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Interview

Richard Schmidt (DJE Kapital AG): Nachhaltigkeit aus Prinzip

© DJE

Ob Menschenrechte, verantwortungsvolle Unternehmensführung oder Umweltschutz – für DJE ist das Thema Nachhaltigkeit von großer Bedeutung. Im Interview erläutert Richard Schmidt, Co-Fondsmanager des DWS Concept DJE Responsible Invest, den Ansatz von DJE.

Nachhaltiges Investieren ist en vogue. Wie lässt sich der Begriff der Nachhaltigkeit für alle verständlich formulieren und auf was ist zu achten (Ausschlusskriterien)?

Ziel nachhaltigen Handelns soll es sein, das Leben anderer Menschen und zukünftiger Generationen nicht negativ zu beeinflussen. Nachhaltigkeit in der Investmentwelt bezieht sich dabei aber nicht nur auf die Umwelt, sondern auch auf die Felder Soziales und Unternehmensführung. Ein nachhaltiges Vergütungssystem für Vorstände darf beispielsweise nicht zu kurzfristig ausgelegt sein, ein nachhaltiger Arbeitsplatz garantiert dem Arbeitnehmer gesunde Arbeitsbedingungen etc. Nichtsdestotrotz kommt dem Punkt Umwelt und insbesondere CO2-Reduktion bei DJE eine herausragende Bedeutung zu.

Gehen Sie davon aus, dass grünes Investieren in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird?

Grünes Investieren sehen wir als starken Trend, der in seiner Bedeutung eher noch zunehmen wird. Der Druck zum grünen Investieren entstand anfangs auf politischer Ebene und wurde dann in Form von regulatorischem Druck auf große, institutionelle Investoren übertragen.

Ein wichtiger Meilenstein war das Pariser Klimaabkommen aus dem Jahre 2015, bei welchem ein weltweit verbindlicher Vertrag geschlossen wurde, mit dem Ziel, den Temperaturanstieg der Erde bis zum Jahre 2050 auf 1,5 Grad zu begrenzen. Mit dem Anstieg der Meeresspiegel, der zunehmenden Verwüstung weiter Landstriche, der Zunahme von Hurricanes, Dürren und Überschwemmungen erfährt der Trend zum grünen Investieren weiteren Rückenwind.

Auch in Deutschland ist der Klimawandel spürbar: im Dürresommer 2018 musste die Rheinschifffahrt teilweise eingestellt werden, ostdeutsche Bauern hatten enorme Ernteausfälle, und die Trinkwasser-Reservoirs aus Talsperren neigten sich dem Ende zu. Diese Ereignisse werden keine Einzelfälle bleiben, sondern zunehmend uns alle betreffen.

Kommt Nachhaltigkeit denn auch bei Privatanlegern immer besser an?

Beim Privatanleger sind nachhaltige Investmentprodukte noch nicht in dem Maße angekommen, wie man angesichts der Klimaereignisse annehmen könnte. Denn zum einen unterliegen Privatanleger keinem regulatorischen Druck, ihr Erspartes in nachhaltige Produkte stecken zu müssen, und zum anderen herrscht noch immer recht wenig grüne Beratungskompetenz bei vielen Finanzvermittlern vor. Erst, wenn Privatanleger deutlich vor Augen geführt bekommen, dass nachhaltige Geldanlage auch profitable Geldanlage bedeutet, wird die Nachfrage an Nachhaltigkeitsfonds zunehmen.

Ist nachhaltiges Investieren auch unter Renditeaspekten attraktiv?

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Studien durchgeführt, welche Nachhaltigkeitsfonds mit konventionellen Fonds verglichen haben. Deutlich geworden ist dabei, dass Nachhaltigkeitsfonds gleich gut oder besser abschneiden als vergleichbare nichtgrüne Produkte.

Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass nachhaltiges Investieren viele Investoren zu profitablen Investments in sogenannte Supertrends veranlasst. Dabei wird in Unternehmen investiert, die z.B. von den Supertrends Alterung der Gesellschaft, elektrische Mobilität oder Gesundheit profitieren. Im DWS Concept DJE Responsible Invest beispielsweise spielt der Trend zur Brennstoffzelle bzw. zur Wasserstofftechnologie eine große Rolle.

Trägt denn Nachhaltigkeit dazu bei, die Risiken eines Investments zu senken?

