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Marktkommentar

Stephan Lipfert (PUNICA Invest): Punica Invest-Geschäftsführer erwartet steigenden Druck auf Aktien- und Multi-Asset-Fonds

© PUNICA Invest

13.02.2026 

Die Asset-Management-Branche steht laut Stephan Lipfert von Punica Invest vor einem strukturellen Umbruch. Während Aktienstrategien laut Lipfert zunehmend auch über ETFs umgesetzt werden und Anleger bei Mischfonds verstärkt die Gebührenstruktur hinterfragen, rücken spezialisierte Nischen wie flexible Rentenstrategien, Volatilitätsansätze und Private Markets stärker in den Fokus.

Investoren erleben in der Branche aktuell einen echten Paradigmenwechsel. „Die Welt verändert sich schnell und wer keine Qualität liefert, verschwindet auch schnell wieder vom Markt. Wenn man sich die Boutiquenlandschaft in Deutschland anschaut, sieht man, wie groß der Wettbewerb geworden ist. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Fonds in fünf Jahren überhaupt noch verkäuflich sein werden“, sagt Stephan Lipfert, Geschäftsführer der Punica Invest, im Gespräch mit Fundview beim FONDS professionell Kongress in Mannheim. „Ich erwarte in den kommenden Jahren zunehmenden Druck auf Aktien- und Multi-Asset-Fonds“, betont Lipfert. Aktienstrategien werden immer mehr in Form von ETFs umgesetzt, während viele Anleger bei Mischfonds die Gebührenstruktur hinterfragen.

Gleichzeitig entstehen neue Wachstumsfelder wie Volatilitätsstrategien oder spezialisierte Nischenstrategien: „Wir sehen bereits eine Konsolidierung im Markt und größere Häuser, Private-Equity-Investoren oder strategische Käufer übernehmen kleinere Asset Manager. Ein unabhängiger Anbieter mit wenigen hundert Millionen Euro Assets under Management wird es meines Erachtens langfristig schwer haben.“ Gleichzeitig verschwinden auch viele Produkte wieder vom Markt. Und nicht nur klassische Fonds, sondern auch ETFs, wenn sie keine ausreichenden Mittelzuflüsse haben.

In den vergangenen zehn Jahren war es extrem schwierig, den MSCI World zu schlagen. Wer die großen Tech-Titel nicht hoch gewichtet im Portfolio hatte, war schnell raus aus der Outperformance. „Selbst ESG-Vorgaben konnten zum Problem werden, wenn man dadurch bestimmte Gewinner zum Beispiel 2022 nicht halten durfte. Das zeigt, wie anspruchsvoll aktives Aktienmanagement inzwischen geworden ist. Der Rentenmarkt ist komplex und voller interessanter Nischen. Genau dort entstehen Chancen für aktives Alpha. Während man bei Aktien oft mit allgemeinen Marktmeinungen arbeiten kann, braucht man im Fixed-Income-Bereich oftmals tiefes Fachwissen; mathematische Modelle, regulatorisches Verständnis und die Fähigkeit, umfangreiche Prospekte zu analysieren“, betont Lipfert. Gerade in Spezialsegmenten wie Wandelanleihen oder Nachranganleihen entstehe echter Mehrwert durch aktives Management.

„Wir selbst spüren den Margendruck weniger stark, weil wir flexible Rentenfonds anbieten. Dort sind die Margen traditionell ohnehin dünn, jedoch ist das Volumen entscheidend. Gleichzeitig ist das Segment relativ gut gegen die ETF-Konkurrenz geschützt. Flexible Rentenstrategien lassen sich kaum sauber in ETF-Form abbilden. Renten-ETFs arbeiten immer mit Approximationen, sie enthalten nie exakt das, was man eigentlich im Portfolio haben möchte“, erklärt Lipfert und führt aus, dass flexible Rentenfonds auch in fünf Jahren noch eine klare Daseinsberechtigung haben werden.

Ähnlich sieht Lipfert die Situation bei Edelmetallen. Zwar gäbe es ETCs und ähnliche Vehikel, aber nicht jeder Vertriebskanal kann diese einsetzen. Gleichzeitig bleibe gerade bei Minenaktien aktives Management wichtig, weil man dort mit Analyse und Timing echten Mehrwert schaffen könne. „Auch Volatilitätsstrategien sind derzeit stark gefragt, denn dort ist zuletzt viel neues Geld hineingeflossen. Und auch Private Markets ist ein Bereich mit Wachstumspotenzial, der kaum ETF-Konkurrenz fürchten muss und zudem attraktive Margen bietet. Insgesamt sind wir strategisch breit aufgestellt mit flexiblen Renten, Edelmetallen, Private Markets und Volatilitätsstrategien. Klassische Aktienfonds mache ich persönlich nicht so gerne, weil der Wettbewerb rauer geworden ist - dann schon lieber Themenfonds mit klarer Fokussierung“, so Lipfert.

