"Behandle das dir anvertraute Geld der Mandanten wie das eigene", lautet das Credo von Johannes Hirsch (51). Der Bankkaufmann und Finanzökonom, der an der Finanzakademie der European Business School (ebs) studierte, ist seit mehr als 30 Jahren in der Finanzbranche tätig und leitet seit 15 Jahren das antea Family Office in Hamburg.
DAS INVESTMENT: Warum sind Sachwerte derzeit besonders interessant?
Johannes Hirsch: In den vergangenen Jahrzehnten waren sichere festverzinsliche Wertpapiere wie Bundesanleihen ein Stabilitätsanker im Portfolio und lieferten zudem eine ausreichende Verzinsung. Das hat sich grundlegend geändert. Derzeit weisen sichere Anleihen nicht nur sehr hohe Kursschwankungen auf, sie bringen zudem kaum noch Erträge. Anleger brauchen also Alternativen: Diese bieten Sachwerte, sofern bestimmte Regeln eingehalten werden.
DAS INVESTMENT: Was kann man sich darunter vorstellen?
Hirsch: Zu achten ist auf eine breite Streuung von solchen Anlageklassen, die eine möglichst geringe Korrelation untereinander aufweisen. Im antea-Fonds gehen wir dann noch einen Schritt weiter, indem wir auf Basis unserer fundamentalen Einschätzung für jede Anlageklasse eine Obergrenze festlegen. Bei Aktien liegt diese zum Beispiel bei maximal 55 Prozent, bei Edelmetallen bei rund 20 Prozent, bei Private Equity bei 12 Prozent sowie bei Immobilien- und Waldinvestments bei 8,33 Prozent. Anleihen und liquide Mittel werden lediglich zum Ausweichen als mögliche Parkposition berücksichtigt und können dann zusammen bis zu 100 Prozent einfließen. Aktuell wird das mit 14 Prozent umgesetzt, Aktien sind mit 47 Prozent gewichtet. Neben diesen klassischen Anlagen haben wir unter anderem Private Equity, Immobilien, Waldinvestments und Gold beigemischt.
DAS INVESTMENT: Ist Ihre fundamentale Einschätzung derzeit eher pessimistisch?
Hirsch: Nein, sie ist nicht so negativ, wie man angesichts der aktuellen Marktlage meinen könnte. Entscheidend ist für mich nicht der tägliche Lärm am Kapitalmarkt. Griechenland zum Beispiel hat eine Wirtschaftsleistung von weniger als 2 Prozent der Eurozone. Der Einfluss auf die Entwicklung des globalen Wachstums wird also begrenzt bleiben. Wenn wir das Tagesgeschehen eliminieren, das die Kapitalmärkte immer wieder kurzfristig stark beeinflusst, kommen wir zu einem recht positiven Ausblick. Wir sehen weltweit keinen überbordenden Boom, sondern eine recht stabile wirtschaftliche Entwicklung einschließlich einiger Lichtblicke in Europa. Dazu kommt trotz einer möglichen US-Zinserhöhung die nach wie vor lockere Geldpolitik weltweit. Das schafft eine Basis für eine sich gut entwickelnde Börse.
DAS INVESTMENT: Wie passt Private Equity ins Konzept?
Hirsch: Zunächst einmal können auch Firmen, die nicht an der Börse notiert sind, von diesem Umfeld profitieren. Zudem mischen wir diese Anlageklasse aus Gründen der Diversifikation bei. Und schließlich ist Private Equity aufgrund der Rendite interessant. Dabei sind die verschiedenen Anlagearten zu unterscheiden. Wie auch am Aktienmarkt können Sie natürlich in Unternehmen investieren, die hohe Gewinnchancen versprechen, die für Anleger aber auch ein hohes Verlustrisiko haben. Es gibt aber auch Qualitätsaktien mit weniger hohen Kursschwankungen und nachhaltig steigenden und attraktiven Ausschüttungen. Das Pendant dazu im Private-Equity-Sektor sind Buy-outs von Firmen mit ausreichend langer Historie und einem funktionierenden Geschäftsmodell zum Erzielen hoher Cashflows. Die Renditechancen sind hier niedriger als bei Firmen, die sich in einer frühen Phase ihrer Entwicklung befinden, dafür ist das Risiko aber auch geringer. DAS INVESTMENT: Und in welcher Größenordnung bewegen sich die Renditen? Hirsch: In diesem weniger spekulativem Segment bei 10 bis 15 Prozent pro Jahr. Die einzelnen Investments laufen über drei bis sieben Jahre. Da ihre Bewertung unabhängig von den täglichen Börsenschwankungen erfolgt, stellt der Bereich im eingangs genannten Rahmen eine hervorragende Alternative zum Anleihesegment dar. Solche gering korrelierten Alternativen sind übrigens auch unsere Investments in Immobilien oder Wald, wenngleich dort die Erträge nicht so hoch sind wie im Private-Equity-Bereich.
DAS INVESTMENT: Wie läuft der Investmentprozess ab?
Hirsch: Für jede Anlageklasse haben wir einen renommierten Fondsmanager gewonnen, der jeweils innerhalb der vorgegebenen Grenzen investieren kann. Acatis Investment mit Hendrik Leber agiert bei Aktien, Absolute Return und Waldinvestments, DJE Kapital mit Jens Ehrhardt bei Aktien, Immobilien und Edelmetallen, Flossbach von Storch mit Bert Flossbach bei Wandelanleihen, Aktien und Edelmetallen und Rothschild mit Jean-Louis Laurens bei Absolute Return und Private Equity, Tiberius Asset Management mit Christoph Eibl bei Rohstoffen. DAS INVESTMENT: Damit haben Sie drei Fondsmanager, die in Aktien investieren. Warum? Hirsch: Weil wir so zusätzlich von unterschiedlichen Investmentstilen profitieren können. Das bringt uns weitere Diversifikationseffekte im Portfolio - und das hat in der Vergangenheit sehr gut funktioniert.