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Marktkommentar

Sébastien Galy (Nordea): Ausblick für das zweite Halbjahr 2019

© Nordea

Erhöhung der Widerstandsfähigkeit

Da sich der Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China verschärfen dürfte, schlagen wir vor, die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, indem wir einen Produktmix wählen, der das Risiko entweder etwas reduziert oder diversifiziert, wie beispielsweise einige Long-Short-Aktienstrategien. Der kommende G20-Gipfel wird entscheidend sein für den Handelskrieg zwischen den USA und China. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Gespräche jedoch scheitern. Chinas Bevölkerung wird vor einem neuen „langen Marsch“ gewarnt, ein Codewort für große Mühsal. Im Parteiorgan heißt es: „Sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt“, ein Ausspruch, der erstmals vor Chinas Angriff auf Indien verwendet wurde. Eine Ausweitung der US-Zölle auf alle chinesischen Exporte würde wahrscheinlich zu einer Abwertung des Renminbi führen, was eine Kettenreaktion auslösen würde. Die USA würden wahrscheinlich die Zölle erhöhen und einige Fabriken würden aus China abwandern.

Kampf der Titanen

Der Konflikt zwischen China und den Vereinigten Staaten besteht darin, dass zwei Schwergewichte um die Vormachtstellung kämpfen. Dies bedeutet, dass wirtschaftliche Überlegungen den nationalen Sicherheitsüberlegungen untergeordnet werden könnten. Im Vorfeld des G20-Gipfels scheint keine der beiden Seiten ihre Haltung zu lockern, und doch steht die Gefahr einer Ausweitung der Zölle auf Chinas Gesamtexporte in die Vereinigten Staaten im Raum. Ein Friedensangebot ist möglich, z. B. das Versprechen, Sojabohnen zu kaufen. Allerdings würde auch das kaum für große Fortschritte sorgen. Die Auswirkungen auf das chinesische Wachstum wären beträchtlich, wenn wir davon ausgehen, dass das tatsächliche Wachstum bei etwa 4,5% liegt. Die geschätzten Auswirkungen der Zölle reichen von weniger als 1% bis 2% über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Für chinesische Produzenten mit niedrigen Margen läuft die Zeit ab. Nehmen Sie zum Beispiel ein in China hergestelltes T-Shirt: Zölle von 25% verschlechtern die Gewinnspanne des US-Einzelhändlers, während die lokalen Hersteller wahrscheinlich nur begrenzt in der Lage sind, die zusätzlichen Kosten zu tragen. Man denke nun an Branchen, in denen nicht sicher ist, ob sich die Zölle in den nächsten Jahren nach oben oder unten bewegen. Unternehmen in diesen Branchen werden auch nach alternativen Produktionsstandorten wie Vietnam suchen, das dem Risiko ausgesetzt ist, als Währungsmanipulator gebrandmarkt zu werden. Angesichts der Tatsache, dass die Zeit abläuft und mit einer niedrigeren Exportnachfrage konfrontiert, dürfte China einen Wertverlust seiner Währung höchstwahrscheinlich um zehn Prozent zulassen. Das wäre wohl nicht genug, um eine Dollar-Rückzahlungskrise entstehen zu lassen, würde jedoch ausreichen, um eine Kreditkrise teilweise einzudämmen. Dies würde zu einer Abschwächung der Währungen im Asien-Pazifik-Raum und zu einer Aufwertung des US-Dollars führen. Währungsinterventionen würden die importierte Inflation in Ländern wie Indonesien begrenzen. Eine daraus resultierende rückläufige Nachfrage nach US-Treasuries mit kurzer Laufzeit dürfte sich nur begrenzt auswirken.

US-Aktien – durch raue Gewässer

Die Auswirkungen der Zölle dürften sich im nächsten Jahr verstärken und Wachstumsaktien wie Apple und Konsumgüter wie Nike und einige Hotels erschüttern. IT-Aktien könnten in einer Zeit, in der der Aktienmarkt teilweise einen Deal eingepreist hat, turbulent bleiben. Vergeltungsmaßnahmen dürften besonders Prestigetitel treffen, z. B. FedEx, gegen das derzeit eine Untersuchung läuft, und Apple, das mit Huawei konkurriert.

Daher ist im Vorfeld des G20-Gipfels ein defensiverer Portfoliomix wahrscheinlich eine gute Entscheidung. Aber jenseits dieser rauen Gewässer sind die Aussichten für Wachstumswerte positiv. Betrachtet man die US-Wirtschaftslandschaft, so stellt man fest, dass das vom Dienstleistungssektor angeführte Wachstum in den USA robust bleiben sollte. Zwar werden die Verlangsamung in China und die chinesischen Zölle sicherlich das verarbeitende Gewerbe treffen, aber die USA sind im Wesentlichen eine Dienstleistungswirtschaft. Die Erschütterung sorgt für eine geringe Deflation in Bezug auf die Wirtschaft, während die Zölle eine gewisse importierte Inflation implizieren, die mit der Ausweitung der Zölle zunehmen dürfte. Die Fed wird dies munter ignorieren und sich weiterhin verstärkt auf das anhaltend niedrige Inflationsniveau konzentrieren. Dies hängt zu einem großen Teil mit der Kostensenkung von Schwergewichten in reifen Sektoren zusammen. Sie verschlanken sich, passen sich an und sind innovativ (z. B. Bestellautomaten bei McDonald’s). Das Ergebnis ist eine produktivere Wirtschaft und eine Fed, die sich möglicherweise auf dem besten Weg befindet, mehr als die beiden vom Markt erwarteten Zinssenkungen durchzuführen. Dies würde Aktien stützen.

