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Interview

Johannes Hirsch (antea): „Wir haben die jüngste Phase für Zukäufe genutzt“

Ist an den Vorwürfen des US-Hedgefonds Gotham City gegenüber Aurelius etwas dran? Fondsmanager mit einer nennenswerten Aurelius-Position weichen dieser Frage gerne aus. Nicht so Johannes Hirsch. Im Gespräch mit DAS INVESTMENT.com nennt der Manager des Fonds Antea R drei Aspekte, die Aurelius zu einem guten Ziel für eine Short-Attacke machen und erklärt, warum er bei der Aktie mehr Chancen als Risiken sieht.
© antea vermögensverwaltung gmbh

DAS INVESTMENT.com: Laut Morningstar zählt Aurelius zu den Top-10-Aktienpositionen Ihres Fonds. Wie hoch ist der Aurelius Anteil derzeit genau?

Johannes Hirsch: Aktuell beträgt der Anteil 1,29 Prozent des Antea-Fonds.

Und wie hoch war dieser Anteil vor dem Aurelius-Skandal?

Hirsch: Aus meiner Sicht gab es keinen Aurelius-Skandal, sondern höchstens einen Gotham-City-Skandal. Aber hat es überhaupt einen Skandal gegeben? Alle Beteiligten sind doch nur ihrem normalen Alltagsgeschäft nachgegangen. Und zu dem von Gotham City gehört eben auch ein fragwürdiges Vorgehen. Wenn Sie jedoch nach einer Zahl fragen: Der Anteil von Aurelius am Antea-Fonds betrug direkt vor den jüngsten Meldungen 1,55 Prozent.

Wie beurteilen Sie den Angriff des Hedgefonds Gotham City auf die Aurelius-Aktie? Gerade vor dem Hintergrund der Aurelius-Short-Positionen, die Gotham City Ende vergangener Woche gewinnbringend geschlossen hat, liegt der Verdacht einer Markt-Manipulation nahe. Andererseits soll Gotham City bereits Ungereimtheiten bei anderen Unternehmen aufgedeckt haben.

Hirsch: Das Geschäftsmodell von Aurelius sieht den Erwerb von Unternehmen in einem fragilen Zustand vor, die danach umstrukturiert und wieder veräußert werden. Der Charakter des bilanziellen Zustands dieser übernommenen Unternehmen sorgt für ein etwas schmuddeliges Image. Da diese Unternehmen nicht börsennotiert sind, lässt sich bis zu ihrer Veräußerung über deren Wert streiten. Und nach der phänomenalen vergangenen Entwicklung der Aurelius-Aktie, die sich binnen acht Jahren verdreißigfacht hat, verfügen viele Anleger über stolze Gewinne und können auch bei deutlich fallenden Kursen noch Gewinne mitnehmen. Das macht Verkäufe ja vielfach leichter. Schon aufgrund dieser drei Aspekte ist Aurelius ein geschickt ausgesuchtes Ziel für eine Short-Attacke.

Fragwürdig ist natürlich das Vermengen von Research- und Handelsaktivität bei Gotham City. Zudem muss die Frage erlaubt sein, warum Gotham City seine Short-Positionen zum mehr als vierfachen des Kurses wieder weitgehend eingedeckt hat, den es in seiner Studie als gerechtfertigt genannt hat. Da erscheinen Gedanken an eine Marktmanipulation schon als berechtigt und die Bafin hat ihre Ermittlungen ja nicht ohne Grund aufgenommen.

Während Gotham City vergangene Woche den Wert der Aurelius-Aktie auf weniger als 9 Euro bezifferte, bleiben die regulären Analysten wie Commerzbank, Berenberg, Baader und Oddo-Seydler bei Kurszielen von über 70 Euro. Wie geht es weiter mit der Aurelius-Aktie?

Hirsch: Bei Aurelius sind genauso Plus- und Minuspunkte zu identifizieren wie bei allen anderen Aktien auch. Derzeit dominieren in der öffentlichen Wahrnehmung Minuspunkte. Nun gibt es derer noch weitere, es gibt aber auch Pluspunkte. Käufe in einer solchen Konstellation zahlen sich üblicherweise längerfristig aus. Für den Antea-Fonds dominieren auf dem zuletzt gesehenen Niveau die Chancen gegenüber den Risiken.

Wie werden Sie weiter mit der Aurelius-Aktie verfahren? Bei welcher Kursentwicklung würden Sie die Aktie verkaufen beziehungsweise nachkaufen?

Hirsch: Auch im Antea-Fonds hätten selbst bei den zuletzt gesehenen Tiefstkursen noch immer Gewinne realisiert werden können. Aus den Antworten zu den ersten beiden Fragen - der Rückgang des Anteils war geringer als der des Kurses - wird jedoch deutlich, dass die jüngste Phase vielmehr für Zukäufe genutzt wurde.


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Herausgeber: DAS INVESTMENT.com
INTERVIEW Svetlana Kerschner
04.04.2017