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Pressemitteilung

Union Investment: Teileinigung im Handelskonflikt stärkt US-Exporteure

© Union Investment

17.01.2020 - Die USA und China haben am 15. Januar ein Teilabkommen in ihrem zweijährigen Handelsstreit unterzeichnet. Auch wenn der Konflikt damit nicht beigelegt wurde, ist eine erneute Eskalation vor den US-Wahlen unwahrscheinlich.

Das Abkommen behandelt abgesehen von Außenhandelsbeziehungen auch Fragen des geistigen Eigentums. Der Vertrag (Phase 1-Deal) ist dennoch keine dauerhafte Lösung des Handelsstreits. Die Unsicherheit bei Unternehmen dürfte damit kaum schwinden, denn nach wie vor ist nicht klar, wie die Rahmenbedingungen für Geschäfte in und mit China aussehen werden. Damit entfällt auch die erhoffte Belebung des globalen Wachstum allein durch dieses Abkommen.

An den europäischen Finanzmärkten führte die lange erwartete Einigung, die in den Kursen bereits vorweg genommen wurde, zu keinen Ausschlägen. Der breite US-Aktienmarkt stieg gemessen am S&P 500-Index jedoch auf ein Rekordhoch. Insbesondere Exportwerte und Finanzdienstleister zogen an, angetrieben von der Aussicht auf einen vereinfachten Marktzugang in China.

Worauf haben sich die beiden Großmächte geeinigt?

  • Außenhandel: China sagt zu, die Importe aus den USA zu erhöhen. Sie sollen innerhalb von zwei Jahren um rund 200 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Stand von 2017 (vor Ausbruch des Handelskonflikts) erhöht werden und auch nach 2021 weiter zulegen. Die Summe setzt sich zusammen aus 32 Milliarden US-Dollar zusätzlichen Agrareinfuhren, 52,4 Milliarden US-Dollar Energieimporten, 77,7 Milliarden US-Dollar Industriegütern und 37,9 Milliarden US-Dollar Dienstleistungen, die zusätzlich eingeführt werden sollen
  • Zölle: Die USA erklären sich bereit, angekündigte Strafzölle auf in China produzierte Konsumgüter im Wert von 160 Milliarden US-Dollar nicht zu verhängen. Darüber hinaus werden sie Strafzölle auf rund 120 Milliarden US-Dollar an Einfuhren aus China mit Wirkung zum 14. Februar 2020 von 15 Prozent auf 7,5 Prozent halbieren. Die sonstigen Strafzölle, und damit der erheblich größere Teil, bleiben bestehen.
  • Geistiges Eigentum: Der Diebstahl geistigen Eigentums soll unterbunden werden. Auch soll der Marktzugang oder die Erteilung von staatlichen Erlaubnissen oder staatlicher Unterstützung nicht mehr mit dem Zwang verbunden sein, Technologie-Knowhow an chinesische Wettbewerber preisgeben zu müssen. China bekennt sich zudem zu Technologietransfers und Lizensierungen zu Marktbedingungen.
  • Marktzugang: US-Finanzdienstleister sollen erleichterten Zugang zum chinesischen Markt erhalten. Auch sollen aus US-Sicht diskriminierende regulatorische Anforderungen beseitigt werden. China will darüber hinaus davon absehen, mit staatlicher Unterstützung ausländische Technologien zu kaufen, die in Chinas Industriestrategie liegen.
  • Wechselkurspolitik: Die Vertragspartner bekräftigen, ihre Wechselkurspolitik nicht für einen Abwertungswettlauf zu missbrauchen. Zudem sollen internationale Kapitalströme transparenter gestaltet werden.
  • Bilateraler Umsetzungs- und Streitlösungsmechanismus: Es wurde ein Arrangement aufgesetzt, mit dem Streitpunkte fair und schnell gelöst werden sollen. Zugleich wurden Prozesse vereinbart, in deren Rahmen beide Seiten nach ihrem Ermessen verhältnismäßige Schritte ergreifen können, um auf eine Verletzung des Abkommens zu reagieren.