Festverzinsliche US-Anlagen

Bei den festverzinslichen US-Anlagen ist das Thema nun eine Rezession im Jahr 2021. Gesunder Menschenverstand ist eine manchmal ungewöhnliche Tugend und es ist oft am besten, sich vom Wind tragen zu lassen. Australiens konjunktureller Aufschwung feiert seinen 27. Jahrestag, was zugegebenermaßen zum Teil auf Chinas wirtschaftlichen Aufstieg und seine unterbewertete Währung zurückzuführen ist. Der US-Konjunkturzyklus wird nicht vom Bergbau angetrieben, sondern zu einem großen Teil vom Dienstleistungssektor, der sehr beständig ist. Nur die Art der Dienstleistungen ändert sich. Apple durchläuft eine Berg- und Talfahrt. Uber erreicht ein reiferes Stadium und liefert immer noch negative Cashflows. Sein Börsengang nahm ein unglückliches Ende. Amazon und ALDI rücken in den US-Einzelhandel vor, um das Segment im Kern zu erschüttern, während Unternehmen aus reiferen Branchen versuchen, Kosten zu senken und Innovationen voranzutreiben. Infolgedessen zeigt die Produktivität in den Vereinigten Staaten immer mehr Anzeichen eines Anstiegs, ein Merkmal, das sich auf andere Länder ausweiten dürfte. Ausgehend von einer Portfolioposition in festverzinslichen Anlagen würden die Erwartungen an eine Rezession, die durch eine Erschütterung in den Schwellenländern verstärkt wird, Absolute-Fixed-Income-Renditestrategien attraktiv machen, da die Absicherung von festverzinslichen US-Anlagen einige Kosten verursacht.

Indische Aktien

Die Wahl von Narendra Modi bietet eine stabile politische Plattform. Die Verbrauchernachfrage hat sich angesichts der Liquiditätskrise im Schattenbankensektor etwas abgekühlt. Wir betrachten dies jedoch als vorübergehend, da Maßnahmen ergriffen werden. Eine Erholung der Verbrauchernachfrage als Teil einer breiteren Erholung, die von der Infrastruktur und den Staatsausgaben getrieben wird, dürfte dazu beitragen, dass die Gewinne wieder ansteigen. Die demografische Entwicklung sowie vergangene und zukünftige Reformen dürften ebenfalls zum Wachstum beitragen. Daher bleiben indische Aktien auf einem teuren Niveau, was letztendlich durch eine Erholung der Gewinne unterstützt wird, während die Indische Rupie weitgehend stabil bleibt und sich gegenüber dem US-Dollar etwas abschwächt.

Europäische Aktien

Der europäische Aktienmarkt ist dem Risiko einer Abkühlung der Schwellenländer und – mit geringer Wahrscheinlichkeit – von Zöllen aus den USA ausgesetzt. Dies ist teilweise eingepreist. Nicht eingepreist ist jedoch die Verschärfung des Handelskrieges zwischen den USA und China. Diese wird Auswirkungen auf deutsche Autoexporteure bis hin zu den europäische Banken haben wird, die in Asien tätig sind und dort viele Erträge generieren.

Dennoch entwickelt sich die europäische Wirtschaft zunehmend besser, angetrieben von einer Reihe von Ländern, vorerst jedoch nicht von Deutschland. Diese anhaltende Erholung dürfte sich positiv auf das Ergebnis auswirken. In Europa werden die Bewertungen günstiger, und mit der Verschärfung des Handelskrieges dürfte sich diese Entwicklung fortsetzen. Aber jenseits des G20-Gipfels lassen sich höchstwahrscheinlich sowohl in der Eurozone als auch in den skandinavischen Ländern Gelegenheiten finden.

Europäische Festzinsanlagen – Schuldtitel mit großer Nachfrage

Europäische Festzinsanlagen sollten in einem zunächst schwierigen Umfeld Zuflucht bieten. Wir  bevorzugen gedeckte Anleihen von Dänemark bis Italien angesichts ihrer großen Sicherheit und der Chancen auf eine weitere Lockerung durch die EZB. Die italienische Kurve ist im mittleren Abschnitt nach wie vor attraktiv für geduldige Anleger, die warten, bis die Anleihen fällig werden. Wir glauben nicht, dass der restriktive Erkki Liikanen –  wahrscheinlich der nächste Vorsitzende der EZB –  die Politik der EZB grundlegend verändern wird. Er wird einer Lockerung zurückhaltend gegenüberstehen, aber angesichts der anhaltend niedrigen Inflation wird er schließlich lockernde Maßnahmen ergreifen müssen. Das Mittel der Wahl werden wahrscheinlich keine Negativzinsen sein, da sie sich auf den Euro auswirken (darauf konzentrieren sich die USA), aber auch, weil sie in Deutschland höchst unbeliebt sind. Wahrscheinlicher ist vielmehr die Lockerung der Kreditvergabe, die die Kreditrisikoprämien in der Eurozone verringern dürfte.


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Rechtliche Hinweise:
Dieses Dokument (bzw. jede in diesem Dokument dargestellte Ansicht oder Meinung) kommt keiner Anlageberatung gleich und stellt keine Empfehlung dar, in ein Finanzprodukt, eine Anlagestruktur oder ein Anlageinstrument zu investieren, eine Transaktion einzugehen oder aufzulösen oder an einer bestimmten Handelsstrategie teilzunehmen. Dieses Dokument ist weder ein Angebot für den Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots für den Kauf von Wertpapieren oder zur Teilnahme an einer bestimmten Handelsstrategie. Ein solches Angebot kann nur durch einen Verkaufsprospekt oder eine ähnliche vertragliche Vereinbarung abgegeben werden.

Informationen zum Artikel
Autor: Sébastien Galy
Unternehmen: Nordea Asset Management

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