07.04.2026 -
Ein denkwürdiges erstes Quartal liegt hinter uns. Und selten hat sich ein Jahresauftakt so komprimiert angefühlt wie dieser. Die ersten beiden Monate brachten Herausforderungen – aber es sah noch nach einem normalen Börsenjahr aus. Viele Unternehmen überzeugten so mit starken Geschäftszahlen 2025.
Doch dann kam Anfang März der Iran-Krieg als Ausdruck der schwer kalkulierbaren US-Außenpolitik von Präsident Trump. Keine Frage: Der Iran-Krieg war der große geopolitische Katalysator. Der Ölpreis schoss nach oben, die Marke von 100 Dollar je Barrel wurde zwischenzeitlich überschritten – und mit jedem Anstieg wuchs die Unsicherheit an den Aktienmärkten. Energiepreise sind eben nicht nur ein Thema für Autofahrer, sondern ein direkter Einflussfaktor auf Inflationserwartungen, Konsumklima und Unternehmensmargen.
Die entscheidende Frage lautet nun: Bleibt der Ölpreis hoch – oder war das nur ein geopolitischer Spike? Sollte es zu einer schnellen Entspannung kommen, halten Analysten eine Rückkehr in Richtung 70 Dollar zum Jahresende für möglich. Das wäre ein positives Signal für Aktien – insbesondere für konjunktursensitive Branchen. Bleibt die Straße von Hormus jedoch länger blockiert, droht ein strukturell höheres Preisniveau. Und das wäre Gift für viele Aktienmärkte, vor allem für Europa.
Doch das Quartal hatte weit mehr zu bieten als nur Öl.
Gold und Silber erlebten im Januar eine regelrechte Hausse. Gold stieg zeitweise über 5.000 Dollar je Feinunze, Silber über 120 Dollar. Das war kein normales Marktverhalten – das war Risikoabsicherung in Reinform. Investoren suchten Schutz.
Gleichzeitig verlor Bitcoin rund 22 Prozent im Quartal. Auch hier zeigt sich: Wenn Unsicherheit steigt, werden spekulativere Anlagen zuerst verkauft. Zwar stabilisierte sich Bitcoin zuletzt im Bereich um 70.000 Dollar – aber das Momentum ist gebrochen.
Und dann war da noch der wohl prägendste Aktienmarkttrend des Quartals: die massive Schwäche im Softwaresektor.
Software unter Druck – FOBO ersetzt FOMO
Während 2024 und 2025 noch von KI-Euphorie geprägt waren, drehte sich das Narrativ im ersten Quartal 2026 radikal. Aus FOMO – der „Fear of Missing Out“ – wurde FOBO: „Fear of Becoming Obsolete“- also die Angst, nicht mehr gebraucht zu werden.
Die Angst, dass KI-Modelle klassische Softwarelösungen überflüssig machen könnten, führte zu erheblichen Kursverlusten im Sektor. Zahlreiche Softwaretitel verloren zwischen 20 und 40 Prozent im Quartal – teils ohne konkrete operative Enttäuschungen. Es war kein fundamentaler Einbruch. Es war eine Neubewertung unter Unsicherheit.
Gerade Unternehmen mit hohen Bewertungen, wiederkehrenden Abo-Modellen und standardisierten Lösungen standen besonders unter Druck. Die zentrale Frage der Investoren lautet: Wenn KI viele Prozesse automatisiert – braucht man dann noch all diese Software?
Unsere Einschätzung: Hier wurde massiv überzogen.
Ja, KI verändert Geschäftsmodelle. Ja, manche Anwendungen werden ersetzt oder vereinfacht. Aber hochwertige Software mit tief integrierten Workflows, hohen Wechselkosten und klaren Wettbewerbsvorteilen wird nicht einfach verschwinden. Der Markt hat in vielen Fällen nicht differenziert – sondern pauschal abgestraft.
Das ist typisch für Stimmungsumschwünge.
Aktienmarkt 2026: Sektorrotation statt Crash
Wichtig ist: Wir sehen bislang keinen klassischen Bärenmarkt. Wir sehen eine deutliche Sektorrotation. Auf Grund unserer Strategie sind wir bei einigen Branchen gar nicht vertreten. Beispiel Öl: Diese Branche passt nicht zu unserem nachhaltigen Ansatz, bei dem wir bestimmte Geschäftsmodelle direkt ausschließen. Ölproduktion gehört dazu ebenso wie Rüstung.
Allgemein betrachtet hielten sich defensive Branchen wie Basiskonsum, Versorger oder Versicherungen vergleichsweise stabil. Banken schwankten stark – abhängig von Zinserwartungen und geopolitischer Risikoprämie. Energieunternehmen profitierten temporär vom Ölpreisanstieg. Und Technologie war zweigeteilt: Halbleiter stabiler, Software schwach.
Das Marktumfeld ist geprägt von Unsicherheit – aber nicht von Kapitulation. Die Inflationserwartungen sind wieder gestiegen. Die Zinssenkungshoffnungen wurden zurückgenommen. Das belastet vor allem hoch bewertete Wachstumswerte. Gleichzeitig bleibt das Konjunkturszenario robust genug, um eine breite Rezessionsangst zu verhindern. Genau diese Mischung sorgt für Volatilität.
Das erste Quartal 2026 hat eines gezeigt: Die Märkte sind nervös. Aber Nervosität ist nicht gleich Krise. Sie ist oft der Nährboden für die nächsten Chancen.
Wer strukturiert investiert bleibt, nicht jedem Narrativ hinterherläuft und Unternehmen statt Schlagzeilen kauft, wird auch durch ein turbulentes Umfeld gut navigieren können.
Und vielleicht werden wir am Jahresende auf dieses Quartal zurückblicken und sagen: Es war weniger der Beginn einer Krise – sondern vielmehr der Beginn einer neuen Bewertungsdisziplin am Aktienmarkt.