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Marktkommentar

Prof. Dr. Jan Viebig (Oddo BHF): Notenbanken sollten nun Entschlossenheit zeigen

© ODDO BHF

10.03.2023 - Wie hat sich die Welt in nur wenigen Wochen gewandelt. Zu Beginn des Jahres, vor kaum mehr als zehn Wochen, herrschte an den Märkten die Erwartung, dass ein Ende des Zinserhöhungszyklus in Sicht ist. Jetzt hat sich die Einschätzung verändert. Zu dieser Neubewertung der Situation hat diese Woche der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Fed, Jerome Powell, maßgeblich beigetragen. Er sprach vor dem Bankenausschuss des US-Senats und brachte eine Kernbotschaft mit, die an den Finanzmärkten einen Kursrückgang auslöste: Der Zinsgipfel könnte höher ausfallen als bisher erwartet.  

Damit stellte Powell die Wirtschaft auf einen Weg ein, der schmerzhafter werden könnte als gedacht. Und damit drängt sich auch mehr und mehr die Parallele zu den Inflationsjahren 1979 bis 1982 auf. Damals löste die Islamische Revolution im Iran einen globalen Ölpreisschock aus, der die Inflationsraten in den entwickelten Ländern auf neue Höhen trieb. Für den 6. Oktober 1979 setzte der damalige Fed-Vorsitzende Paul Volcker überraschend eine Fed-Sitzung an, auf der er eine kompromisslose Politik zur Inflationsbekämpfung durchsetzte . In rascher Abfolge erhöhte die Fed daraufhin die Leitzinsen von 9 Prozent im Jahr 1978 auf bis zu 19 Prozent im Jahr 1980. Und dennoch stieg die Inflationsrate in den USA zunächst im April 1980 auf 14,7 Prozent.  

Über hohe Zinsen für Kredite wollte Volcker die Wirtschaftsaktivität drosseln und durch die nachlassende Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen die Inflation bekämpfen. „Der amerikanische Lebensstandard muss sinken“, sagte Volcker damals gegen viele Widerstände und wütende Proteste. Der Preis, der Volcker der amerikanischen Wirtschaft abverlangte, war in der Tat hoch: Die hohen Leitzinsen drückten die US-Wirtschaft in zwei „Volcker -Rezessionen“. Auf die erste kurze im Jahr 1980 folgte im Juli 1982 eine zweite, die heftiger werden und 16 Monate dauern sollte. Um 1,8 Prozent schrumpfte die Wirtschaft im Jahr 1982. Die Arbeitslosenquote lag im Dezember 1982 auf einem Hoch von 10,8 Prozent. Und dennoch: Die Politik ging auf. Im Jahr 1983 hatte Volcker die Teuerungsrate auf 3,2 Prozent gedrückt. In den folgenden Jahrzehnten sollte die amerikanische Inflation nie mehr die Marke von 5 Prozent übersteigen – bis zum Jahr 2022, als sie auf mehr als 9 Prozent stieg.

Befindet sich Jerome Powell in derselben Situation wie Paul Volcker im Jahr 1979? Der Vergleich liegt nahe, ist doch auch heute die Inflation binnen weniger Monate dramatisch gestiegen und scheint sich für längere Zeit festzusetzen. Doch historische Vergleiche sind so verlockend wie irreführend.

Die Ausgangspunkte sind in der Tat ähnlich: Ende der 1970er Jahre hat - wie heute auch - ein sprunghafter Anstieg der Energiepreise die Teuerungsraten binnen kurzer Zeit in die Höhe getrieben. In Zeiten hoher Inflation versuchen die Arbeitnehmer ihre realen Kaufkraftverluste durch hohe Lohnabschlüsse auszugleichen. Die höheren Löhne tragen bei den Unternehmen zu einem weiteren Anstieg der Produktionskosten bei, nachdem sie schon die höheren Energiepreise verkraften mussten. Sind sie in der Lage, die Preise für ihre Produkte weiter anzuheben, dann kann sich eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen.

Die Arbeitnehmervertreter fordern derzeit quer durch Europa einen Ausgleich für höhere Preise. In der deutschen Wirtschaft stehen Lohnforderungen von 10 Prozent, 12 Prozent oder auch 15 Prozent im Raum. In Frankreich beispielsweise belaufen sie sich im Durchschnitt auf 14 Prozent in Unternehmen mit 200 bis 500 Beschäftigten und auf 27 Prozent in Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten.[1] Es ist noch offen, wie hoch die Abschlüsse am Ende ausfallen werden. Ob und wie schnell die Unternehmen ihre gestiegenen Kosten auf ihre Kunden überwälzen können, hängt von der Wettbewerbssituation ab. Höhere Löhne führen daher oftmals mit einer zeitlichen Verzögerung zu Inflation.  

Entscheidend wird in den kommenden Monaten sein, ob die Notenbanken die Leitzinsen so stark erhöhen, dass sie die Inflation brechen. Steigen erst einmal die Inflationserwartungen, dann wird es zunehmend schwieriger für die Notenbanken, die Inflation zu bekämpfen. Inflation ist ein sehr unsoziales Problem, da es die Schwächsten in der Gesellschaft am stärksten belastet. Zweifel an der Entschiedenheit der Notenbank, die Inflation zu bekämpfen, wollte Powell zerstreuen: „Die historische Aufzeichnung warnt stark vor einer verfrühten Lockerung der Politik“, sagte Powell und endete mit dem Satz: „Wir werden den Kurs beibehalten, bis die Aufgabe erledigt ist.“ Fraglich ist, bis zu welcher Höhe die Fed und die EZB gehen wollen, oder in anderen Worten, wie große Schmerzen sie ihrer Wirtschaft zumuten können. Paul Volckers Antwort auf die hohe Inflation um 1980 zeigt jedoch: Je länger die Notenbanken zögern, die Zinsen auf das notwendige Niveau anzuheben, desto schmerzhafter wird die Landung für die Wirtschaft und desto härter werden die Folgen für den Arbeitsmarkt, die Konjunktur und die Einkommen der privaten Haushalte sein. Deshalb ist es erforderlich, dass die Notenbanken rasch und entschlossen agieren.  

Angesichts dieser Perspektiven rücken an den Aktienmärkten einerseits Unternehmen in den Vordergrund, die solide wirtschaften und nicht zu hohe Schulden auf ihren Bilanzen angehäuft haben. Andererseits werden Unternehmen im Vorteil sein, die aufgrund ihrer Marktmacht höhere Kosten leichter über Preiserhöhungen auf ihre Kunden übertragen können. Damit rücken Unternehmen aus dem Luxusbereich in den Fokus oder auch Anbieter von stark nachgefragten Marken aus dem Konsumbereich. 

 



Hinweis:

Vergangene Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für die Zukunft. Die Rendite kann infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen. Etwaige Meinungsäußerungen geben die aktuelle Einschätzung des Investment Office der ODDO BHF SE wieder, die sich insbesondere von der Hausmeinung innerhalb der ODDO BHF Gruppe unterscheiden und ohne vorherige Ankündigung ändern kann.

 

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