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Interview

Walter Liebe (Pictet): „Langfristig robust investieren“

Multi-Asset-Fonds müssen sich gerade während schwacher Marktphasen bewähren, findet das Team von Pictet Asset Management. Um dies zu gewährleisten, bauen die Experten aus Mailand auf einen klar strukturierten Prozess und spielen alle Möglichkeiten des spezialisierten Mutterhauses aus.
© Pictet Asset Management

Mit dem Pictet-Multi Asset Global Opportunities Fonds (MAGO) geht der Vermögensverwalter aus Genf seit Sommer 2013 neue Wege. Aus der Initiative des damaligen Vertriebsmitarbeiters Marco Persimoni ist inzwischen ein Fonds geworden, der 4,2 Milliarden Euro auf sich vereint und Investoren mit einem risikozentrierten Ansatz und einem klar definierten Investmentprozess überzeugt. Inzwischen ist Persimoni Teil des Investment-Teams rund um den Volkswirt und Quant-Spezialisten Andrea Delitala und bringt seine langjährige Erfahrung als Kapitalmarktstratege ein. „Für unseren Global-Opportunities-Fonds ist es von großer Bedeutung, dass dieser nicht von Portfoliomanagern geführt wird, die beispielsweise von der Aktien-Seite kommen“, erklärt Walter Liebe, Senior Investment Advisor von Pictet Asset Management in Frankfurt. „Um eine Multi-Asset-Strategie langfristig robust aufzustellen, kommt es entscheidend darauf an, vielerlei Anlageklassen erfolgreich miteinander zu kombinieren.“ Obwohl der Pictet-Multi Asset Global Opportunities aus Mailand gesteuert wird, ist das Team eng in die Prozesse der anderen Pictet-Standorte eingebunden.

Stringenter Prozess, flexibles Timing

Dem Multi-Asset-Universum prophezeit Liebe im Falle eines Bärenmarkts eine divergente Entwicklung: „Die langjährige Hausse sorgt aktuell dafür, dass auch unausgereifte Multi-Asset-Produkte gute Ergebnisse erzielen. Für Investoren, die einen vermögensverwaltenden Ansatz wählen, ist jedoch gerade die Entwicklung während turbulenter Marktphasen wichtig“, betont der Senior Investment Advisor. Aus diesem Grund legt der Pictet-Multi Asset Global Opportunities großen Wert auf einen klar strukturierten Investmentprozess und misst der Top-Down-Analyse große Bedeutung zu. Ausgehend von Konjunkturdaten und aktuellen Einschätzungen definiert das Team ein Risikoniveau, das der Fonds bereit ist einzugehen. Die Ziel-Volatilität liegt bei einer risikoneutralen Sicht bei fünf Prozent und kann entweder bewusst über- oder unterschritten werden. „Entscheidend ist allerdings, dass es sich hierbei nicht um einen bindenden Prozess handelt. Aktuelle Marktdaten zwingen uns niemals dazu, ein bestimmtes Risikoniveau einzugehen oder nicht“, betont Liebe. In einem weiteren Schritt konzipieren die Experten von Pictet die Asset Allokation und lassen dabei bewusst Bewertungskriterien einfließen. „Bewertungsanomalien sind der Schlüssel zu Renditen. Da dieser Ansatz bei uns jedoch in eine engmaschige Risikokontrolle eingebunden ist, erhalten Investoren ein moderates Risikoprofil“, erklärt der Anlageexperte.

Steht die Asset Allokation, geht es für das Team rund um den Pictet-Multi Asset Global Opportunities um die Auswahl der jeweiligen Anlageklassen. Hierbei kommen quantitative und qualitative Methoden zum Einsatz, um geeignete Instrumente für ein Investment zu identifizieren. Eine zweite Säule der Portfoliokonstruktion umfasst Themeninvestments. „Wir setzen im Rahmen einer Fondsrotation immer wieder auf interessante Zukunftsthemen. Auf diese Weise nutzen wir Trends und stellen das Gesamtportfolio robuster auf“, erklärt Liebe. Aktuell sind Themeninvestments mit 37,5 Prozent des Aktienanteils gewichtet. Im letzten Schritt sorgt eine abschließende Korrelationsanalyse und Risikokontrolle dafür, dass Risikobudgets eingehalten sowie Währungs- oder Liquiditätsrisiken kontrolliert werden.

„Alternatives sind für uns mehr als ein Feigenblatt“

Bei der Wahl der eingesetzten Instrumente ist der Fonds flexibel und setzt neben Direktinvestments auch Derivate, ETFs oder hauseigene Fonds ein. „Da wir als spezialisiertes Haus in vielerlei Bereichen eine große Expertise haben, bietet es sich an, diese auch zu nutzen. Kosten entstehen unserem Multi-Asset-Fonds dadurch keine. Darüber hinaus wären auch Investments in Produkte anderer Häuser möglich“, erklärt Liebe. Dabei ist der Pictet-Multi Asset Global Opportunities kein Dachfonds, da die Fondsquote innerhalb des Portfolios stets unter 10% gehalten wird. Besonders wichtig ist dem Senior Investment Advisor, dass alternative Anlageklassen wie Rohstoffe oder Vola-Strategien für den Pictet-Multi Asset Global Opportunities mehr sind als ein Feigenblatt. „Wenn wir eine Position in alternativen Anlageklassen aufbauen, leistet diese immer auch einen wichtigen Beitrag zum Gesamtportfolio. Auch steckt hinter jedem Baustein des Portfolios ein konkretes  Marktszenario. Multi Asset ist für uns mehr als ein Modebegriff“, stellt Liebe klar.

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AUTOR Nico Popp