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Interview

Katie Trowsdale (Standard Life Investments): „Eine umfassende und zeitsparende Alternative“

11 Mrd. GBP verwaltet Standard Life Investments über die Dachfonds MyFolios in Großbritannien. Im Interview erklärt Fondsmanagerin Katie Trowsdale, was sich ihr Haus von der Einführung der Produkte in Deutschland verspricht und was für die MyFolios spricht.
© Standard Life Investments Limited

Die MyFolio-Serie gibt es in Großbritannien seit sechs Jahren, dort verwalten sie mittlerweile 11 Mrd. GBP über die Dachfonds. Was war für Sie ausschlaggebend, sie nun in Deutschland einzuführen?

Trowsdale: Bedingt durch das Niedrigzinsumfeld gibt es in Deutschland aktuell eine gute Gelegenheit, das Produkt einzuführen. In unserem Versicherungsgeschäft stellen wir verstärkt eine Nachfrage der Kunden nach renditeorientierteren, aber dennoch sicheren Vorsorge- und Sparmodellen fest.  Das ließ uns die entsprechenden SICAV-Varianten der MyFolios gründen. Wir haben gesehen, dass die neuen Gelder der Versicherungspolicen zu 50% in die MyFolios laufen. Zusätzlich dazu haben wir Analysen darüber durchgeführt, welche Märkte in Europa die interessantesten sind und sich am ehesten für eine Einführung eignen würden. Es freut uns, dass dabei Deutschland rausgekommen ist.

Heißt das, dass britische und deutsche Anleger ähnlich sind?

Ja, wobei deutsche Kunden vermutlich noch etwas konservativer als britische sind. Aber auch dieser Anlegergruppe, die sich im aktuellen Umfeld von stark defensiven Anlagen wegbewegen muss, bieten wir mit den MyFolios den höchst unterschiedlichen Kunden eine passende Lösung an.  

Mit welchen Net-Inflows rechnen Sie über kurz oder lang?

Für dieses Jahr rechnen wir mit einem dreistelligen Millionenbetrag. Ziel wäre es, 1 Mrd. Euro über die MyFolios zu verwalten. Das Ganze würde aber aggregiert mit dem Versicherungsgeschäft laufen, wo vieles über Einmalbeiträge läuft. So können wir diese Größenordnung durchaus erreichen.

Wer ist die Zielgruppe?

Der Großteil wird sicherlich erstmal aus dem Retail-Bereich kommen, auch wenn das Produkt auch für institutionelle Investoren wie Banken interessant ist. Auch in Großbritannien verlief der Vertrieb der MyFolios anfangs eher schleppend. Die großen Mittelzuflüsse begannen erst, als die Berater, die eigene Produkte anboten, unter dem Ausmaß der Regulierung zu leiden begannen und das geforderte Maß an Research nicht mehr erbringen konnten. Es war der Moment, indem sie auf die MyFolios umgestiegen sind, anstatt weiterhin eigene Produkte zu vertreiben. Im Endeffekt sparen die Berater durch die MyFolios Zeit und Risiko. Wir erwarten die gleiche Entwicklung für Deutschland.

Meinen Sie, dass der Markt für Multi-Asset-Produkte wächst oder müssen Sie diese Summe dem bestehenden Markt nehmen?

Beides. Natürlich befinden wir uns in einem Verdrängungswettbewerb. Aber der Markt wächst, da die Nachfrage nach alternativen Vorsorgemöglichkeiten zunimmt. Die klassische Rentenversicherung funktioniert im Prinzip ja gar nicht mehr. Auf der Versicherungsseite bieten wir zum Beispiel schon gar keine Garantieprodukte mehr an.  Hier versuchen wir, auslaufende Verträge im Haus zu halten, entweder indem wir neue  Versicherungsprodukte entwickeln oder Direktinvestments in die MyFolios mit Multi-Manager-Ansatz anbieten. Doch unabhängig davon werden auch immer mehr Vermittler auf Multi-Asset aufmerksam und setzen teilweise eigene Strategien auf. Doch wie gesagt, der Aufwand lohnt sich für diese oft nicht: Sie müssen unglaublich viel Research betreiben und tragen die ganzen Risiken. Für sie sind die MyFolios eine umfassende und Zeit ersparende Alternative.

Schauen wir uns die Allokation der MyFolios an: Diese hat eine strategische und eine taktische Komponente. Die strategische Allokation machen Sie in Zusammenarbeit mit der Ratingagentur Moody's. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Moodys Analytics ist eines der führenden Unternehmen im Bereich Risiko und es macht Sinn für uns, diese externe Expertise zu erschließen. Diese Trennung zu einer unabhängigen Firma ist wichtig und unser Prozess wird dadurch besser diversifiziert.  Die Trennung ist auch bei unseren Kunden beliebt, weil der Prozess nicht nur von Standard Life Investments abhängig ist. 

Wie läuft die Zusammenarbeit ab?

Wir definieren die Assetklassen, und Moody's optimiert die Anlagearten, um die fünf Risikoprofile optimal darstellen zu können. Die strategische Allokation ist aber sehr träge: Unser Horizont beträgt zehn Jahre, so dass es hier sehr wenige Anpassungen gibt. Für jedes Portfolio wählen wir aus bis zu 16 Assetklassen aus, das Maximum an Einzeltiteln beträgt im Moment 40. Diese Anzahl schwankt je nach Risikoprofil des Portfolios: Das defensive hat 40 Einzeltitel, da die Diversifikation der Anlagearten hier am höchsten ist. Auch die Anzahl der Einzeltitel je nach Assetklasse variiert. Die taktischen Entscheidungen der kurz-und mittelfristigen Marktchancen trifft unser Multi-Asset-Team in Edinburgh.

Die MyFolios sind Dachfondskonstruktionen. Was spricht für diese Konzeption?

Dachfonds bieten eine passende Lösung für globale Multi-Asset Fonds an. Die MyFolio-Fonds bieten Kunden eine komplette, breite Palette von Anlagearten unter einem Dach.  Wir setzen sehr einfach Neugewichtungen und Änderungen in den Portfolios durch, um sicherzustellen, dass diese immer im Einklang mit den Risikostufen sind. Außerdem können wir  einen Fondswitch in einem Rutsch machen, gleichzeitig sind diese Änderungen sehr kostengünstig.

Sie investieren auch in passive Konstruktionen, also ETFs. Warum?

Dies machen wir nur, wenn es Sinn macht und überwiegend für Märkte, wo es besonders schwierig ist, die Benchmark zu schlagen, etwa in den USA  oder auch in Japan.  Auch für Anleihefonds ist es aufgrund der Gebühren schwierig, die Benchmark zu schlagen. Den passiven Aktien-Markt decken wir über Blackrock und Vanguard,  den Anleihemarkt über iShares, Vanguard und Payden ab. 

Können Sie absichern, etwa durch Futures?

Wir haben keine klassische Overlay-Strategie, da wir dies nicht zu unserer Kernkompetenz zählen. Wir sichern nur sehr selektiv Währungsrisiken ab, aber auch das haben wir erst zweimal für europäische und japanische Aktien-Engagements getan. Aktien und Schwellenländerengagements kaufen wir grundsätzlich in lokaler Währung, Anleihen gehedgt.

Vielen Dank für das Gespräch!

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