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Marktkommentar

Jamie Coleman (MFS): Schwankende Technologiewerte, billigeres Öl

© MFS

Internationale Aktien gaben diese Woche nach, wobei hochkapitalisierte Wachstumswerte am meisten verloren. Die US-Zehnjahresrendite fiel von 4,43% auf 4,39%. Wegen der allmählichen Normalisierung der Öllieferungen aus dem Nahen Osten verbilligte sich das Barrel West Texas Intermediate von 74,50 US-Dollar auf 69,50 US-Dollar. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) stieg die Volatilität diese Woche von 18,6 auf 19,6.

Konjunktur

Weißes Haus gibt Warsh mehr Spielraum

Der frühere Fed-Chairman Alan Greenspan starb diese Woche im Alter von 100 Jahren. Für kurze Zeit saßen er und der heutige Notenbankchef Kevin Warsh gemeinsam im Offenmarktausschuss, kurz nach Warshs Ernennung zum Direktoriumsmitglied durch Präsident George W. Bush. Letzte Woche, auf seiner ersten Pressekonferenz als Vorsitzender, fühlte man sich an Greenspans kryptischen Kommunikationsstil erinnert. Warsh verzichtete auf Forward Guidance, die bei Greenspans Nachfolgern so beliebten frühzeitigen Hinweise auf die geplante Geldpolitik. Anleihen könnten jetzt volatiler werden.

Sinkende Ölpreise und die neue Entschlossenheit der Fed im Kampf gegen die Inflation ließen die Anleihenrenditen diese Woche fallen. Offensichtlich kann sich Warsh gegenüber Trump daher einiges herausnehmen; zumindest bekam er von der Regierung bislang viel Lob. Er sei zuversichtlich, dass Warsh sowohl das Preisstabilitäts- als auch das Beschäftigungsziel optimal erfüllen werde, sagte Finanzminister Scott Bessent diese Woche. Auch Trump habe volles Vertrauen in den neuen Notenbankchef. Das Wall Street Journal beschrieb Warshs Dilemma angesichts der Produktivitätsgewinne durch KI so: Wenn die Produktivität dank KI bald steigt, kann die Fed wie Greenspan in den 1990ern abwarten, bis das Angebot zur Nachfrage aufschließt. Wenn es aber länger dauert, könnte sich die Wirtschaft angesichts der KI-getriebenen Nachfrage überhitzen. Dann könnte Abwarten teuer werden.

Ölpreis nach Wiederöffnung der Straße von Hormus fast wieder auf Vorkriegsniveau

Ende der Woche notierte WTI-Rohöl unter 70 US-Dollar und Brent unter 75 US-Dollar. Da immer mehr Schiffe die Meerenge passieren, kostet Öl jetzt fast wieder so wenig wie vor dem Krieg. Auch die Versicherungsprämien haben sich in der letzten Woche mehr als halbiert. Seit dem 18. Juni passierten laut Financial Times mindestens 172 Schiffe die Straße von Hormus. Der Oman will auf Maut verzichten, während der Iran für „Schutz und andere Dienstleistungen“ Gebühren erheben will. Am Donnerstag berichtete das Wall Street Journal aber, dass der Iran nach US-Angaben hinter dem Angriff auf ein unter singapurischer Flagge fahrendes Frachtschiff nahe der omanischen Küste stecke. Es gab allerdings keine Verletzten. Die amerikanischen und iranischen Verhandler berichteten über Fortschritte bei den Gesprächen in der Schweiz, die in 60 Tagen abgeschlossen sein sollen. Das US-Finanzministerium nahm den Verkauf von iranischem Rohöl gegen US-Dollar von den Sanktionen aus. Die USA und Katar wollen dem Iran Zugang zu etwa 6 Milliarden US-Dollar eingefrorener Finanzmittel für humanitäre Zwecke gewähren. Am Freitag haben sich die USA und der Iran dem Vernehmen nach verständigt, sich bei der Straße von Hormus besser abzustimmen und eine erneute militärische Eskalation zu vermeiden.

