30.04.2026 -
Die Kapitalmärkte bewiesen im April eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. Trotz eines komplexen makroökonomischen Umfelds stabilisierten sich die Kurse nach anfänglichen Volatilitäten und notieren zum Monatsende erneut in Reichweite ihrer Höchststände. Das Fundament dieser Stärke bildete eine Berichtssaison, die die Erwartungen auf breiter Front übertraf.
Der IT-Infrastrukturboom sorgt für sprudelnde Gewinne in den damit verbundenen Sektoren. Chipproduzenten vorneweg, aber auch viele Unternehmen in der Industrie profitieren als Zulieferer kritischer Technik. Für Unternehmen im S&P 500 liegen die Gewinne im ersten Quartal im Schnitt 20% über dem Vorjahresniveau, während der Umsatz „nur“ um 10% zulegte. Auch viele der zuletzt sehr kritisch gesehenen Softwareunternehmen legten gute Zahlen vor. Für eine wirkliche Stimmungsaufhellung sorgte dies jedoch nicht, noch ist das Glas hier halb leer. Steigende Unternehmensgewinne sind eine gute Basis, wenn davon beim Konsumenten jedoch nichts ankommt, ist die Lebensdauer des Trends beschränkt. Der US-Arbeitsmarkt wächst nicht mehr in dem Tempo wie vor 2022 und selbst dem Amerikaner scheint die Kauflaune abseits des Dienstleistungssektors zu vergehen. In China zeigt die seit Jahren angestrebte Belebung des Konsums noch wenig Erfolge.
Geldpolitisch markierte der April das Ende einer Ära. In seiner letzten Sitzung als Vorsitzender beließ Jerome Powell die Leitzinsen unverändert, adressierte jedoch explizit die neuen Inflationsrisiken durch geopolitische Verwerfungen. Mit dem Stabwechsel an Kevin Warsh rückt ein Kurswechsel in den Fokus der Märkte. Warsh gilt als Vertreter einer restriktiveren Linie; seine bisherigen Statements lassen auf eine straffere Liquiditätspolitik schließen, was das Bewertungsgefüge mittelfristig unter Druck setzen könnte. Erste Auftritte konnten zumindest die Sorgen vor einer zu starken politischen Einflussnahme etwas dämpfen.
Geopolitisch blieb die Konfrontation zwischen den USA und dem Iran der dominierende Risikofaktor. Die Spannungen an der Straße von Hormus lösten zwar merkliche Ausschläge bei den Energiepreisen aus, konnten den fundamentalen Optimismus der Aktienmärkte jedoch nicht nachhaltig dämpfen. Die operativen Erfolge der Unternehmen wogen für die Anleger schwerer als die Schlagzeilen aus Nahost.
Zusammenfassend zeigt sich ein zweigeteiltes Bild: Einer exzellenten Verfassung großer Bereiche der Unternehmenswelt stehen wachsende wirtschaftliche und politische Unwägbarkeiten gegenüber. Angesichts ambitionierter Multiplikatoren und der engen Marktführung ist eine selektive Titelauswahl wichtiger denn je, auch wenn der übergeordnete Wachstumstrend intakt bleibt.
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