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Marktkommentar

David Brett (Schroders): Zwei Jahre nach dem Brexit-Referendum

Die Briten stimmten am 23. Juni 2016 über den Austritt aus der Europäischen Union (EU) ab. Viele erwarteten damals, dass Großbritannien in der EU verbleiben würde. Tatsächlich aber gewann die „Leave”-Kampagne mit einer knappen Mehrheit von 52 % gegenüber 48 %. Großbritannien soll die EU am 29. März 2019 um 24:00 Uhr verlassen.
© Schroder Investment Management GmbH

Zeitplan bis zum Brexit

Grafik: Zeitplan bis zum Brexit


Was ist an den Märkten seit dem Referendum passiert?

Aktienmärkte

Unmittelbar im Anschluss an das Referendum brachen der FTSE 100 und der FTSE 250 um 9 % bzw. 12 % ein. Seit Börsenschluss am 23. Juni 2016 sind britische Aktien, wie vom FTSE All-Share verzeichnet, jedoch um 31,2 % gestiegen (Stand: 15. Juni 2018).

Die weltweite Konjunkturlage trug hierzu bei. Die Anleger waren von dem so genannten „Goldlöckchen-Szenario” überzeugt: die genau richtige Kombination aus stabilem Wachstum, festem Preisniveau und niedrigen Zinsen.

Unterstützt wurden der Markt und die Wirtschaft Großbritanniens von der Bank of England, die die Zinsen niedrig und die geldpolitischen Zügel locker hielt. Dies sorgte dafür, dass die Unternehmen und Märkte Zugang zu Finanzierung hatten.

Dennoch blieb der britische Aktienmarkt hinter dem Rest der Welt zurück. Seit der Abstimmung über den Brexit haben asiatische Aktien laut Daten von Thomson Reuters 44,1 % rentiert; US-Aktien erzielten 37,2 %. Von den fünf großen Indizes, die wir überprüften, blieben nur die europäischen Aktien mit 19,5 % hinter den britischen Aktien zurück. Die weltweiten Aktienmärkte erwirtschafteten 33,2 %.

Renditen der Aktienmärkte seit dem Brexit-Referendum


Grafik: Renditen der Aktienmärkte seit Brexit-Referendum


Quelle: Schroders. Thomson Reuters Datastream; Stand der Daten: 15. Juni 2018. Bei den Daten zu den Aktienmärkten handelt es sich um Gesamtrenditen (einschließlich Dividenden) in Lokalwährung mit Ausnahme von asiatischen und weltweiten Renditen, die in US-Dollar ausgewiesen sind. Für asiatische und weltweite Aktien wurden MSCI Indizes verwendet. Der S&P 500 wurde für US-Aktien verwendet, der FTSE All-Share für britische Aktien und der Stoxx 600 für europäische Aktien.

Pfund Sterling

Das Pfund Sterling hat laut den Daten von Thomson Reuters gegenüber dem US-Dollar seit dem Referendum um 10 % nachgegeben, wobei diese Zahl eine Erholung von dem nahezu 20 prozentigen Einbruch unmittelbar im Anschluss an das Referendum verschleiert (siehe Abbildung unten).

Die Unsicherheit angesichts des Ausgangs der Brexit-Verhandlungen, die Abkühlung der britischen Wirtschaft und der Anstieg der Inflation zu Beginn des Jahres 2018 haben die Bank of England gezwungen, die Zinsen möglichst niedrig zu halten, um die Wirtschaft nicht noch weiter zu belasten.

Niedrige Zinsen sowie wirtschaftliche und politische Unsicherheit sind nachteilig für eine Währung. Zwar ist ein schwaches Pfund eine schlechte Nachricht für britische Urlauber, aber für in Großbritannien notierte Unternehmen, die ihre Gewinne im Ausland erwirtschaften, ist das Gegenteil der Fall. Bei einer Abwertung des Pfunds ist das Geld, das Unternehmen in Fremdwährung verdienen, mehr wert, sobald es wieder in Pfund umgerechnet wird.