Schwankende Technologieaktien wegen wachsender Bewertungszweifel

Am Dienstag gab Südkoreas KOSPI um 10% nach und der SOX-Halbleiterindex fiel um fast 8%. Technologiewerte gerieten wegen der hohen Bewertungen zunehmend unter Druck. Der Markt stabilisierte sich wieder leicht, als Micron Technologies nach Börsenschluss am Mittwoch über enorme Gewinne berichtete und einen optimistischen Ausblick vorlegte. Freitagmorgen kehrte der Verkaufsdruck aber zurück. Anleger machen sich die üblichen drei Sorgen: Sie fürchten höhere Zinsen, hohe Bewertungen und zu hohe KI-Infrastrukturinvestitionen, mit denen die Gewinne nicht mithalten können. Unterdessen erreicht der Speicherchipmangel auch Konsumgüterhersteller. Apple hat die Preise für viele Geräte diese Woche um 20% angehoben. Jetzt fürchten Anleger eine geringere Nachfrage, sodass die Aktien der Zulieferer Ende der Woche fielen.

US-Wachstum nach oben korrigiert, PCE-Index wie erwartet

Im Mai stieg der PCE-Kernindex um 3,4% z.Vj. und 0,3% z.Vm., beides wie erwartet. Die Haushaltseinkommen legten allerdings, ebenso wie die Haushaltsausgaben, um überraschend starke 0,7% zu. Das US-Wirtschaftswachstum im 1. Quartal wurde jetzt endgültig mit 2,1% (annualisiert) festgestellt, nach einer früheren Schätzung von 1,6%. Die Bestellungen langlebiger Güter fielen im Mai um 4,5%, vor allem, weil weniger Flugzeuge bestellt wurden. Der Aprilwert wurde aber auf plus 8,5% heraufkorrigiert. Die Bestellungen von Kern-Investitionsgütern stiegen im Mai um ordentliche 1,6%, nach 0,7% Minus im April. Die Verkäufe neuer Einfamilienhäuser gingen im Mai überraschend um 7,3% zurück.

Aufgrund der fallenden Ölpreise könnte die Inflation bald wieder nachlassen. Wegen der noch immer hohen Kerninflation hat die Fed ihren Zielwert aber noch lange nicht erreicht.

Kurz gefasst 

Nach den vorläufigen Einkaufsmanagerindizes hat sich die Konjunktur in den meisten Ländern im Juni erholt, mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs.


Am Montag trat Großbritanniens Premierminister Keir Starmer zurück. Er wird aber im Amt bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist. Der neu gewählte Unterhausabgeordnete Andy Burnham, der gerade seinen Sitz eingenommen hat, hat sich sofort für das Amt beworben.

Analysten schätzen, dass die jüngsten ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur 20% der russischen Raffineriekapazitäten unbrauchbar gemacht haben.

Laut Goldman Sachs ist eine Rezession in den USA unwahrscheinlicher geworden. Das Risiko betrage für die nächsten zwölf Monate jetzt nicht mehr 25%, sondern nur noch 15%. Grund sei der starke Energiepreisrückgang nach der Unterzeichnung der Waffenstillstandsvereinbarung durch die USA und den Iran.

JP Morgan hob sein Kursziel für den S&P 500 zum Jahresende von 7.600 auf 7.800 an und begründete das mit KI-Investitionen und der guten Konjunktur.

Die großen US-Banken haben den jährlichen Stresstest der Fed bestanden. Nach Einschätzung der Notenbank können sie auch einer schweren Rezession standhalten und etwa 700 Milliarden US-Dollar Verluste tragen.

Der „Debasement Trade” – steigende Anleihenrenditen, fallender Dollar, steigende Gold- und Kryptokurse – wird mehr und mehr Vergangenheit. Das hat sicherlich auch mit den jüngsten scharfen Äußerungen der Fed zu tun.

Im Juni wurden in den USA für 175 Milliarden US-Dollar Investmentgrade-Anleihen begeben – ein neuer Rekord für diesen Monat und 60% mehr als im Vorjahr. Grund ist der hohe Kapitalbedarf für KI-Infrastruktur.

Nach der Ratifizierung durch die EU-Mitgliedstaaten wird das Handelsabkommen zwischen der EU und den USA in den nächsten Tagen in Kraft treten. Die EU wird Zölle auf amerikanische Industriegüter und manche landwirtschaftliche Produkte abschaffen. Europäische Exporte in die USA werden im Gegenzug mit maximal 15% Zoll belastet.

