hat weitreichende Folgen. Während die USA in Sachen Energieversorgung mehr oder weniger autark sind und sogar Öl und Gas exportieren, sieht das in Europa ganz anders aus. Hier hängt alles an der Ölpreisentwicklung. Dieser ist aufgrund der Störung der Transportwege wie etwa die Sperrung der Straße von Hormus deutlich angestiegen, was Öl-importierende Volkswirtschaften wie Deutschland besonderen Preisrisiken aussetzt. Entsprechend kommen die Aktienmärkte in Europa stärker unter Abwärtsdruck als der US-amerikanische Aktienmarkt.
Durch diese Meerenge von Hormus fließen rund 70 Prozent der regionalen Ölexporte und ein Drittel der weltweiten Öllieferungen. Die wird vom Iran nun blockiert. Die Folge: Noch bevor ein einziger Tanker weniger ankam, schossen die Frachtraten in die Höhe. Dann trafen iranische Drohnen die Flüssiggasanlagen von Qatar Energy und zwangen den Konzern dazu, die Produktion zu stoppen.
Industrieunternehmen besonders betroffen
Der Anstieg des Ölpreises belasten europäische Industrieunternehmen als Kostenfaktor, während US-Energieproduzenten als Exporteure profitieren. Die leidliche Folge: Seit Anfang des Jahres hatten sich Europas Börsen besser entwickelt als ihre amerikanischen Pendants. Doch seit Angang des Krieges ist all der schöne Vorsprung wieder dahin.
Und noch eines kommt hinzu: die Inflation. Die Inflationsrate der US-Verbraucherpreise verharrte im Februar auf dem Niveau vom Januar. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Preise für die Konsumenten wie auch im Marktkonsens erwartet um 2,4 Prozent. Auch die um Energie- und Lebensmittelpreise bereinigte Kerninflationsrate blieb mit 2,5 Prozent, dem niedrigsten Stand seit Januar 2021, erwartungsgemäß unverändert, weshalb die Terminmärkte eine Zinssenkung der US-Notenbank nun erst im Oktober einpreisen.
Inflation: Notenbanken mit unterschiedlichen Voraussetzungen
Anders in Europa. Der Krieg im Iran und seine Auswirkungen auf die Inflation könnten nämlich die Europäische Zentralbank dazu zwingen, die Zinsen früher als erwartet zu erhöhen. Das sagte zumindest EZB-Ratsmitglied Peter Kazimir. Die Zentralbank befinde sich derzeit zwar noch in einer "guten Position", und bei der Sitzung in der kommenden Woche bestehe kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Kazimir befürchtet jedoch, dass die Erinnerung an den Inflationsschock von 2022 die Schwelle gesenkt hat, ab der Unternehmen Preise erhöhen und Beschäftigte höhere Löhne verlangen. Die Risiken für eine höhere Inflation seien zumindest hoch. Seine Prognose: "Ich würde sagen, eine Reaktion der EZB ist möglicherweise näher, als viele denken."
Stock-Picking mit Fokus auf Europa
Relative Ruhe in den USA, Sorgen und Nöte in Europa. Was macht man als Anleger in einer solchen Situation? Wir setzen auf gezieltes Stock-Picking. So setzen wir für unsere Mandate wie den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen und den Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value auf Qualitätsunternehmen, die auch in schwierigen Zeiten gut aufgestellt sind. Dazu gehört etwa die spanische Laboratorios Farmaceuticos Rovi-Gruppe. ROVI ist ein Pharmaunternehmen, das auf Forschung, Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von sogenannten niedermolekularen Heparinen (NMH), also gerinnungshemmende Medikamente, spezialisiert ist. Zudem ist ROVI in weiteren chemischen, biologischen und medizinischen Spezialbereichen unterwegs.
Pharma und Finanzen
Zu unseren Kerninvestments gehört auch die norwegische Storebrand. Der norwegische Finanzkonzern legt seinen Fokus auf langfristiges Sparen, Lebensversicherungen, Asset Management und Bankdienstleistungen. Das 1767 gegründete Unternehmen ist einer der größten Anbieter betrieblicher Altersvorsorge in Skandinavien. In all diesen Bereichen hat Storebrand zuletzt starke Wachstumsraten zu verzeichnen. Und das, so unsere Analyse, sollte auch noch eine Weile so bleiben.
Last but not least: die französische SCOR. Der Rückversicherungskonzern mit Sitz in Paris ist weltweit in den Bereichen Schaden- und Unfallrückversicherung (P&C) sowie Lebens- und Krankenrückversicherung tätig. Nach einer Restrukturierungsphase schlagen sich jetzt die ersten positiven Resultate in den Unternehmenszahlen nieder. Ein Prozess, der aber noch nicht abgeschlossen ist und von dem noch einiges zu erwarten ist.