Die Auswirkung des abwertenden Pfunds auf den FTSE All-Share Index macht die unten stehende Abbildung deutlich. Die Schwäche des Pfunds hat die Gewinne des Index in den vergangenen zwei Jahren gestützt: bei einer Aufwertung der Währung gab der Aktienmarkt nach und vice versa.

Wenn man alle Indexrenditen in US-Dollar umrechnet, ist der US-Aktienmarkt von allen der von uns untersuchten Indizes derjenige mit der schlechtesten Wertentwicklung. Seit dem Referendum ist er um 18,9 % gestiegen, während europäische Aktien in US-Dollar um 21,8 % zulegten.

Wie das schwache Pfund den britischen Aktienmarkt seit dem Referendum gestützt hat

Quelle: Schroders. Thomson Reuters Datastream; Stand der Daten: 15. Juni 2018. Der FTSE All-Share wurde für britische Aktien verwendet.

Aktienmarktsektoren

Die Goldlöckchen-Wirtschaft hat ihre Wirkung bei denjenigen Sektoren gezeigt, die am meisten von einer günstigeren weltweiten Konjunktur profitieren, darunter sind Basisressourcen und Grundstoffe.

Sektoren mit geringerer Zyklizität – also solche, die Waren und Dienstleistungen bieten, deren Nachfrage weniger von der Konjunkturlage abhängt – haben sich schlechter entwickelt. Die schwächsten dieser Sektoren (wie Telekommunikation, Versorger und Tabak) hatten ferner unter aufsichtsrechtlichen Belastungen und Wettbewerbsdruck zu leiden.

Immobilien und Einzelhändler zeigen weiterhin eine Underperformance, jedoch scheinen strukturelle Aspekte hierbei mehr ins Gewicht zu fallen als der Brexit. Wir verweisen auf den „Amazon-Effekt”, also die anhaltende Weiterentwicklung des Einzelhandelssektors, welche die Disruption durch den Online-Handel erzwingt.

Die Bewertungen sind niedriger in Sektoren, die von Unternehmen mit stärkerem Schwerpunkt auf das Inland dominiert werden (siehe Tabelle unten). Telekommunikation, Versorger, Einzelhandel und Banken machen im Vergleich zum britischen Marktdurchschnitt im Hinblick auf das Shiller-KGV (konjunkturbereinigtes Kurs-Gewinn-Verhältnis) einen günstigen Eindruck. Ein niedriges KGV deutet auf ein höheres Wertpotenzial.

Die Kennzahl vergleicht den Preis mit den durchschnittlichen inflationsbereinigten Gewinnen der vergangenen zehn Jahre. Dadurch werden kurzfristige Schwankungen bei den Gewinnen ausgeglichen. Bewertungskennzahlen sollten nicht isoliert betrachtet werden.

Quelle: Schroders. Thomson Reuters UK Index Datenreihen; Stand der Daten: 15. Juni 2018.


Zu erklären, wie es den britischen Aktien seit der Abstimmung ergangen ist, ist eine Sache – vorauszusagen, wie sich der Markt während der Brexit-Verhandlungen verhalten wird, eine ganz andere. Wie Amazon und die aufsichtsrechtlichen Beispiele zeigen, ist Brexit nur eines der Themen, mit denen sich Anleger in britischen Aktien auseinandersetzen.


Aus der Sicht eines Fondsmanagers – David Docherty, britische Aktien:

