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Interview

Michael Schoenhaut (J.P. Morgan AM):„Income“-Strategie als sinnvoller Portfoliobaustein

Die Zeit der lockeren Geldpolitik neigt sich dem Ende. Michael Schoenhaut, leitender Portfoliomanager des Global Income Fund von J.P. Morgan Asset Management, erläutert im Interview, warum ertragsorientierte Anleger sich jetzt nicht mehr darauf verlassen können, mit traditionellen Anleihesektoren stetige Kapitalzuwächse zu erzielen.
© J. P. Morgan Asset Management

Warum sollten ertragsorientierte Anleger ihr Universum über die traditionellen Anleihensektoren hinaus ausweiten?

Michael Schoenhaut: Die Phase der außergewöhnlichen lockeren Geldpolitik durch die Zentralbanken nähert sich ihrem Ende. Dadurch stehen die Anleihenmärkte unserer Einschätzung nach vor einem Wendepunkt, der traditionelle Anleihenanleger vor erhebliche Herausforderungen stellen wird. Zuerst sind die USA zur Zinsnormalisierung übergegangen: Die US-Notenbank hat bisher vier Leitzinserhöhungen vorgenommen. Dies hat zu einem Umschwung an den Märkten von der „Lower for Longer“-Stimmung hin zu einer Reflation geführt. Inzwischen reduzieren auch andere Zentralbanken das Ausmaß ihrer bisher beispiellosen Stützungsmaßnahmen. So deutete auch die Europäische Zentralbank mittelfristig einen geldpolitischen Kurswechsel an. Mit dieser Normalisierung der Geldpolitik steigen allmählich die Anleihenrenditen, was wiederum sinkende Anleihenkurse zur Folge hat. Aufgrund dieser Dynamik können Anleger sich nicht mehr darauf verlassen, mit traditionellen Anleihen weiterhin stetige Kapitalzuwächse zu erzielen. Diese Verlagerung der Marktdynamik wirkt umso dramatischer, da das Durationsprofil vieler Anleihemärkte – also das Maß der Sensibilität einer festverzinslichen Anlage für Zinsänderungen – seit einigen Jahren nachhaltig angestiegen ist hat. Beispielsweise befindet sich die Duration des Bloomberg Barclays US Aggregate Index, der ein wichtiger Referenzindizes für festverzinsliche Anlagen mit hoher Bonität ist, auf einem Rekordhoch. Das heißt, dass den Anlegern bei steigenden Zinsen immer höhere Verluste drohen.

Welches Anlagethema dominiert angesichts dieses Szenarios das Portfolio des von Ihnen gemanagten JPMorgan Investment Fund – Global Income Fund?

Im aktuell reflationären Umfeld bevorzugen wir tatsächlich Aktien. Da sich die Konjunkturdaten sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern weiter verbessern, haben wir unsere Aktienallokation in allen Regionen aufgestockt. So liegt das Aktienengagement des Portfolios derzeit bei über 40 Prozent und damit nahe unseres historischen Höchststands von 45 Prozent. Insbesondere Europa, wo die Dividenden und das Dividendenwachstum besonders attraktiv sind, schätzen wir positiv ein. Die Region verzeichnet ein solides BIP-Wachstum, die Inflation erholt sich langsam und Aktien werden durch die guten Gewinnaussichten der Unternehmen gestützt.




In welchen anderen Anlageklassen erkennen Sie attraktive Ertragschancen?

Um die potenziellen Risiken traditioneller Anleihenanlagen im aktuellen Umfeld zu meiden, halten wir an unserer Präferenz für Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen fest. Die USA befinden sich in der drittlängsten Expansionsphase aller Zeiten – die Konjunkturdaten deuten nun darauf hin, dass die Region von der mittzyklischen in die spätzyklische Phase übergeht. In der Vergangenheit hat es sich ausgezahlt, in einer solchen Phase höher verzinsliche Wertpapiere wie Hochzinsanleihen zu halten, denn die Ausfallraten dürften auf mittlere Sicht moderat bleiben.

Wir unterscheiden uns von einigen unserer größten Wettbewerber vor allem dadurch, dass wir über die Flexibilität verfügen, in verschiedenste Anleihen-Instrumente anzulegen. So können wir zum Beispiel opportunistisch Chancen in Wandelanleihen und andere Alternativen wie hypothekenbesicherte Anleihen aus den USA nutzen. Unser Engagement in diesen hypothekenbesicherten Anleihen hat in den vergangenen zwei Jahren trotz der Renditeschwankungen bei zehnjährigen US-Staatsanleihen ein kontinuierlich positives Ergebnis erzielt und die Entwicklung des Fonds stabilisiert. Die Anlageklasse bietet derzeit attraktive Renditen mit Diversifizierungsvorteil und wird durch den Aufschwung am US-Immobilienmarkt und die günstige Angebots- und Nachfragedynamik gestützt. Hypothekenbesicherte Anleihen entsprechen zudem eher einer institutionellen Anlageklasse und da institutionelle Anleger sich eher langfristig ausrichten, haben sich diese Wertpapiere in Phasen steigender Zinsen generell besser behauptet.

Wie funktioniert Ihr Risikomanagement innerhalb der Income-Strategie?

Wir steuern unser Zins- und Währungsrisiko über Absicherungsmaßnahmen. Insbesondere seit der US-Wahl konzentrieren wir uns auf die Duration, also die Zinssensitivität, der festverzinslichen Anlagen in unserem Portfolio. Da das nominale Wachstum weltweit zulegt und die Zinsen durch den Straffungszyklus der Fed unter Druck geraten, halten wir eine Short-Position in Futures auf fünfjährige US-Staatsanleihen, um die Duration des Portfolios zu reduzieren.

Warum sollten sich Anleger gerade heute für den Global Income Fund oder die etwas vorsichtiger allokierte Variante, den Global Income Conservative Fund, entscheiden?

Angesichts der steigenden Zinsen ist es wichtiger denn je, flexibel nach verschiedenen Ertragsquellen suchen zu können. Dank seines dynamischen Ansatzes können wir mit beiden Fonds unsere stärksten Überzeugungen umsetzen. Dabei verfolgen wir stets das Ziel, regelmäßige Ertragsströme zu generieren und die Möglichkeit für langfristiges Kapitalwachstum zu schaffen.