Achim Küssner ist seit Juli 2007 Geschäftsführer bei der britischen Fondsgesellschaft Schroders. Er kam von Blackrock Deutschland, wo er seit Oktober 2006 Geschäftsführer war. Davor war er acht Jahre bei Merrill Lynch Investment Managers in Deutschland - bis zu deren Übernahme durch Blackrock.
Von Andreas Harms, Das Investment
DAS INVESTMENT: Was ist Income IQ?
Achim Küssner: Income IQ ist in erster Linie ein Unterstützungs-Tool, das Berater im Gespräch mit ihren Kunden einsetzen können. Es hilft ihren Kunden dabei, sich selbst zu erkennen und Anlageentscheidungen zu treffen. Es kann ihnen zeigen, wo sie unerkannte Schwächen haben. Ein direktes Beratungs-Tool ist es dagegen definitiv nicht. [.] Es ist nur ein Hinweis, wo normale menschliche Schwächen und Risiken für Fehleinschätzungen lauern. Es wird also nie die Aufforderung kommen, das und das zu machen. Sondern es gibt den Rat, beispielsweise nicht zu sehr dem Herdentrieb zu verfallen.
Hatten Sie psychologischen Beistand? Haben Sie selbst den Test auch gemacht?
Küssner: Wir arbeiten mit dem Behavioral-Science-Experten Joe Gladstone von der Universität in Cambridge zusammen. Ja, ich habe ihn gemacht. Und ich gebe zu, dass nicht alles grün war. Ich hatte auch ein paar rote Felder. Immerhin waren die Punkte "Finanz-Know-how" und "Einschätzung von Geld" grün. [.] Aber ich glaube, ich war beim Punkt "Herdentrieb" rot.
Da war ich auch nicht so toll. Sollte man [daher bei Finanzentscheidungen] [.] seine Emotionen einfach nur kanalisieren oder gleich ganz abschalten?
Küssner: Der Mensch neigt nun mal dazu. Das ist ein wesentlicher Punkt der Behavioral Finance. Es gibt nur ganz wenige ganz rationale Leute. Das Dumme ist nur, dass sich emotionale Entscheidungen bei der Altersvorsorge sehr stark auswirken. Aber sie ganz abzuschalten wird wohl nicht möglich sein. Der Homo oeconomicus existiert wahrscheinlich nur in Lehrbüchern. Aber wenn man seine Schwächen kennt, dann kann man sie zumindest schon mal abmildern.
Soll Income IQ den deutschen Anleger am Ende doch noch zu einem Finanzexperten machen?
Küssner: Dass der Bedarf dafür da ist, das wissen wir ja alle aus zahlreichen Studien. Der Deutsche interessiert sich viel mehr für sein nächstes Auto als für seine Altersvorsorge. Vielleicht kann man diese Menschen tatsächlich über solche Tools abholen und dazu bringen, sich etwas mehr mit ihren Finanzen zu beschäftigen. Deshalb haben wir auch versucht, das Ganze interessant zu gestalten und Fragen aus dem täglichen Leben mit einzuflechten. [.] Der Mensch ist nun mal nicht rational, sondern emotional. So kauft er eben auch Fonds, die in irgendeiner Rangliste vorn liegen, obwohl sie gar nicht zu seinem Anlegerprofil passen. Menschen lassen sich leicht verleiten, was uns zur Problematik der Selbsteinschätzung führt. [.] Und das ist nicht nur ein deutsches Phänomen. Der Mensch neigt generell zu Fehleinschätzungen. Unser Online-Tool soll das ein wenig geraderücken.
[.] Inhaltlich erfinden Sie das Rad nicht neu, sondern nennen Dinge, die ohnehin in eine Beratung gehören. Ein Armutszeugnis für die Finanzberatung? [Und] wollen Sie den Test erweitern, oder sollen eher weitere Tests hinzukommen?
Küssner: Ich würde die Beratung nicht pauschal kritisieren. Wie so oft gibt es gute und schlechte. Unsere Kampagne ist aber eine Gelegenheit, dass Berater ihr Angebot erweitern, mit dem Kunden diskutieren und menschliche Schwächen aufzeigen. Wenn Joe Gladstone eine Idee hat, wie man den Test erweitern kann, ist das sicherlich gut möglich. Aber die Idee ist eigentlich, noch weitere Unterstützungsinstrumente auf die Seite zu stellen. Man muss das im Kontext der digitalen Marketing-Revolution sehen. Wir wollen zum Beispiel analog zu unserem Auftritt in England mit Videos arbeiten. Nach dem Motto: 60 Sekunden mit ... Nur mit deutschen Leuten in deutscher Sprache und zu aktuellen Ereignissen. Das Internet bietet einfach tolle Möglichkeiten, man muss sie nur nutzen.