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Marktkommentar

David Brett (Schroders): 2018 - ein finaler Blick zurück

Nach zwei Jahren stetigen Wachstums der Vermögenspreise begegneten Anleger besonders im vierten Quartal 2018 etlichen Herausforderungen.
© Schroder Investment Management GmbH

Die Steuersenkungen von US-Präsident Donald Trump ließen die Anleger das Jahr 2018 mit Zuversicht angehen. Im zweiten Quartal erhöhte sich das US-Wachstum auf eine annualisierte Quartalsrate von 4,2 %. In anderen Regionen und insbesondere in der Eurozone ging das Wirtschaftswachstum jedoch zurück, und in der Folge waren die weltweiten Wachstumsraten eher uneinheitlich.

Unterdessen werden die Unterstützungsmaßnahmen der amerikanischen Regierung 2019 wohl nachlassen. Dieser Umstand und die Ausweitung des Handelsstreits zwischen den USA und China, der Abbau der geldpolitischen Impulse und Bedenken in Bezug auf das globale Wachstum erschütterten das Vertrauen der Anleger.   

Besonders die Aktienmärkte erlitten 2018 deutliche Einbrüche. Aktien profitierten seit dem Beginn der weltweiten Finanzkrise ausnehmend von den niedrigen Zinsen und der geldpolitischen Lockerung. Unternehmen konnten zu günstigen Konditionen Kredite aufnehmen und so ihre Bilanzen verbessern. Zudem profitierten sie von der anziehenden Nachfrage infolge einer sich erholenden Weltkonjunktur.

Die niedrigen Zinsen haben auch die Rendite anderer Vermögensklassen wie Anleihen nach unten gefahren und sorgten für eine noch höhere Nachfrage nach höherrentierlichen Aktien. So rentieren britische Staatsanleihen etwa mit rund 1,3 % gegenüber dem FTSE All-Share Index, der Renditen von ca. 4 % erzielt.

Mit der allmählichen Erhöhung der Zinssätze und der Rückkehr zu einer restriktiveren Geldpolitik haben Anleger damit begonnen, über die entsprechenden Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne zu spekulieren. Dies hat zu einem Anstieg der Schwankungen geführt.

Im letzten Jahresquartal erreichte der Chicago Board Options Exchange Volatility (CBOE) Index (VIX), auch als „Angstbarometer“ bezeichnet, mit 25,2 % seinen Höchststand seit Februar 2018, als Bedenken über das chinesische Wirtschaftswachstum zu einem Rückzug der Anleger aus den Aktienmärkten führte. Je weiter der Volatilitätsindex (VIX) ansteigt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Anleger auf ein marktbewegendes Ereignis in den sechs Folgemonaten einstellen müssen.

Aktienmärkte erleiden Einbrüche im vierten Quartal 2018

Laut MSCI World Index (Stand: 18. Dezember 2018) verzeichneten Aktienkurse weltweit einen Fall um 7,1 % im Jahr 2018. Die in den ersten drei Quartalen des Jahres erzielten Gewinne wurden zusammen mit weiteren Gewinnen in den vergangenen drei Monaten allesamt wieder zunichte gemacht. Aktien weltweit legten in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 um 6,1 % zu, erlitten im dritten Quartal 2018 jedoch Kurseinbrüche um mehr als 12,0 %.

Der MSCI World Index 2018: Aktien verzeichnen dramatische Kurseinbrüche im vierten Quartal


Quelle: Schroders. Daten von Refinitiv in Bezug auf den Thomson Reuters World Index (Sektoren) in US-Dollar (Stand: 19. Dezember 2018).

Anstieg der Anleiherenditen

Die Entwicklung der Staatsanleihen 2018 zeichnete weitgehend das Bild eines kräftigeren Wirtschaftswachstums und steigender Zinsen in den USA gegenüber länderspezifischen und oftmals politischen Faktoren anderswo.

Die negativen Gesamtrenditen 10-jähriger US-Staatsanleihen spiegeln den Anstieg der Vergleichsrenditen zwischen Jahresbeginn und Ende November von 2,41 % auf 3,01 % wider. Anleiherenditen steigen, wenn die Kurse von Anleihen sinken.

Ein starkes Wachstum, Lohninflation, Zinserhöhungen und ein eher restriktiv anmutender Ton des Vorsitzenden der US-Notenbank Fed trugen allesamt zu einem anhaltenden Aufwärtsdruck bei den Renditen bei. Im September wurde die entscheidende Renditemarke von 3 % geknackt und bis Anfang Dezember bewegten sich die Renditen über diesem Bereich. Dann kehrte die Risikoaversion an die Märkte zurück.

