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Marktkommentar

Claus Walter (Freiburger Vermögensmanagement): Gut aufgestellt, trotz geopolitischer Krisen!

© Freiburger Vermögensmanagement

April 2026 

Das erste Quartal des Jahres 2026 hatte es in sich: Als wir uns im Februar zum Anlageausschuss im Stadion des SC Freiburg getroffen haben, war die Lage eigentlich ganz ordentlich. Es gab eine zarte Hoffnung, dass sich die Konjunktur erholt, und auch in Deutschland ging der Geschäftsklimaindex nach oben. Das bestätigte sich bei unserer Teilnahme an der Telefonaktion der Badischen Zeitung ein paar Tage später, große Sorgen machte sich da kaum jemand. Dann kam mal wieder eine Trump-Überraschung: Gemeinsam mit Israel griffen die USA den Iran an. Plötzlich war alles weit weniger rosig.

Kein Blitzerfolg im Iran Denn anders als in Venezuela führte der gezielte Angriff auf die Führungsebene gegen Ajatollah Ali Chamenei nicht zu einem schnellen Triumph. Das iranische Regime überraschte nicht nur mit resilienten dezentralen Strukturen, sondern auch mit einer ausgefeilten Abwehrstrategie: Durch Angriffe auf Energieinfrastruktur in islamischen Nachbarstaaten und eine effektive Blockade der für den Welthandel bedeutsamen Meeresstraße von Hormus wurde der Krieg global für jeden spürbar. Die Frage, wer länger durchhält, der Iran oder die Weltwirtschaft, scheint wichtiger zu werden als militärische Erfolge. Denn die Preise an der Tankstelle zogen innerhalb von Tagen an und die Lieferketten für Düngemittel, Plastik und viele andere Waren wurden gestört. Niemand bezweifelt ernsthaft, dass dies zu empfindlichen Preissteigerungen auf breiter Front führen dürfte, sollte der Konflikt länger anhalten. Der Druck auf Donald Trump, der sich im November den Mid-Term-Wahlen stellen muss, wächst täglich. Der Dealmaker dürfte fieberhaft an einer gesichtswahrenden Lösung arbeiten. Ob das aber letztlich zu einer schnellen Eskalation oder einem baldigen Schweigen der Waffen führen wird, kann (Stand Anfang April) niemand seriös vorhersagen. Dass aber schon jetzt die Folgen für die Märkte längerfristige Auswirkungen haben werden, ist dagegen relativ klar absehbar. 

Inflationsgespenst ist zurück Schon vor dem Irankrieg gab es in den USA Anzeichen für eine Rückkehr der Geldentwertung. Jetzt hat sich dieser Trend enorm beschleunigt. Es ist zweifelhaft, ob vor diesem Hintergrund die in Aussicht gestellten Zinssenkungen kommen. Auch in Europa erwarten Experten eher Zinserhöhungen als weitere Absenkungen. Die Notenbanken stehen wohl mal wieder vor dem Dilemma, Inflation auf der einen Seite und lahmende Konjunktur auf der anderen. Auch an den Aktienmärkten haben sich die Erwartungen abgekühlt, zyklische Branchen wie etwa die Bauwirtschaft waren weniger gefragt. Dagegen konnten sich die vorher angezweifelten Technologietitel eher wieder stabilisieren. Für viele überraschend reagierte Gold nicht wie gewohnt in Konfliktphasen. Das traditionelle Krisenmetall baute so gar eher weiter die Preisübertreibungen der letzten Monate ab. Das kann einerseits daran liegen, dass große Anleger in dieser Phase auf Cash setzten, aber auch der Einsatz von Goldreserven zur Finanzierung von Rüstungsausgaben trotz Embargos ist ein denkbares Szenario. Gleichzeitig scheint der Markt eine Phase höherer Zinsen zu antizipieren, was das unverzinste Investment Gold unattraktiver macht. Für uns ändert das weiter nichts am historisch wertvollen Charakter unseres Goldbestandes als Notreserve. Aber es zeigt deutlich, dass - wie erwartet - die Schwankungsanfälligkeit dieser Asset klasse zugenommen hat. 

Trotzdem Ruhe bewahren Die Lage hat sich im Laufe des ersten Quartals eingetrübt, aber es gilt, solche Phasen mit Ruhe und Weitsicht zu managen. Geopolitische Ereignisse haben erfahrungsgemäß an den Kapitalmärkten meist zeitlich begrenzte Auswirkungen. Ja, ein sich in die Länge ziehender Konflikt im Nahen Osten könnte zu weiteren Rücksetzern an den Aktien- und Rohstoffmärkten führen. Aber wie unsere langjährigen Mandanten wissen, reagieren wir in solchen Phasen nicht hektisch oder emotional. Gerade in geopolitisch angespannten Situationen ist eine konsequent breit aufgestellte und ausgewogene Vermögensstruktur besonders wertvoll. Die Balance des Portfolios ist die wichtigste Absicherung gegen externe Schocks, aber auch für die Teilnahme an einer späteren Erholung. Wir nehmen die Risiken ernst. Rund ein Drittel unseres Aktienportfolios ist in der ausgewogenen Basisstrategie wie im FVM Classic über Absicherungsstrategien vor allzu großen Schwankungen geschützt. Zudem gibt die Aufteilung auf verschiedene Anlageklassen wie festverzinsliche Wertpapiere strukturelle Stabilität bei einem Börsenbeben. 

Aber wie in jeder Krisenphase gibt es auch Chancen. Über leichte Anpassungen haben wir die Gewichtung konjunktursensibler Werte etwa in der Baubranche oder im europäischen Industriesegment etwas reduziert und über Indexinvestments in den MSCI World Technologiewerte etwas stärker in die Mischung aufgenommen. Wir sind insoweit ein Stück weit defensiver aufgestellt. Aber wir wollen bewusst nicht die Balance verlieren und komplett auf Zurückhaltung schalten, denn es gilt, eine jederzeit mögliche Erholung nicht zu verpassen. Die Zeiten sind gerade herausfordernd, aber wir sind dafür bestens im Sinne unserer Kunden aufgestellt, und das hat bei uns Tradition, wie Sie auf der nächsten Seite lesen können.


 

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