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Marktkommentar

Dr. Andreas Busch (BANTLEON): Noch boomt die US-Wirtschaft

Die Regierung Trump bejubelt die aktuell boomende US-Wirtschaft, besser als derzeit könne es kaum laufen. Dieser Aussage ist durchaus etwas abzugewinnen, allerdings muss man hinzuzufügen, dass die Dynamik künftig wahrscheinlich abnimmt.
© BANTLEON AG

Mittelfristig wird das Fahrwasser für die Finanzmärkte in diesem Umfeld rauer, kurzfristig dürfte der Optimismus an den Börsen jedoch noch gestützt werden.

Trumps oberster Wirtschaftsberater Larry Kudlow geriet in der vergangenen Woche regelrecht ins Schwärmen. Steigende Löhne, noch mehr Beschäftigte und ein überschwänglicher Optimismus der Unternehmen. Alles zusammen würde zeigen, dass der Konjunkturaufschwung in den USA immer weiter gehe – »besser geht es gar nicht«.

In der Tat fiel der Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag rundum erfreulich aus: Die Zahl neugeschaffener Stellen lag im August erneut bei hohen 200.000 und die Stundenlöhne legten so kräftig zu wie seit neun Jahren nicht mehr. Daneben spiegelt der ISM-Einkaufsmanagerindex der Industrie mit dem besten Ergebnis seit 14 Jahren eine blendende Unternehmensstimmung wider. In diesem Umfeld könnte die Investitionsbelebung tatsächlich das Wirtschaftswachstum im 2. Halbjahr etwas länger anschieben als bislang anzunehmen war.

Mithin ist den Aussagen Kudlows durchaus etwas abzugewinnen. Allerdings muss man sie um einen kritischen Punkt ergänzen. Nicht nur, dass es kaum besser werden kann – vieles spricht dafür, dass die Dynamik zukünftig nachlässt. Zum einen verlieren die fiskalischen Stimuli Schritt für Schritt an Wirkung. So beschert vor allem die Senkung der Körperschaftssteuer den Unternehmen nur im ersten Jahr einen zusätzlichen Einkommensschub. In den Folgejahren wird die Steuerbelastung nicht weiter sinken. Der zusätzliche Rückenwind, der von den tieferen Abgaben ausgeht, lässt daher schon bald nach.

Gleichzeitig gewinnen einige bremsende Faktoren an Kraft. Der vor knapp drei Jahren begonnene Zinserhöhungszyklus der US-Notenbank hat im Laufe der Zeit für merklich gestiegene Kapitalmarktrenditen gesorgt. Besonders deutlich wird das bei kurzlaufenden Finanzierungen. Hier liegt die Benchmarkrendite 2-jähriger US-Treasuries mit 2,70% inzwischen auf dem höchsten Stand seit zehn (!) Jahren. Unsere weit vorauslaufenden Frühindikatoren kündigen auf dieser Basis eine nachlassende Investitionsdynamik an. Das Wirtschaftswachstum in den USA sollte entsprechend – ausgehend von hohem Niveau – an Schwung verlieren.

Aber nicht nur die USA bekommen die strafferen Finanzierungskonditionen zu spüren. Im internationalen Zinsverbund sieht sich eine Reihe anderer Länder ebenfalls Gegenwind von dieser Seite ausgesetzt. Allen voran die aufstrebenden Volkswirtschaften, die sich aufgrund der ultraexpansiven Geldpolitik der grossen Notenbanken zuvor über umfangreiche Kapitalzuflüsse freuen konnten. Jetzt kehren sich die Ströme um, und die Länder sind gezwungen, dem Beispiel der Fed zu folgen. Um eine Kapitalflucht zu vermeiden und die Währungen zu stabilisieren, müssen die Leitzinsen ebenfalls angehoben werden (wie z.B. in Indien, Indonesien, Mexiko und Argentinien schon geschehen). Weitere Zinsschritte dürften folgen. Die Wachstumsdynamik wird dadurch einen Dämpfer erhalten – in den betroffenen Ländern und auch global.

Alles in allem trüben sich daher die Aussichten für die Weltwirtschaft und damit auch die Finanzmärkte ein. Das Fahrwasser für die Aktienmärkte wird mithin mittelfristig rauer und die Perspektiven für die sicheren Häfen sollten sich aufhellen. Kurzfristig dürfte der sich fortsetzende US-Investitionsaufschwung indes den Optimismus an den Börsen nochmals stützen.





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Informationen zum Artikel
Autor: Dr. Andreas Busch
Unternehmen: BANTLEON AG