In Europa sorgten die Verlangsamung der Konjunktur und der Sieg der populistischen Parteien in Italien, die eine Regierungskoalition bilden konnten, für Schlagzeilen. Infolgedessen fielen die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen von 0,42 % auf 0,31 %, obgleich die Europäische Zentralbank das Ende ihrer expansiven Geldpolitik ankündigte. Die Renditen 10-jähriger italienischer Staatsanleihen stiegen von 2,00 % auf 3,21 %, als die Koalitionsregierung einen Haushaltsplan ankündigte, der zu Spannungen mit der EU führte. Inzwischen hat Italien eine Einigung mit der EU erzielt, um das EU-Defizitverfahren bei einem übermäßigen Schuldenstand zu vermeiden. Die Renditen italienischer Staatsanleihen sind auf 2,75 % zurückgefahren, bleiben damit jedoch immer noch hoch.

Die Renditen britischer Staatsanleihen stiegen von 1,19 % auf 1,37 %. Dies ist vornehmlich der kontinuierlich über dem Ziel liegenden Inflationsrate als Folge eines schwachen britischen Pfunds im Zusammenhang mit dem Brexit-Referendum und erwarteten Leitzinserhöhungen zuzuschreiben. Im August erhöhte die Bank of England ihren Leitzins. Die Korrelation (Messgröße für die Wechselbeziehung zwischen verschiedenen Daten) zwischen Anleiherenditen und Brexit-Nachrichten ist nicht immer eindeutig. Dennoch sank die Rendite 10-jähriger britischer Staatsanleihen (Gilts) unmittelbar nach der Ankündigung des Entwurfs des EU-Austrittsabkommens vom 14. November.

Die Gesamtrendite der Staatsanleihen 2018


Quelle: Schroders. Refinitiv: Gesamtrenditen für 10-jährige britische, US-, deutsche und japanische Staatsanleihen per 19. Dezember 2018. Für einen besseren Vergleich wurden die Daten auf 100 umbasiert.

Kündigt die US-Renditekurve eine Rezession an?

In den vergangenen 60 Jahren war die US-Renditekurve ein verlässliches Vorzeichen für Rezessionen, die in der Regel innerhalb der folgenden 18 Monate eintraten. Anleger achten insbesondere auf den Eintritt der Abflachung der Renditekurve.

Kurzum: Die Renditekurve ist die Differenz zwischen den Renditen zweier Anleihen, die sich durch eine langfristige beziehungsweise eine kurzfristige Laufzeit voneinander unterscheiden. Laut der Theorie sind günstigere Kosten für kurzfristige Geldaufnahmen gegenüber langfristigen Krediten ein Indikator dafür, dass Anleger mit dem Aufschwung der Konjunktur rechnen.

Demnach sollten kurzfristige Geldmarkttransaktionen jetzt teurer sein als in der Zukunft. Denn, wenn ein Wirtschaftsaufschwung erwartet wird, sollten die Preise mit der Zeit ansteigen.

Eine Inflation beinhaltet die Teuerung von Waren und Dienstleistungen und nagt an den festen Renditen von Anleihen. Für die Inkaufnahme dieses Risikos verlangen die Anleger einen Ausgleich und somit eine höhere Rendite für Anleihen mit längeren Laufzeiten.

Wenn langfristige Renditen die kurzfristigen Renditen jedoch unterschreiten, d. h. wenn eine Inversion eintritt, könnte die Kurve auf eine aufziehende Rezession deuten.

Die Renditekurve flachte kürzlich ab. Wie die Grafik unten zeigt, fiel die Rendite dreijähriger US-Staatsanleihen in der ersten Dezemberwoche unter die Rendite fünfjähriger US-Staatsanleihen. Dieser Indikator ist nicht unbedingt als Warnsignal für eine Rezession zu verstehen. In der Regel nehmen Ökonomen inverse Renditekurven über einen vollen Quartalszeitraum unter die Lupe, d. h. analog zur Erhebung von Wachstumszahlen und anderen Indikatoren.

Die Inversion der Renditekurve: drei- und fünfjährige US-Staatsanleihen im Vergleich


Quelle: Schroders. Daten von Refinitiv für drei- und fünfjährige US-Staatsanleihen per 19. Dezember 2018.

Wie haben sich die Rohstoffwerte entwickelt?

