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Pressemitteilung

Union Investment: Auswirkungen einer CO2-Bepreisung auf den DAX

© Union Investment

Frankfurt am Main, 18. September 2019 – Im November 2016 ist das Pariser Klimaabkommen in Kraft getreten, das den globalen Temperaturanstieg gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter auf unter zwei Grad Celsius begrenzen soll. Der Beitrag der Europäischen Union (EU) zum Pariser Klimaabkommen sieht vor, die Treibhausgasemissionen bis 2030 schrittweise um mindestens 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu reduzieren.

Die deutsche Klimapolitik steht jetzt vor einem Paradigmenwechsel. „Wenn Deutschland in der Klimapolitik nicht umsteuert, werden die durch die EU verbindlich gesetzten Klimaschutzziele für 2020 und 2030 deutlich verfehlt“, warnt Dr. Henrik Pontzen, Leiter ESG im Portfoliomanagement von Union Investment. Das Klimakabinett, dem neben der Bundeskanzlerin ausgewählte Fachministerinnen und Fachminister angehören, möchte am 20. September 2019 ein Gesamtpaket an Klimaschutzmaßnahmen vorstellen.

Union Investment hat in einer Studie untersucht, welche Auswirkungen die mögliche Einführung einer umfassenden CO2-Bepreisung auf die Unternehmen im Deutschen Aktienindex (DAX) hätte. „In unserer Berechnung steht fast jedes DAX-Unternehmen selbst bei niedrigen CO2-Preisszenarien vor großen Herausforderungen“, erklärt Pontzen.

Die Bepreisung von CO2-Emissionen gilt als einer der Schlüssel, um die nachhaltige Transformation der Wirtschaft zu beschleunigen. Es gibt drei Hauptoptionen zur CO2-Bepreisung: Die erste Option, die derzeit diskutiert wird, ist die Ausweitung des Europäischen Emissionshandelssystems (EU-ETS) auf die Sektoren Gebäude  und Verkehr. Die zweite Option ist ein nationales ETS für nicht im EU-ETS inbegriffene Sektoren. Die dritte Option ist die Einführung einer CO2-Steuer.

Potenzielle Belastungen für DAX-Unternehmen in Milliardenhöhe

Den DAX-Unternehmen drohen durch (zusätzliche) Bepreisung von CO2-Emissionen potenzielle Belastungen in Milliardenhöhe, wenn sie ihre Emissionen nicht reduzieren. Selbst eine vergleichsweise geringe Steuer in Höhe von 30 Euro je Tonne CO2e (CO2-Äquivalente) würde den gesamten DAX jährlich rund 5,2 Milliarden Euro kosten. Das entspricht rund 3,7 Prozent des kumulierten operativen Ergebnisses (EBIT) der DAX-Unternehmen im Jahr 2018.

Stark betroffen wären Unternehmen in der Chemiebranche (BASF, Covestro, Linde), in der metallverarbeitenden Industrie (ThyssenKrupp), im Fahrzeugbau (BMW, Continental, Daimler, VW) sowie im Baugewerbe (HeidelbergCement).

Im Extremszenario von 200 Euro je Tonne CO2e könnte die jährliche Belastung bei neun Unternehmen die Grenze von einer Milliarde Euro überschreiten: HeidelbergCement, Linde, Deutsche Lufthansa, BASF, RWE, Deutsche Post, E.ON, Covestro und Bayer.

Kurzfristige Reaktionsfähigkeit ist gefragt

„Aus Investorensicht stellt sich die Frage, wie schnell ein Unternehmen seine CO2-Emissionen senken kann“, erläutert Pontzen. Insgesamt scheinen Adidas, Allianz, die Deutsche Telekom, die Deutsche Bank sowie die Deutsche Börse kurzfristig besonders reaktionsfähig zu sein. Sie haben einen hohen Anteil von Strom am Gesamtenergieverbrauch. Dieser könnte technisch relativ einfach durch die Nutzung erneuerbarer Energien (mit deutlich weniger Emissionen) ersetzt werden.

Nach diesem Muster stehen HeidelbergCement, RWE, Lufthansa, ThyssenKrupp, E.ON, BASF sowie die Deutsche Post mit Blick auf kurzfristige Einsparungen vor großen Herausforderungen.

Lufthansa und die Deutsche Post wären besonders von einer Änderung der Besteuerung des Luftverkehrs betroffen. Auf die Versorger RWE und E.ON kämen zudem erhebliche Änderungen im Nachfrageverhalten ihrer Kunden zu – weg von fossilen hin zu erneuerbaren Energien.

Fünf DAX-Unternehmen könnten mittelfristig profitieren

Fünf Unternehmen könnten mittelfristig sogar von einer CO2-Steuer profitieren, wenn sie ihre Emissionen drastisch senken: Continental, Infineon, Fresenius, Fresenius Medical Care und die Deutsche Telekom. Alle verbrauchen aktuell viel Strom, der Anreiz zum Umschwenken ist damit hoch. Gleichzeitig sollten sie technisch in der Lage sein, ihre Emissionen deutlich schneller zu senken als andere Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe.

„Mittel- bis langfristig ist entscheidend, wie schnell Unternehmen ihre Energieversorgung anpassen, ihr Geschäftsmodell modifizieren und inwieweit sie die zusätzlichen Kosten an die Verbraucher weitergeben können“, resümiert Pontzen.


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