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Pressemitteilung

Berenberg: Unser Strategieplan für die weiteren Entwicklungen im Nahost-Konflikt

© Berenberg

18.03.2026 -

Der Irankonflikt ist derzeit der entscheidende Faktor für die Finanzmärkte, wobei sich Nachrichten vom Persischen Golf direkt über den Ölpreis auswirken. Unsere Ad-hoc-Publikation bietet Anlegern einen Leitfaden, um sich auf mögliche Eskalations- oder Deeskalationsszenarien vorzubereiten.

In den letzten zwei Wochen war der Krieg im Iran nahezu das einzige Thema, das die Finanzmärkte bewegte. Selbst kleinste Neuigkeiten vom Persischen Golf wirken sich über den Ölpreis auf Aktien- und Anleihemärkte aus. Dies dürfte sich zumindest in der kurzen Frist nicht ändern. Daher wollen wir mit dieser Publikation einen Leitfaden vorstellen, wie sich Anleger für Eskalations- oder Deeskalationsszenarien positionieren können.

Deeskalation oder Eskalation? Irankrieg bestimmt die Finanzmärkte

Seit Beginn des Konflikts ist der Ölpreis zur wichtigsten Variable für Aktien- und Anleihemärkte geworden. Eskaliert die Lage im Iran – wie Ende letzter Woche, als US-Streitkräfte die Insel Kharg bombardierten – steigen Ölpreise und Aktien bzw. Anleihen geben nach. Stellt Trump ein baldiges Kriegsende in Aussicht, fallen Ölpreise und Zinsen, während die Aktienmärkte steigen. Selbst kleinste Schwankungen des Rohölpreises (Brent) spiegeln sich im Kursverlauf von Aktien oder etwa Anleihen wider.

Auch in den kommenden Wochen werden die Märkte davon dominiert sein, ob die Lage im Iran deeskaliert oder sich weiter zuspitzt. Im Falle einer weiteren Eskalation könnte der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus für mehrere Monate beeinträchtigt werden, während der Iran seine Angriffe auf Nachbarstaaten intensiviert. In einem solchen Szenario gehen wir davon aus, dass Ölpreise die Höchststände von 2022 durchbrechen und deutlich über die Marke von 150 US-Dollar hinausschießen, was den Abverkauf von Aktien und Anleihen der letzten Wochen weiter verstärken würde.

Positivere Szenarien sehen eine Abkühlung des Konflikts, in denen die Straße von Hormus in den nächsten Wochen wieder vollständig für den globalen Schiffsverkehr passierbar wird. Ein signifikanter Anstieg der Ölpreise über die 120-Dollar-Marke bliebe dann aus. In diesem Umfeld dürften Aktien und Anleihen einen Teil der Verluste der vergangenen Wochen schnell wieder wettmachen.


Deeskalation wirkt zumindest aus politischer Sicht etwas wahrscheinlicher

Der US-Militäreinsatz im Iran ist in der amerikanischen Bevölkerung relativ unpopulär und schadet schon jetzt den Zustimmungswerten der Trump-Administration. Dies spiegelt sich unter anderem an den Wettmärkten wider, an denen mittlerweile erwartet wird, dass die Demokraten bei den kommenden Zwischenwahlen im November beide Kammern des Kongresses – das Repräsentantenhaus und den Senat – für sich entscheiden. Noch vor dem Konflikt galten die Chancen der Republikaner als gut, zumindest eine der beiden Kammern zu halten.

Die sinkende Popularität der Grand Old Party dürfte vor allem mit den steigenden Lebenshaltungskosten zusammenhängen. Dieselpreise sind in den USA zuletzt auf den höchsten Stand seit 2022 geklettert. Der Krieg trifft die Konsumenten jedoch nicht nur an der Zapfsäule: Die gestiegenen Preise für Düngemittel dürften mittelfristig auch zu höheren Lebensmittelpreisen führen.

Angesichts der bereits vor Kriegsausbruch spürbaren Frustration der Wähler über die hohen Lebenshaltungskosten hat Präsident Trump mit Blick auf die Zwischenwahlen einen starken Anreiz, einen weiteren unliebsamen Preisanstieg zu verhindern und den Krieg im Iran schnell zu deeskalieren.

Doch Vorsicht: Märkten droht Rücksetzer, sollte Deeskalation ausbleiben

Der durch den Iran-Krieg und die effektive Schließung der Straße von Hormus ausgelöste Energiepreisschock hat schon jetzt zu einem deutlichen Rücksetzer an den Aktienmärkten geführt. Europäische Aktien gaben seit Kriegsausbruch um mehr als 5 % nach, während Schwellenländeraktien seit dem 27. Februar sogar 7 % verloren. Bei weniger energieabhängigen Ländern wie den USA blieb der Verlust bislang etwas verhaltener. Sollte sich die Lage im Iran entspannen, besteht insbesondere für stark abgestrafte Aktien daher das Potenzial, die eingepreisten Risiken auszupreisen und einen Teil der jüngsten Verluste zügig aufzuholen.

Verglichen mit Kursstürzen nach früheren wirtschaftlichen Schocks wirkt der jüngste Abverkauf moderat. So fielen die Abverkäufe nach Beginn des Ukraine-Krieges oder Trumps „Liberation Day“ deutlich stärker aus. Dies deutet darauf hin, dass die Märkte größere wirtschaftliche Verwerfungen bzw. „Worst-Case-Szenarien“ noch nicht vollständig preisen. Sollte eine Deeskalation am Persischen Golf ausbleiben und die Ölpreise erneut deutlich ansteigen, ist daher mit weiteren Kursverlusten zu rechnen.



Trotzdem sollten Anleger Aktien im Moment nicht untergewichten

In der nachfolgenden Grafik fassen wir unsere Erwartungen für die beiden zentralen Szenarien im Iran-Krieg zusammen. Unser Basisszenario bleibt, dass sich der Konflikt in absehbarer Zeit (etwas) abkühlt und die Aktienmärkte den Abverkauf der letzten zwei Wochen wieder revidieren. Um sich für eine solche Erholungsrallye zu positionieren, würden wir unsere Aktienquote über unserer Benchmark halten. Märkte, die besonders unter dem Ölpreisschock gelitten haben, wie etwa europäische oder Schwellenländeraktien, dürften eine solche Gegenbewegung anführen. Daher bleiben diese Märkte als regionale Übergewichte für unsere Vermögensverwaltung weiterhin interessant. Gleichzeitig bleiben wir Ölaktien übergewichtet, um Energiepreisspitzen abzufedern und unser Portfolio zu balancieren.

Sollte sich hingegen abzeichnen, dass die Straße von Hormus nicht nur für Wochen, sondern für Monate geschlossen bleibt, müssten Portfolios defensiver ausgerichtet werden. In diesem Fall würden wir unsere Aktienquote reduzieren. Auf regionaler Ebene wäre eine Umschichtung zugunsten der USA und anderer energieexportierender Märkte wie Lateinamerika sinnvoll. Anleihen dürften in diesem Szenario weiter an Wert verlieren und würden für Anleger auch nach wie vor keinen „sicheren Hafen“ darstellen. Einen akuten Bedarf, sich bereits jetzt für ein solches Eskalationsszenario zu positionieren, sehen wir momentan jedoch nicht.


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Fußnoten

¹MSCI USA: 12-Monats-Zeiträume der letzten 5 Jahre:

17.03.25 17.03.24 17.03.23 17.03.22 17.03.21

17.03.26 17.03.25 17.03.24 17.03.23 17.03.22

11,8 % 10,7 % 28,6 % -8,1 % 16,8 %







 

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