Rohstoffe werden oft als Indikatoren für die Lage der Weltwirtschaft betrachtet. Wenn die Preise von Rohstoffen wie Öl und Kupfer steigen, könnten Anleger darin einen robusteren Wirtschaftsausblick erkennen. Fallen diese Preise jedoch und der Goldpreis steigt dagegen an, sehen sich Anleger zur Vorsicht gemahnt.

Rohstoffe wie Öl und Kupfer sind für eine blühende Wirtschaft von fundamentaler Bedeutung. Öl wird in der Produktion von Waren und Dienstleistungen, und Kupfer im Gebäude- und Wohnungsbau verwendet. Wenn die Bauwirtschaft eine starke Nachfrage verzeichnet, sollte somit auch die Nachfrage nach Öl und Kupfer anziehen. Im Umkehrfall tendieren die Anleger dazu, ihr Geld in Gold anzulegen, da das Edelmetall ein physisches Gut ist, welches leicht in Bargeld umgewandelt werden kann und als Schutz vor der Inflation gilt.

Die nachfolgende Grafik zeigt den Einbruch der Öl- und Kupferkurse, während der Goldpreis weitgehend stabil geblieben ist.

Die Wertentwicklung von Öl, Gold und Kupfer im Jahr 2018


Quelle: Schroders. Daten von Refinitiv in Bezug auf die Kurse von Rohöl WTI, Gold und Kupfer (LME) per 19. Dezember 2018.

Die anhaltende Stärke des US-Dollars

Die kontinuierliche Stärke des US-Dollars ist eines der Probleme, mit denen die Märkte und Rohstoffe weltweit zu kämpfen haben. Rohstoffe trifft es besonders hart, da sie in Dollar bepreist werden. Ein starker US-Dollar wirkt sich auf die Wechselkurse aus und verteuert somit die Rohstoffpreise.

Hinzu kommt, dass die Schulden von Unternehmen und Regierungen vielfach in US-Dollar finanziert werden. Auch hier bedeutet ein starker US-Dollar für ausländische Kreditnehmer wiederum eine Verteuerung der zurückzuzahlenden Schulden zu Lasten der Unternehmensgewinne und höherer Haushaltsdefizite. Denn auf die lokale Währung umgerechnet steigt der Schuldenstand.

Die nachstehende Grafik veranschaulicht die Aufwertung des US-Dollars, ohne in der nahen Zukunft eine Wende erkennen zu lassen. Die inverse Renditekurve deutet jedoch darauf hin, dass die Anleger auf ein langsameres US-Wachstum und eine verhaltenere Erhöhung der Zinsen spekulieren. Dies könnte den Wert des US-Dollars beeinträchtigen.

Der Höhenflug des US-Dollars


Quelle: Schroders. Daten von Refinitiv in Bezug auf den Kurs des US-Dollars gegenüber einem Korb von wichtigen Währungen (Stand: 19. Dezember 2018).

Peter Harrison, Group Chief Executive bei Schroders, über das abgelaufene Jahr:

 „2018 war das Jahr, in dem die langfristige Nachhaltigkeit von Geschäftsmodellen die Bepreisung von Unternehmen durch die Marktteilnehmer zu beeinflussen begann.

Wir konnten beobachten, wie die Kritik an bestimmten Praktiken großer Technologieunternehmen deren Aktienkurse einbrechen ließ. Darüber hinaus verschlimmerten sich die physischen Schäden bedingt durch den Klimawandel. Die Ungleichheit zwischen den Generationen führte in mehreren Ländern Europas zu politischen Unruhen. Bei all unseren Anlageentscheidungen wird es zunehmend von großer Bedeutung, das Augenmerk auf die Nachhaltigkeit zu legen.

Darin wurden die bescheidenen Ertragsaussichten auf den öffentlichen Märkten vor dem Hintergrund geringerer Wirtschaftswachstumsraten als in der Vergangenheit sowie niedriger Anleiherenditen hervorgehoben.

2019 entspricht diesem Bild: Positive Erträge sind wahrscheinlich, allerdings müssen Anleger hart arbeiten – sowohl bei der Vermögensaufteilung als auch bei der Wertpapierauswahl –, um niedrige Erträge am Gesamtmarkt zu verbessern.“





Rechtlicher Hinweis: 

Diese Informationen sind nicht als Beratung zu verstehen. Die hierin enthaltenen Angaben werden als verlässlich erachtet. Schroders übernimmt jedoch keine Gewähr für ihre Vollständigkeit oder Richtigkeit. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und lässt sich möglicherweise nicht wiederholen.

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von David Brett und Peter Harrison und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.


Informationen zum Artikel
Autor: David Brett
Unternehmen: Schroder Investment Management GmbH