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Interview

Anders Weihrauch (Jyske Invest): „Wir rechnen immer mit dem Schlimmsten“

Jyske Capital gibt Gas. Die dänische Investmentboutique möchte in Deutschland wachsen – aus diesem Grund hat sie ihre hiesige Produktpalette um vier SICAV-Fonds erweitert. FONDS professionell ONLINE traf Thomas Poulsen, Senior Relationship Manager International Sales bei Jyske Capital, und Anders Weihrauch, Senior Analyst und Fondsmanager des über 250 Millionen Euro schweren Flaggschifffonds Jysek Invest Stable Strateg
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Herr Poulsen, Jyske Capital bietet seit kurzem vier Fonds in einem neuen rechtlichen Mantel in Deutschland an. Was ist der Grund für diesen Schritt.

Thomas Poulsen: Deutschland ist bereits seit vielen Jahren ein Kernmarkt für uns. Wir sind hier seit mehr als 20 Jahren aktiv. In der Anfangszeit gab es vor allem Nachfrage nach Portfolios, die in dänische Pfandbriefe investieren. Für dieses Jahr haben wir uns aber vorgenommen durchzustarten. Den ersten Schritt haben mit der Einstellung von Thomas Justen gemacht, der von Barings kommt. Er hat seinen Sitz in Frankfurt und wird mich insbesondere im Wholesale-Bereich unterstützen.

Sprechen Sie noch andere Kunden als den Wholesale-Bereich an?

Poulsen: Ja, wir sind auch in Gesprächen mit institutionellen Anlegern und freien Beratern. So stehen wir in Kontakt mit vier Maklerpools, darunter auch große wie Netfonds oder Fonds Finanz. Auch im Private-Banking-Bereich haben wir unsere Fühler ausgestreckt.

Was macht Sie sicher, den richtigen Zeitpunkt für die Sales-Offensive in Deutschland gewählt zu haben?

Poulsen: Ich denke, dass wir mit unserem Angebot und dem Fokus auf Risikomanagement den Nerv der deutschen Anleger treffen. Diese haben bekanntlich einen großen Appetit auf Mischfonds. Aber auch die anderen Strategien, Aktien mit geringer Volatilität, sowie Hochzinsanleihen und vor allem dänische Pfandbriefe treffen sicher den defensiveren Geschmack der Deutschen. Die neuen Fonds haben zudem den Zweck, das Angebot von Jyske in Deutschland mehr zu differenzieren. Wir möchten auch zeigen, dass wir mehr als nur den Stable Strategy verwalten.

Warum packen Sie etablierte Fondsstrategien in einen SICAV-Mantel anstatt die dänischen Fonds nicht einfach zum Vertrieb zuzulassen?

Poulsen: Investoren möchten Transparenz bei ihren Fonds. Für diesen Zweck ist der SICAV-Mantel bestens geeignet. Hinzu kommt, dass SICAV-Fonds auch besser für die ab 2018 geltenden neuen Regeln für die Fondsbesteuerung geeignet sind als die in Dänemark domizilierten Fonds.

Herr Weihrauch, dass der Stable Strategy das Erfolgsportfolio von Jyske Capital in Deutschland schlechthin ist, verwundert angesichts von dessen Performance nicht. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Anders Weihrauch: Wir haben einfach von unserem Ansatz, zu allen Zeiten ein robustes Portfolio zu bauen, profitiert. Das hat bis auf 2008 immer gut funktioniert, wie man auch Anfang vergangenen Jahres sehen konnte.

Was verstehen Sie unter robust?

Weihrauch: Dazu muss ich etwas ausholen: Das Multi-Asset-Team bei Jyske, zu dem ich gehöre, betreut verschiedene Fonds mit ähnlichen, aber nicht deckungsgleichen Anlagezielen.  Das Team selbst besteht aus verschiedenen Gruppen, die für jeweils unterschiedliche Strategien bei Aktien und Anleihen zuständig sind. Bei Aktien etwa verfolgen meine Kollegen einen Ansatz, der Value und Momentum kombiniert. Das heißt, die Werte müssen in beiden Szenarien gut laufen. Aus diesen verschiedenen Strategien bauen Lead-Manager wie ich dann unter Berücksichtigung der makroökonomischen und geo-politischen Rahmenbedingungen ihre Portfolios. Dabei haben wir immer das Risiko im Blick, ohne aber einen festen Volatilitäts-Korridor zu definieren. Wir rechnen immer mit dem Schlimmsten – überlegen also, was das schlechtmögliche Szenario wäre – und kombinieren die einzelnen Strategien entsprechend der Anlageziele der Fonds.

Wie haben Sie den Stable Strategy aktuell ausgerichtet?

Weihrauch: Das Portfolio ist zu rund 61 Prozent in sicheren Staatsanleihen investiert: Deutsche, dänische, japanische oder auch britische Papiere. Jeweils 7,5 Prozent stecken in Schwellenländer-Renten und Hochzinsanleihen. Der Rest, 24 Prozent, ist in Aktien. Das Stock-Pick-Portfolio ist klein und konzentriert, auf rund 40 bis 50 Titel.

Wie haben sie auf den Amtsantritt von Präsident Trump reagiert?

Weihrauch: Die Wahl und dann der Regierungsantritt im Januar haben risikoreichen Assets wie Aktien mächtig Auftrieb gegeben. Daher ist der Fonds im Moment auch voll in Aktien investiert, die Aussichten sind ja bleibend gut. Auch die Fundamentaldaten sprechen für Aktien.

Wie schätzen Sie die Politik der Notenbanken ein, und wie reagieren sie darauf?

Weihrauch: Die Ankündigung der US-Notenbank Fed, die Zinsen schrittweise erhöhen zu wollen, bedeutet sicher mehr Risiko für Renteninvestoren, da die europäischen Notenbanker trotz steigender Inflation bislang keine Signale in diese Richtung senden. Durch die unterschiedliche Geld-und Zinspolitik ist der Spread zwischen US- und Euro-Anleihen ordentlich gewachsen, sodass sich Anleger mehr und mehr auf die US-Treasuries stürzen und dadurch die Kurse der europäischen Papiere nach unten schicken.

Und was machen Sie, wenn die EZB doch die Zinsen erhöht?

Weihrauch: Wir senken die Duration in unseren Portfolios.

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Herausgeber: FONDS professionell ONLINE