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Marktkommentar

Marc Hassler (Schroders): „Umweltgerechtes Wachstum“

© Schroder Investment Management GmbH

06.02.2020 - Die Idee, die Produktion und den Konsum weltweit zu reduzieren, gewinnt als potenzielle Lösung für die Klimakrise an Zuspruch. Wir halten „grünes Wachstum“ jedoch für möglich und zeigen auf, warum Anleger sich dafür interessieren sollten.

Die Welt sucht nach Lösungen, um die wachsende Bedrohung durch den Klimawandel zu bekämpfen und die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Da bisher nur unzureichende Fortschritte erzielt wurden, gilt ein negatives Wachstum („de-growth“) – eine Reduzierung der globalen Produktion und des Weltkonsums – zunehmend als realistisches, letztes Mittel, um den Klimawandel wirklich zu stoppen.

Wir sind allerdings nicht von der Tragfähigkeit dieser Lösung überzeugt und glauben vielmehr, dass durch die zunehmende Kosteneffizienz neuer und nachhaltigerer Technologien ein robustes umweltfreundliches Wachstum möglich ist. Die unvermeidliche Disruption wird sich durch neue regulatorische Rahmenbedingungen und technologische Fortschritte ergeben, die für die richtigen Geschäftsmodelle erhebliche Wachstumsmöglichkeiten eröffnen werden.

Politischer Vorstoß in Richtung Entkarbonisierung

Die politischen Maßnahmen zur Unterstützung grünen Wachstums werden immer konkreter. Dazu gehört die Verpflichtung seitens einer zunehmenden Anzahl von Ländern, darunter Frankreich, Großbritannien und (aller Voraussicht nach) Deutschland, bis 2050 klimaneutral zu werden, sowie der Ausstieg aus Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Obwohl noch mehr getan werden muss, gehen diese Schritte in die richtige Richtung und dürften in nächster Zeit noch verstärkt werden.

Diese politischen Vorstöße werden motiviert von einer Allgemeinbevölkerung, die immer lauter Maßnahmen zum Aufhalten des Klimawandels fordert. Proteste und ziviler Ungehorsam haben dabei zugenommen, wie die weltweiten Demonstrationen der Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion zeigen. Der Weltklimastreik im September 2019 war eine internationale Protestwoche im Vorfeld des UN-Klimagipfels in New York, an der Millionen von Menschen aus der ganzen Welt teilnahmen – der größte Klimastreik der Geschichte. Die Politik sieht sich dadurch zunehmend unter Druck, Klimamaßnahmen zu fördern und Unternehmen zu begünstigen, die die für eine entkarbonisierte Weltwirtschaft notwendigen Produkte und Dienstleistungen bereitstellen.

Im Sog der Technik: Unterschätzen die Märkte die rapide Akzeptanz von Klimatechnologien?

Angesichts der Unsicherheit und Nichtlinearität, mit der die Einführung neuer Technologien behaftet ist, neigen die Märkte dazu, das Potenzial für eine schnelle Ausbreitung von Klimatechnologien – sobald diese wirtschaftlich sind – zu unterschätzen. Das markanteste Beispiel dafür sind die Onshore-Windenergie und die Energie aus Solarkraft, die beide mittlerweile günstiger sind als Kohlekraftenergie.

Offshore-Wind ist zwar nicht so effizient wie sein Onshore-Pendant, doch wird erwartet, dass die allein daraus generierte Strommenge in den nächsten zehn Jahren um jährlich fast 20 % steigen wird. Bis 2040 könnte der Offshore-Bereich zudem zur größten Einzelquelle der Stromerzeugung in Europa avancieren. Grund für dieses Wachstum ist, dass Windkraftanlagen auf See eine höhere Stromerzeugungsleistung haben, die gleichzeitig auch weniger schwankt, als es bei Onshore-Wind und Solarkraft der Fall ist. Offshore-Wind kommt damit eher einer „Grundlast“-Stromquelle gleich, die das Potenzial hat, bis 2040 den elffachen Weltstrombedarf zu decken.

Mit einem Anteil von rund 20 % an den weltweiten CO2-Emissionen ist der Verkehr ebenfalls ein Bereich, der durch die Entkarbonisierung erheblich gestört werden dürfte. Elektrofahrzeuge machen gegenwärtig weniger als 1 % des weltweiten Fahrzeugbestands aus. Diese Zahl wird jedoch steigen. Die Distanz, die Elektrofahrzeuge bis zur nächsten Aufladung zurücklegen können, nimmt ständig zu. Viele verfügen dabei mittlerweile über Reichweiten von mehr als 300 Kilometern.

Mit zunehmender Reichweite und im Vergleich zu konventionellen Verbrennerfahrzeugen sinkenden Preisen für Elektrofahrzeuge wird der Markt über kurz oder lang einen Wendepunkt erreichen, an dem Elektroautos wirtschaftlich attraktiver werden. Dies wird zur Masseneinführung von Elektrofahrzeuge führen. Regierungen rund um den Globus haben bereits damit begonnen, Ziele für das Verkaufsende konventioneller Fahrzeuge festzulegen. Diese reichen vom Jahr 2040 in Großbritannien bis 2025 in Norwegen, wo Elektorfahrzeuge jetzt schon die Hälfte aller Neukäufe ausmachen. 

Grünes Wachstum ist möglich – doch aufgepasst bei der Titelauswahl: Es gibt nicht nur Gewinner

Während sich Branchen und Unternehmen, die nicht auf den Klimawandel vorbereitet sind, auf negatives Wachstum einstellen müssen, werden sich attraktive Wachstumsmöglichkeiten überall dort ergeben, wo eine Abschwächung des Klimawandels und eine Anpassung daran ermöglicht wird.

Umweltgerechtes Wachstum ist kein Traum, sondern eine erreichbare Realität, wenn politische Anstöße und technologische Sog-Faktoren Hand in Hand gehen und dabei auf Jahrzehnte hinaus zu einem der disruptivsten Wendepunkte führen.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.


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Informationen zum Artikel
Autor: Marc Hassler
Unternehmen: Schroder Investment Management GmbH

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