05.06.2026 -
Die Märkte sehen sich mit einem bemerkenswerten Paradoxon konfrontiert. Die Zinsniveaus bewegen sich weiterhin nahe den Höchstständen seit der Corona-Pandemie, geopolitische Spannungen prägen nach wie vor die Lage, und der Inflationsdruck nimmt wieder zu. Dennoch haben sich die Aktien- und Rentenmärkte bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt, was vor allem auf die soliden Unternehmensgewinne zurückzuführen ist. Dieses Thema haben wir bereits in unserem Artikel „Der Preis der Widerstandsfähigkeit“ analysiert.
Für Anleger stellt sich dabei eine zentrale Frage: Sollte ein Fonds wie der Carmignac Patrimoine weiterhin in risikoreiche Anlagen investieren? Wir glauben, dass die Antwort „Ja“ lautet, aber nicht für alle Anlagen. Mit anderen Worten: Die Frage ist nicht, ob man Risiken eingehen soll. Die Frage ist, welche Risiken es noch wert sind, eingegangen zu werden.
Dies gilt umso mehr, als die traditionelle Definition von „risikoreichen Anlagen“ an Eindeutigkeit verloren hat. Gold, das üblicherweise als sicherer Hafen gilt, hat sich eher wie ein Momentum-Anlageinstrument verhalten, während Anleihen zeitweise eher als Volatilitätsquelle fungierten als Schutz zu bieten. Im Rahmen dieses Artikels konzentrieren wir uns auf drei Bereiche, in denen die Risikobereitschaft für den Portfolioaufbau nach wie vor von zentraler Bedeutung ist: Aktien, Unternehmensanleihen und Schwellenländermärkte.

Wir bleiben optimistisch in Bezug auf globale Aktien. Es stimmt, dass die Bewertungen nicht mehr günstig sind: Die US-Indizes bewegen sich nahe ihren Allzeithochs, die Anzahl der Indextreiber hat sich deutlich verringert, und die kurzfristige Volatilität bleibt vor dem Hintergrund einer nach wie vor unsicheren geopolitischen Lage erratisch. Das offensichtliche Problem bei den Bewertungen ist der starke Zinsanstieg. Höhere Renditen führen zu einer stärkeren Abzinsung künftiger Gewinne und machen eine disziplinierte Bewertung noch wichtiger, insbesondere in den teuersten Marktsegmenten. Doch die Kursniveaus allein reichen derzeit nicht aus, um einen Ausstieg aus Aktien zu rechtfertigen, solange die Fundamentaldaten weiterhin positiv sind. Insbesondere in den USA haben sich die Unternehmensgewinne als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen; so lagen die Gewinne der S&P 500-Unternehmen im ersten Quartal deutlich über den Erwartungen. Diese Gewinndynamik ist einer der Hauptgründe dafür, dass Aktien den Zinsanstieg, aufkommende Inflationssorgen und geopolitische Turbulenzen verkraften konnten.
Allerdings wird der Markt zunehmend selektiver. In letzter Zeit rentabel waren Engagements in den USA, das Thema Künstliche Intelligenz (KI) sowie der Faktor Momentum. Gleichzeitig hat die Marktbreite bei den Kursanstiegen nachgelassen; nur noch eine kleine Anzahl von Aktien treiben die Performance der Indizes. Das ist nicht unbedingt ein Zeichen für übertriebene Euphorie; sondern zeigt dagegen, dass Anleger zunehmend zwischen Unternehmen unterscheiden, die Gewinne erzielen können, und solchen, die dazu nicht in der Lage sind.
Unsere langfristige Einschätzung in Bezug auf KI bleibt unverändert. Wir betrachten dieses Thema nicht lediglich als eine Marktentwicklung, sondern als einen strukturellen Wandel bei der Kapitalallokation, wobei der Technologiebereich einen wachsenden Anteil an den weltweiten Investitionen ausmacht. Eine positive Einstellung zur KI bedeutet jedoch nicht, dass man sich wahllos in allen Technologiesektoren engagieren sollte. Nach einer kräftigen Kursrallye haben wir bei Teilen unseres Halbleiterengagements, insbesondere bei Titeln mit höherem Beta, regelmäßig und schrittweise Gewinne mitgenommen. Dies ist keine Abkehr von unserer langfristigen Einschätzung, sondern ein disziplinierter Ansatz zum Risikomanagement bei Bewertungsrisiken und Portfoliokonzentrationen.
Gleichzeitig haben wir den Rest des Aktienportfolios weiter umgebaut. Da sich der Markt auf KI konzentriert, sind andere Bereiche vernachlässigt worden, was Chancen bei Unternehmen mit soliden Fundamentaldaten und angemesseneren Bewertungen eröffnet. Aus diesem Grund bauen wir weiterhin ein ausgewogeneres Engagement in Aktien auf, indem wir langfristige Wachstumsthemen mit Diversifikationselementen wie defensiven US-amerikanischen Medikamente-Händlern, Berkshire Hathaway und ausgewählten Schwellenländer-Banken kombinieren.
In der Praxis verfolgen wir einen „Barbell“-Ansatz: Wir verbinden die Ausrichtung auf langfristige strukturelle Wachstumsthemen mit widerstandsfähigen und attraktiv bewerteten Unternehmen außerhalb der am stärksten umkämpften Marktsegmente. Zudem setzen wir auch Put-Optionen ein, wenn die Selbstzufriedenheit am Markt überhandzunehmen scheint und die Kosten für eine Absicherung attraktiv werden. Diese „Out-of-the-Money“-Optionen dienen dazu, das Portfolio im Falle eines erheblichen Marktschocks abzusichern. Mit anderen Worten: Wir haben zwar eine Hierarchie der Wahrscheinlichkeiten, aber wir stellen das Portfolio so zusammen, dass es auch dann Erfolg hat, falls wir uns irren. Wir stehen Aktien daher positiv gegenüber, doch die Botschaft ist klar: Angesichts der starken Zinsbewegungen ist eine disziplinierte Bewertungspolitik für die Portfoliokonstruktion von zentraler Bedeutung.
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Eine schlüsselfertige globale Lösung für verschiedene Marktbedingungen