Nachdem in der ersten Monatshälfte das Griechenland- Drama weiter seinen Lauf nahm - inklusive Referendum, Rücktritt des Finanzministers und durchgängig geschlossener Börse - einigte man sich dann doch auf Verhandlungen über ein neues, drittes Hilfspaket. Die Märkte wandten sich dann schnell wieder anderen Themen zu, wie Unternehmenszahlen für das zweite Quartal, die Achterbahnfahrt der Aktienmärkte im fernen China und dem Dauerbrenner einer möglichen Zinsanhebungen der US- Notenbank. Vor allem die europäischen Märkte zeigten sich von der positiven Seite und legten eine kleine Rallye hin (Eurostoxx 50: +5,2%), womit es ab Mitte des Monats zu neuen Kaufsignalen in unseren Trendfolgefonds kam.
Griechenland gerettet! Europa verloren?
Obwohl 61,3% des griechischen Volkes neue Sparmaßnahmen im Referendum ablehnten, lenkte Ministerpräsident Tsipras ein und brachte mit Hilfe der Opposition den Antrag auf weitere Hilfsgelder durchs Parlament, was mit weiteren Ausgabenkürzungen verbunden ist. Es wurde also ein Programm verabschiedet, das noch Stunden zuvor entschieden abgelehnt wurde. So ganz überzeugt war er zwar auch danach nicht, aber letztendlich war den Griechen der Verbleib im Euro doch wichtiger als der eigene Stolz. Die glaubhafte Drohung unseres Finanzministers Schäuble die Griechen aus dem Euro zu werfen hat seine Wirkung nicht verfehlt.
Einer der dies nicht mitmachte war der umstrittene bisherige Finanzminister Yanis Varoufakis, der am Tag nach dem Referendum überraschend seinen Rücktritt erklärte. Bei den Euro-Finanzministern galt er als unerwünschte Person, trug die "Abscheu der Geldgeber" aber mit "Stolz". Erst im Laufe des Monats wurden weitere brisante Details bekannt, wie etwa Vorbereitungen zu einer Wiedereinführung der Drachme mit Hilfe von Hackern. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun. Andererseits diskutierten Ökonomen wie der frühere US-Notenbankchef Bernanke über einen "Dexit", also einem Ausstieg Deutschlands aus dem Euro.
Inwiefern die erneuten Sparmaßnahmen und weitere Hilfsgelder an Griechenland Sinn machen, sei einmal dahin gestellt. Beim Votum im deutschen Parlament über die Aufnahme für Gespräche gab es jedoch deutlich mehr Abweichler als noch bei den letzten Abstimmungen.
Am Markt zeigten sich die Akteure nach der Einigung in Sachen Griechenland erleichtert und die Leitzindizes aus Deutschland (+3,3%), Frankreich (+6,1%), Italien (+5,6%) und Spanien (+3,8%) legten zu. Besonders stark entwickelten sich Nebenwerteindizes, wie beispielsweise der MDAX (+5,8%). Die Zinsen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen fuhren einmal mehr Achterbahn und stiegen zu Monatsbeginn zunächst von 0,7% auf 0,9% nur um dann am Ende wieder auf knapp 0,6% zu fallen.
Zinserhöhung durch die US-Notenbank rückt näher
Fed-Notenbankchefin Janet Yellen hat im Laufe des Monats wiederholt bekräftigt, was alle sowieso schon wussten. Die Zinsen in den USA werden steigen. In den Protokollen der jüngsten Notenbanksitzung war ein weiterer Hinweis zu finden, dass die Erwartung sich auch erfüllt. Guten Quartalszahlen und einer Normalisierung des Arbeitsmarktes stehen eine geringe Inflationsrate und gesenkte Wachstumsprognosen gegenüber. Der NASDAQ kletterte zeitweise auf ein neues Allzeithoch. Auch der S&P 500 kletterte um rund 2%, trotz eines stärkeren US-Dollars. Allerdings befindet sich der amerikanische Leitindex schon seit Monaten in einer Seitwärtsphase, aus der er bisher nicht herauskommt. Der Dow Jones kletterte nur um 0,4%. Die langfristigen US-Zinsen gingen etwas zurück.
Chinas Wachstumsschwäche und erneut eingebrochener Ölpreis
Zwar konnte China im zweiten Quartal mit einem 7%igen BIP-Wachstum positiv überraschen - nur glauben will die offiziellen Zahlen keiner mehr. Die Einkaufsmanagerindizes als Frühindikatoren zeigen ein anderes Bild - sie sind deutlich unter die Wachstumsschwelle von 50 gefallen. Interessanterweise befindet sich der offizielle Einkaufsmanagerindex immer noch im positiven Terrain. Am taumelnden chinesischen Aktienmarkt hat der Staat nun ebenfalls in die Preisfindung eingegriffen: Es wurde ein Stabilisierungsfonds großer Broker eingerichtet, IPOs wurden aus- gesetzt, der Staatsfonds kauft am Sekundärmarkt Aktien. Große Asset Manager versprechen ihrerseits Aktien zu kaufen und mindestens 1 Jahr zu halten, die Kosten für den Derivatehandel stiegen um "absichtliches Shorten" zu verhindern. Insgesamt führte dies auch zu einer vorläufigen Stabilisierung am Markt. Gegen Ende des Monats setzten dann aber wieder Verkäufe ein, der Shanghai Composite erlitt einen der größten Tagesverluste seit Bestehen. Auf Monatssicht steht ein Minus von über 14% zu Buche.
Die Rohstoffpreise verbilligten sich aufgrund der Wachstumsschwäche Chinas. Die Ölpreissorte Brent stürzte um über 20% ab, der breitgefasste Rohstoffindex Rogers International verlor über 9%. Auch der Goldpreis sank (in US--Dollar gerechnet) auf ein Fünfjahrestief. Die Feinunze war teilweise für unter 1.000 Euro zu haben. All dies hatte Auswirkungen auf die Aktienmärkte rohstoffexportierender Länder wie zum Beispiel Brasilien (-4,2%). Die Währung brach zudem um über -8% ein. Die Realwirtschaft strauchelt: Brasiliens Q2-BIP ist um 4,75% zurückgegangen. Auch in Moskau verlor der russische Leitindex in US-Dollar -8,6%. Der breitgefasste Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets gab um -7,3% nach. Auf der anderen Seite profitieren Rohstoffimporteure wie Indien (+1,2%) oder das Industrieland Japan (+1,7%) von den niedrigen Energiepreisen. In diesen beiden Ländern sind wir mit unseren Trendfolgefonds verstärkt investiert.
Ausblick
Kein Grexit, sondern die Chance auf ein drittes Hilfspaket in zweistelliger Milliardenhöhe. Somit scheint in Sachen Griechenland zunächst alles geklärt und die Märkte können sich wieder neuen Themen zuwenden. Das werden zum einen weiterhin die schwächelnden chinesischen Aktienmärkte und Wirtschaft sein und zum anderen die von allen erwartete Zinserhöhung der US-Notenbank im September. Das sollte genügend Stoff für weiter volatile Märkte sein. Mit unserem aktiven Managementansatz sehen wir uns dafür gut gerüstet. Damit Sie entspannt in Ihren Urlaub fahren können.