31.05.2026 -
Die Aktienmärkte setzten im Mai ihren Aufwärtstrend fort. Der MSCI World Index in Euro legte deutlich zu, europäische Anleihen entwickelten sich moderat positiv. Triebfeder der anhaltenden Marktstärke blieb das robuste Gewinnwachstum der Unternehmen. Die Gewinne im S&P 500 wuchsen mit der höchsten Rate seit Ende 2021 und übertrafen die Analystenschätzungen auf breiter Front. Halbleiterproduzenten und spezialisierte Zulieferer für Künstliche Intelligenz und IT-Infrastruktur zählten zu den stärksten Werten des Monats. Dem steht eine wachsende Schwäche beim privaten Konsum gegenüber — steigende Kreditkartenschulden und reale Kaufkraftverluste belasten die privaten Haushalte zunehmend. Auch in Europa trüben gedämpfte Wachstumserwartungen und ein schwächerer Arbeitsmarkt das konjunkturelle Bild.
Geldpolitisch vollzog sich im Mai ein bedeutsamer Wechsel: Kevin Warsh trat am 22. Mai die Nachfolge von Jerome Powell als Vorsitzender der US-Notenbank an. Die US-Inflation verzeichnete zuletzt den stärksten Anstieg seit drei Jahren, der Spielraum für die Fed bleibt damit eng. Politischer Druck nach raschen Zinssenkungen trifft auf anhaltende Preisrisiken. Warsh signalisierte in ersten Stellungnahmen einen Fokus auf strukturelle Reformen der Liquiditätssteuerung. Die Renditen langjähriger US-Staatsanleihen stiegen zeitweise auf Mehrjahreshöchststände und belasteten den Rentenmarkt. Die EZB zeigte sich ebenfalls vorsichtiger, da der Inflationsdruck auch in der Eurozone zunimmt.
An den Energiemärkten dominierten Entwicklungen rund um den US-Iran-Konflikt. Berichte über Verhandlungen zu einem Waffenstillstand und einer möglichen Wiederöffnung der Straße von Hormus lösten zwischenzeitlich einen deutlichen Rückgang der Rohölpreise aus. Stockende Gespräche und erneute militärische Drohungen zum Monatsende trieben die Preise wieder nach oben. Die Aktienmärkte zeigten sich von dieser Volatilität weitgehend unbeeindruckt — die Ertragsdaten der Unternehmen wogen für die Anleger schwerer als die geopolitischen Schlagzeilen.
Insgesamt verfestigt sich das Bild einer ausgeprägten Divergenz: Die starke Ertragskraft der Großkonzerne treibt die Indizes auf Rekordniveaus, während geldpolitische Unsicherheit und volatile Rohstoffmärkte im Hintergrund bleiben. Die Marktbreite ist eng, was die Anfälligkeit bei einer Eintrübung des Gewinnwachstums erhöht. In diesem Umfeld bleibt ein selektiver Investmentansatz mit Fokus auf Qualitätsunternehmen und solide Bilanzen der richtige Weg.
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