04.02.2025 -
Die Energiewende in Europa ist ein zentraler Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität. Laut einer Studie des Fraunhofer ISE aus November 2024 belaufen sich die Gesamtkosten für die Dekarbonisierung des Energiesystems bis 2045 auf etwa 3,75 Billionen EUR.
Mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien allein ist es dabei nicht getan. Ebenso wichtig sind Investitionen in eine angepasste Infrastruktur, Netzausbau und Energiespeicher. Noch vor wenigen Jahren war das Investieren in solche Projekte im Wesentlichen institutionellen Anlegern vorbehalten. Mit European Long Term Investment Funds (ELTIF) und offenen Infrastruktur-Sondervermögen (OISV) haben die Regulierer inzwischen attraktive Anlageformen geschaffen, die nunmehr auch Privatanlegern offenstehen. So soll mehr Kapital für diese Projekte eingeworben werden. Doch was sind die Unterschiede? Wir klären auf.
Was ist ein European Long Term Investment Fund?
European Long Term Investment Funds (ELTIF) wurden 2015 von der Europäischen Union eingeführt, um langfristige Investitionen in die europäische Realwirtschaft zu fördern. Ziel war es, sowohl institutionellen als auch privaten Investoren die Möglichkeit zu geben, in Infrastrukturprojekte, Immobilien und private Unternehmen über einen in der Regel geschlossenen Fonds zu investieren. Bald stellte sich jedoch heraus, dass die restriktiven Rahmenbedingungen die Verbreitung von ELTIF-1.0-Fonds behinderten.
Im Jahr 2024 wurde daher ELTIF 2.0 eingeführt, um die Zugänglichkeit zu diesen Fonds und damit auch die Attraktivität zu erhöhen. ELTIF 2.0 erweitert die Definition der zulässigen Vermögenswerte um zusätzliche Anlageklassen wie FinTech, bestimmte verbriefte Vermögenswerte und grüne Anleihen. Eine breitere Diversifikation und Flexibilität ist dadurch möglich. Dies erleichtert es Fondsmanagern vielfältigere und anpassungsfähigere Portfolios zu erstellen. Um das Vertrauen der Anleger in ELTIFs zu erhöhen, wurden die Transparenz- und Offenlegungspflichten verbessert. ELTIF 2.0 bietet zudem eine höhere Liquidität und ermöglicht „semi-offene“ Fondskonstruktionen. Dies bedeutet, dass Anleger nun nach Ablauf einer Mindesthaltedauer flexiblere Rückgabeoptionen haben sollen, um schneller wieder auf ihr Kapital zugreifen zu können. Die Mindestanlageschwelle von 10.000 EUR wurde zudem aufgehoben, um auch Kleinanlegern den Zugang zu ELTIFs zu erleichtern. Mit ELTIF 2.0 wurde die ESMA von der Europäischen Kommission aufgefordert, technische Regulierungsstandards (RTS) zu verschiedenen Aspekten der ELTIF VO zu erlassen.
Der Anlagekern von ELTIFs im Überblick:
- Mind. 55 % des Fondsvolumens sind in illiquide Assets zu investieren
- Dies kann sowohl Private Equity, Private Debt, Immobilien oder eben auch Infrastruktur sein
- Max. 45 % in liquide Assets (OGAW-fähige Assets)
Was ist ein offenes Infrastruktur-Sondervermögen?
Bei einem OISV handelt es sich um einen Investmentfonds mit Deutscher Vertriebslizenz, der sich, wie der Name schon sagt, auf Investitionen in Infrastruktur fokussiert. Er investiert in verschiedene Projekte wie beispielsweise Straßen, Brücken, Energieversorgungsanlagen und Telekommunikation und ist regulatorisch am ehesten mit einem offenen Immobilienfonds zu vergleichen.
Die Laufzeit eines OISV ist unbefristet. Es gibt keinen Mindestbetrag bei der Anlagesumme. Die Rücknahme von Anteilen ist zu bestimmten Rücknahmeterminen möglich. Die Mindesthaltedauer beträgt zwei Jahre. Danach kann der Anleger seine Anteile in der Regel halbjährlich bis jährlich mit einer Ankündigungsfrist von 12 Monaten zurückgeben.