Nachhaltigkeit trägt dazu bei, dass die Investmentaspekte eines Unternehmens ganzheitlicher betrachtet werden und damit letztlich auch das Investmentrisiko gesenkt wird. Ging es früher im Wesentlichen um Umsatzerlöse, Profitabilität und Bewertung, so kommen nun vielfältige nachhaltige Gesichtspunkte hinzu. Im Umweltbereich können diese heißen: Wasser- und Energiemanagement, Art der Produktverpackung, Biodiversität etc. Im Sozialen geht es beispielsweise um Datensicherheit, Arbeitsbedingungen, Lieferketten, Entgelt und Verbraucherschutz. Bezieht man all diese Punkte in seine Investmententscheidung ein, so bekommt man ein deutlich umfassenderes Bild des Unternehmens und reduziert das Risiko einer Fehleinschätzung.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit bei DJE?

DJE gehört zu den Unterzeichnern der „Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren“ der Vereinten Nationen (UNPRI). Das gesamte Fondsangebot sowie die Vermögensverwaltung sind seit 2018 auf die Einhaltung übergreifender Nachhaltigkeitskriterien wie Umweltschutz und die Einhaltung von Menschenrechten sowie Arbeitsstandards ausgerichtet – wir haben diese Kriterien fest im Investmentprozess verankert und folgen ihnen aus Überzeugung.

Ein wichtiger Hebel, der sich fundamental orientierten Investoren wie DJE bietet, ist das Thematisieren von ESG-Schwächen gegenüber hochrangigen Unternehmensvertretern. Dieses „Engagement“ genannte Vorgehen kann viel direkter einen Veränderungsimpuls beim Unternehmen bewirken, als es beispielsweise das bloße Anwenden von Ausschlusskriterien tut.

Wie stellen Sie die Einhaltung dieser Nachhaltigkeitskriterien sicher?

Um die Einhaltung von Nachhaltigkeitsprinzipien systematisch sicherzustellen, arbeiten wir mit MSCI ESG Research, dem international führenden Anbieter von Analysen und Ratings im Bereich Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, zusammen. Das gesamte Aktienuniversum wird anhand der MSCI-ESG-Filter durchleuchtet, unter anderem nach CO2-Ausstoß relativ zum Umsatz, nach Land- und Rohstoffverbrauch, Wasserqualität, Biodiversität oder Korruption.

Auf diese Weise können wir Unternehmen ausschließen, die gegen den sogenannten UN Global Compact verstoßen – einen weltweiten Pakt, der zwischen Unternehmen und den Vereinten Nationen geschlossen wird, um die Globalisierung sozialer und ökologischer zu gestalten. Dadurch sinkt das unternehmensspezifische Anlagerisiko, denn es werden Risiken vermieden, die durch Verstöße gegen Menschen- und Arbeits­rechte oder durch Umweltverschmutzung ausgelöst werden.

Welche Konzepte bzw. Investmentlösungen bieten Sie in diesem Themenfeld an?

Wie gesagt, das gesamte Fondsangebot ist grundsätzlich auf die Einhaltung des UN Global Compact ausgerichtet und schließt Hersteller kontroverser bzw. geächteter Waffen wie z.B. Streubomben und Landminen sowie Unternehmen aus, deren Umsatz zu über fünf Prozent aus der Herstellung von Rüstungsgütern stammt.

Mit dem DWS Concept DJE Responsible Invest gehen wir aber noch deutlich weiter: Dieser ist ein Mischfonds mit Fokus auf – mindestens 25% – Aktien und Anleihen nachhaltig wirtschaftender Unternehmen, sogenannte „grüne Anleihen“. Als nachhaltig gelten Unternehmen, die durch Produkte, Prozesse oder besonderes Engagement einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft nehmen. Zudem darf der Fonds nur in Firmen investieren, deren CO2-Ausstoss innerhalb sehr strenger Grenzwerte liegt. Dieser CO2-Filter gilt als einer der strengsten im Feld der Nachhal­tigkeitsfonds und äußert sich in einem sehr niedrigen Carbon Footprint auf Fondsebene. Bei grünen Anleihen handelt es sich um Anleihen, deren Erträge in vorher fest definierte grüne Projekte fließen – hierzu können u. a. Aufforstungsprojekte, die Einrichtung von Recyclingkreisläufen oder die Verbesserung der Trinkwasseraufbereitung gehören. Damit zählt der Fonds zu den nachhaltigsten Angeboten in der gesamten Fondsbranche.



Finden Sie hier Informationen zu den Vermögensverwaltenden Fonds und Produkten von DJE.


Informationen zum Artikel
Autor: Richard Schmidt
Unternehmen: DJE Kapital AG

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