Skeptisch gegenüber Buzzwords wie ETFs oder ELTIFs

Aktive ETFs sieht Lipfert persönlich kritisch, denn oft werde einfach das positive Image des ETFs genutzt, um einen aktiven Fonds börsenhandelbar zu machen. „Das wird dann als Innovation verkauft, ist aus meiner Sicht aber häufig eher Marketing. Im Rentenbereich gibt es weiterhin viele Möglichkeiten, durch aktives Management Alpha zu generieren. Gerade bei Nachranganleihen sieht man, wie komplex die Analyse sein kann. Man kann einen guten Emittenten und eine passende Laufzeit haben und trotzdem einen problematischen Bond, weil bestimmte Klauseln im Kleingedruckten stehen“, erklärt Lipfert. Diese zusätzliche Analyseebene sei genau die Chance für spezialisierte Boutiquen. Viele große Häuser würden diesen Schritt nicht gehen, weil er Spezialwissen und zusätzliche Ressourcen erfordert.

„Ich bin grundsätzlich skeptisch gegenüber bestimmten Buzzwords wie aktiven ETFs oder ELTIFs. Mir fehlt oft die inhaltliche Diskussion über die Strategie, stattdessen reden alle über das Format. Aber entscheidend ist doch, was im Portfolio steckt und wie investiert wird. Wir haben in der Vergangenheit mehrfach erlebt, dass der Versuch, illiquide Assets in liquide Strukturen zu pressen, gescheitert ist, wie etwa bei offenen Immobilienfonds“, betont Lipfert. Auch neue Strukturen seien im Ernstfall nicht wirklich liquide. Deshalb sollte man sehr genau hinschauen und Anlegern keine falschen Erwartungen vermitteln, so Lipfert.

Vertrieb bleibt People’s Business

Der größte Engpass bei Boutiquen bleibt Lipfert zufolge der Vertrieb: „Viele haben hervorragende Ideen und Investmentprozesse, bekommen aber kein Volumen, weil ihnen der Marktzugang fehlt. Genau dort setzen wir an, denn wir bündeln Vertriebseinheiten und übernehmen die letzte Meile zum Kunden wie persönliche Gespräche, Vertrauen aufbauen, vor Ort sein. In unserer Branche ist alles multiplikativ verknüpft.“ Gute Performance ohne Vertrieb bringe kein Volumen und ein starker Vertrieb ohne gute Produkte ebenfalls nicht. Beides müsse funktionieren, sonst bleibe das Ergebnis null. „Deshalb ist Vertrieb so anspruchsvoll und wird entsprechend honoriert.“

Vor allem die Digitalisierung hat durch Corona einen enormen Schub bekommen. „Viele Gespräche finden heute virtuell statt, was Portfoliomanager entlastet. Gleichzeitig bleibt Vertrieb ein People’s Business. Persönliche Treffen, Vertrauen und langfristige Beziehungen sind entscheidend. Kundenbeziehungen entstehen nicht in Phasen mit hoher Performance, sondern in schwierigen Zeiten. Wenn Märkte fallen, zeigt sich, ob man erreichbar ist, ehrlich kommuniziert und Verantwortung übernimmt. Ich habe nie ein Produkt verkauft, das ich nicht selbst kaufen würde, denn das ist für mich die Grundlage für Vertrauen“, erklärt Lipfert. Langfristige Partnerschaften seien prägend für die Branche. Viele Kundenbeziehungen wachsen über Jahre oder Jahrzehnte, oft auf persönlicher Ebene. Gleichzeitig können auch junge Vertriebler heute schnell erfolgreich sein, wenn sie sich gut vernetzen und Vertrauen aufbauen.

„Unser Vorteil ist die breite Aufstellung über verschiedene Boutiquen hinweg. Dadurch haben wir Zugang zu vielen Kundensegmenten, vom Retail-Geschäft bis zu institutionellen Investoren. Diese Struktur ermöglicht es uns, unterschiedliche Strategien anzubieten und gleichzeitig eng mit spezialisierten Managern zusammenzuarbeiten“, so Lipfert abschließend.

 

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