Klare Vorgaben gibt es, in welche Anlagegegenstände der Fonds investieren darf. Mindestens 60 % des Nettoinventarwets darf er in Infrastruktur-Projektgesellschaften, Immobilien und Nießbrauchrechten an Grundstücken und maximal 80 % in Infrastruktur-Projektgesellschaften anlegen. Mindestens 10 % muss das Management in liquide Anlagen, wie Geldmarktinstrumente und Bankguthaben investieren. Zu maximal 20 % darf er Wertpapiere beimischen, um mittelfristige Liquidität vorzuhalten. Bezogen auf den Verkehrswert der zum Sondervermögen Beteiligungen an Infrastrukturprojektgesellschaften (und damit in Verbindung stehender Immobilien) darf der Fonds maximal 30 % Kredite aufnehmen.
Der Anlagekern des OISV im Überblick:
- Mind 60 % des Portfolios sind in Beteiligungen an Infrastrukturprojektgesellschaften zu investieren (mind. 60 %, max. 80 %)
- Davon sind max. 30 % in Immobilien und Nießbrauchrechte, die mit EE-Anlagen in Verbindung stehen, zulässig
- Zur Sicherstellung kurz- und mittelfristiger Liquidität sind mind. 10 % in Geldmarktinstrumente (GMI), Bankguthaben, Anteile an GMI-Fonds zu investieren sowie max 20 % in Wertpapiere mittelfristiger Liquidität.
OISV und ELTIF im Vergleich

ELTIF und OISV unterscheiden sich also vor allem in der Breite der möglichen Anlagestrategien und ggf. in der Liquidität. ELTIFs können neben Infrastruktur in vielfältige illiquide Anlageklassen investieren. Sie eignen sich für Anleger, die ihr Kapital für einen längeren Zeitraum binden können und von langfristigen Wachstumsperspektiven profitieren möchten. OISV sind auf Infrastrukturanlagen ausgerichtet und bieten feste Rahmenbedingungen hinsichtlich der Anlageklassen und Rücknahmebedingungen. Durch die höhere Standardisierung bietet sich eine leichtere Handhabung für Banken und Berater. Zudem sind viele Kunden bereits mit den Abwicklungs- und Rückgabemodalitäten des OISV vertraut, da diese analog zu den Rückgabemodalitäten offener Immobilienfonds ausgestaltet sind. ELTIFs hingegen stellen für die meisten Berater wie auch Kunden Neuland dar und die individuellen Rückgabemodalitäten bringen einen höheren Erläuterungsbedarf mit sich.
Der Quadoro Erneuerbare Energien Europa – das erste wirkungsorientierte OISV von Quadoro und EB-SIM
Entsprechend haben die Quadoro Investment GmbH und die EB-SIM gemeinsam ein erstes OISV aufgelegt. Es erfüllt als Impactfonds die Anforderungen an Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) und damit die höchste Nachhaltigkeitskategorie.
Der Quadoro Erneuerbare Energien Europa (QEEE) richtet sich an private und professionelle Anleger. Seine Investmentstrategie sieht vor, dass mindestens 75 % der Investitionen den Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten der EU-Taxonomie entsprechen. Mit seinen Investitionen trägt der Fonds maßgeblich zum Klimaschutz bei. Er unterstützt den Übergang zu einer CO2-armen Energiewirtschaft und damit das Erreichen von Klimaneutralität. Der Fonds ist sparplanfähig und ermöglicht zudem steuerliche Teilfreistellungen.
Der QEEE investiert vorwiegend im Europäischen Wirtschaftsraum mit Fokus auf Deutschland, Frankreich, Skandinavien und der Iberischen Halbinsel. Schwerpunkt sind Investitionen in Anlagen zur Erzeugung von Energie aus regenerativen Quellen wie Wind und Solar. Die beabsichtigte Zielrendite liegt bei 5 bis 6 % nach Kosten.
Quadoro arbeitet bei diesem Fonds erstmals mit der EB-SIM als Anlageberater zusammen. Durch die Zusammenarbeit werden Synergieeffekte beim Management von Projekten rund um Erneuerbare Energien und bei der Administration illiquider Vermögenswerte optimal genutzt.
Der QEEE (WKN R-Tranche: A3EK2V) investiert vorwiegend im Europäischen Wirtschaftsraum in Anlagen zur Erzeugung von Energie aus regenerativen Quellen wie Wind und Solar und kann so als Diversifikationsstabilisator für das Portfolio genutzt werden. Die beabsichtigte Zielrendite liegt bei 5 bis 6 % nach Kosten.
(...)