Wer profitiert, wer verliert?

Kurzfristig ist das Abkommen ein Erfolg für den US-Präsidenten ebenso wie für China. Donald Trump kann im anlaufenden Präsidentschaftswahlkampf einen Achtungserfolg verbuchen. China verpflichtet sich erstmals auf dem Papier zum Abbau von diskriminierenden Handelsschranken und zum Verzicht auf Know-how-Transfer. Chinas Präsident Xi Jinping präsentiert sich seinerseits als Verfechter einer Marktöffnung.

Hält China seine Zusagen für höhere Importe ein, dürften US-Exporteure sowie US-Finanzdienstleister davon klar profitieren. Demgegenüber könnten Exporteure aus anderen Staaten das Nachsehen haben. Handelsströme, die sich im Zuge des Konflikts zu europäischen Anbietern verlagert haben, könnten wieder zu US-Wettbewerbern zurückkehren.

Sollten die Spannungen zwischen den USA und China jedoch erneut eskalieren, wären mögliche indirekte Profiteure südostasiatische Staaten wie Vietnam. Auch weil viele Fragen offen bleiben, könnten westliche Unternehmen zunehmend auf diese Länder als alternative Investitionsstandorte setzen.

Wie geht es weiter?

Die Gefahr einer neuerlichen Eskalation des Handelskonflikts ist mit dem Phase 1-Deal nicht gebannt. Union Investment geht aber davon aus, dass im US-Wahljahr auf Seiten der USA nur wenig Bereitschaft besteht, den Konflikt allzu stark anzuheizen. Die damit verbundene Verunsicherung von Unternehmen würde auch die US-Wirtschaft treffen. Zudem dürfte sich das Drohszenario neuer Zölle auch auf den Konsumgütersektor auswirken. Dadurch wäre die Stütze der US-Wirtschaft, der Konsument, und damit auch breite Wählerschichten des US-Präsidenten betroffen.

Was bedeutet das Abkommen für Wachstum und Märkte?

Die Angst vor einer weiteren Eskalation im Handelsstreit hat 2019 das globale Wirtschaftssentiment erheblich belastet und zu einer Investitionszurückhaltung bei den Unternehmen geführt. Ohne Zweifel dürfte das Abkommen das Sentiment in den kommenden Monaten etwas stützen. Nach unserer Einschätzung hat der Phase 1-Deal aber nicht das Potenzial, die globale Investitionstätigkeit nachhaltig zu beleben. Zwei zentrale Gründe sprechen dagegen: Erstens hat sich in den vergangenen Jahren keine Investitionsnachfrage aufgestaut, die nun im Umfeld reduzierter Unsicherheit nachgeholt werden müsste. Zweitens sehen wir vielerorts stagnierende Unternehmensgewinne und eine sinkende Kapazitätsauslastung, was ebenfalls gegen eine anziehende Investitionstätigkeit spricht.

Das Abkommen sollte aber zu einer leichten Belebung des Welthandels beitragen, nachdem dieser 2019 etwas geschrumpft ist. Für die Finanzmärkte ergeben sich vor allem aus einer makroökonomischen Stabilisierung Impulse, nicht aber aus dem Teilabkommen. Entscheidend wird sein, dass die Einigung hält. Dies dürfte angesichts des beginnenden Präsidentschaftswahlkampfs in den USA wahrscheinlich sein.

Die Verhandlungen über ein weiteres Abkommen (Phase 2-Deal) werden aber zeitnah beginnen. Es ist denkbar, dass nach den US-Wahlen die Spannungen wieder steigen, unabhängig davon, ob dann ein republikanischer oder demokratischer Präsident im Amt sein wird. Dann könnte der Handelskonflikt auch wieder zu einer höheren Volatilität an den Märkten führen.



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