Dem Vernehmen nach erwägt der Irak einen Austritt aus der OPEC, wenn die Förderquoten nicht deutlich erhöht werden.

Nach der jährlichen Überprüfung der Indexzuordnung führt MSCI Südkorea weiter als Emerging Market. Begründet wird das mit strukturellen Engpässen trotz der jüngsten koreanischen Reformen.

Das amerikanische Energieministerium stellt 17,5 Milliarden US-Dollar zinsbegünstigte Kredite für Kernenergietechnik zur Verfügung. Sieben Versorger haben bereits Vorverträge unterzeichnet. Walmart unterzeichnete unterdessen einen langfristigen Vertrag zum Kauf von Atomstrom. Man benötige ihn nicht mehr nur für Datenzentren.

Die Ölexporte der Vereinigten Arabischen Emirate betragen dem Vernehmen nach wieder 85% des Vorkriegsniveaus.

Am Donnerstag stieg der US-Dollar mit 161,95 Yen je US-Dollar fast auf ein 40-Jahres-Hoch gegenüber der japanischen Währung.

Präsident Trump bestellte am Mittwoch führende Manager aus der Verteidigungsbranche ins Weiße Haus, um auf eine höhere Munitionsproduktion zu drängen. Die Regierung muss ihren Bestand an modernen Raketen und Luftabwehrraketen dringend wieder auffüllen, nachdem er im Irankrieg stark dezimiert wurde.

Der US-Kongress hat diese Woche mit Zustimmung beider Parteien ein Wohnungsgesetz verabschiedet. Ziel sind niedrigere Kosten für Hausbesitzer und Mieter. Institutionelle Investoren sollen nur noch begrenzt Einfamilienhäuser besitzen dürfen, Vorschriften werden gelockert, die Umwandlung von Gewerbeimmobilien in Wohnungen soll erleichtert werden.

Am Donnerstag stellte Japans Premierministerin Sanae Takaichi ein umfassendes Investitionsprogramm vor, das Japans Wirtschaft langfristig verändern soll. Umgerechnet 2,3 Billionen US-Dollar öffentlicher und privater Mittel sollen in strategische Sektoren fließen, um das Wachstum zu stärken und das Land wirtschaftlich unabhängiger zu machen – von KI und Halbleitern bis zu Gesundheit und anderen hoch entwickelten Branchen.

John Williams, Präsident der New York Fed, nannte die Inflation am Donnerstag „zweifellos erhöht.“ Gründe seien Zölle, hohe Energiepreise und KI-Investitionen.

Wie es heißt, will OpenAI seinen Börsengang möglicherweise auf 2027 verschieben.

Im Mai weitete sich das amerikanische Handelsbilanzdefizit auf 105,8 Milliarden US-Dollar aus, den höchsten Wert seit mehr als einem Jahr. Während die Ölexporte fielen, stieg die Nachfrage nach importierten Investitionsgütern weiter, vor allem wegen des Ausbaus der KI-Infrastruktur.

Nächste Woche 

Montag: japanische Einzelhandelsumsätze

Dienstag: japanische Industrieproduktion, britisches BIP, JOLTS Job Openings Index in den USA

Mittwoch: Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für das Verarbeitende Gewerbe weltweit, Verbraucherpreise im Euroraum

Donnerstag: Arbeitslosenquote im Euroraum, US-Beschäftigungsbericht

Freitag: Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für den Dienstleistungssektor und Composite-Indizes weltweit (ohne USA), US-Börsen wegen Unabhängigkeitstag geschlossen

 

Fokussiert und diversifiziert bleiben

Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.

Diese Informationen sowie Nennungen von Unternehmen und Einzelwerten dürfen nicht als Anlageberatung, Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Hinweis auf die Kauf- oder Verkaufsabsichten eines MFS-Produkts aufgefasst werden.

Die hier genannten Einzelwerte können, aber müssen nicht in MFS-Fonds enthalten sein. Eine vollständige Liste aller Einzelwerte von MFS-Portfolios finden Sie in deren aktuellen Jahres-, Halbjahres- oder Quartalsberichten. Vollständige Bestandsübersichten finden Sie auch in den Fondsübersichten im Abschnitt „Produkte“ auf mfs.com.

Die hier dargestellten Meinungen sind die von MFS und können sich jederzeit ändern. Prognosen sind keine Garantien.

Die Performance der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research.




 

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