Große Auswirkungen wird die anhaltende Straffung der Geldpolitik in den USA haben. Dies wird sich zwangsläufig auf die Weltwirtschaft und die Märkte auswirken, während sich die Anleger fragen, wie lange das Goldlöckchen-Szenario noch anhalten wird. Wir glauben, dass die Wertschwankungen mit entsprechenden Entwicklungen bei den Anleihen, Rohstoffen und Währungen zunehmen werden, was für Turbulenzen bei den britischen Aktien sorgen wird. Währenddessen werden auch andere Faktoren als der Brexit, wie technologische Veränderungen, der internationale Handel, geopolitische Entwicklungen und der gegenwärtige
Boom bei den Fusionen und Übernahmen von Unternehmen, Wirkung zeigen. Die jüngste Unruhe in Italien macht hingegen deutlich, dass auch die Eurozone mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen hat. Das unvermeidliche Hin und Her des Brexits wird die Anleger zweifelsohne in Atem halten, nicht zuletzt, weil davon auch die britische Parteipolitik betroffen ist. Beträchtliche Marktbewegungen sind absolut möglich. Den Anlegern stellt sich die Herausforderung, die sich ergebenden Bewertungsanomalien bestmöglich zu nutzen. Auf Sektorebene halten wir nach Chancen bei den unbeliebten Versorgern und Einzelhändlern Ausschau. Die Erfahrung zeigt, dass Perioden der Marktturbulenz spannende Bottom-up-Titelideen am ganzen Markt zutage bringen können.

Was ist mit der britischen Wirtschaft passiert?

Wachstum (BIP)

Großbritannien bildet inzwischen das Schlusslicht der G7-Wachstumsliga. Dies ist eine Gruppe der sieben mächtigsten Industrienationen, die sich aus den USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada zusammensetzt.

Wie die unten stehende Abbildung zeigt, kam der Abrutsch nach der Entscheidung Großbritanniens, aus der EU auszutreten.

Reales BIP-Wachstum, in % ggü. dem Vorjahr

Reales BIP-Wachstum, in % ggü. dem Vorjahr

Quelle: Thomson Datastream, Schroders Economics Group, 22. Februar 2018; Thomson Reuters Datastream, Schroders Aktualisiert am 7. Juni 2018.

Hauspreise

Eines der besten Barometer für die Lage der Haushaltsfinanzen in Großbritannien sind die Hauspreise. Seit dem Referendum hat der Anstieg der Hauspreise deutlich nachgelassen.

Das Referendum ist hierfür möglicherweise nicht der einzige Grund, wobei es von vielen Anbietern dieser Daten als wichtiger Faktor genannt wird. „Buy-to-let”-Investoren haben unter einer höheren Stempelgebühr und geringeren Hypothekensteuererleichterungen zu leiden.


Hauspreise (ggü. dem Vorjahr)

Hauspreise gegenueber dem Vorjahr

Quelle: Thomson Datastream, Land Registry, Halifax, Nationwide, Rightmove, LSL/Acadametrics, Schroders Economics Group, Stand: 23. Mai 2018.

Zinsen und Inflation

Die Bank of England senkte im August 2016 ihre Zinsen auf ein Rekordtief von 0,25 %, nachdem es aufgrund der Brexit-Abstimmung zu Unruhen kam. In den darauffolgenden Monaten stieg die Inflation stetig und erreichte Ende 2017 ihren Höchstpunkt von 2,8 %.

Die Bank of England erhöhte die Zinsen im November 2017 wieder auf 0,50 %, da die Inflation stieg und die Wirtschaft einen solideren Eindruck machte. Die Anleger waren sich einer weiteren Erhöhung im Mai 2018 so sicher, dass sie sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 % einpreisten. Damit hatten sie sich aber getäuscht: Die Zinserhöhung trat nicht ein.

Seitdem hat die Bank of England keine Zinserhöhungen mehr vorgenommen. Die Inflation hat nachgelassen und die britische Konjunktur ist deutlich abgekühlt. Der Markt preist nun eine Zinserhöhung der Bank of England von 0,75 % auf der Sitzung im November mit der größten Wahrscheinlichkeit ein, wie die Tabelle unten zeigt.


Quelle: Schroders. Bloomberg; Stand aller Daten: 18. Juni 2018. Prognosen stellen keine verlässliche Grundlage für eine Anlageentscheidung dar und sind nicht garantiert.

Der Anstieg, Rückgang und Anstieg der britischen Inflation von Januar 2010 bis Mai 2018

Inflation (%)

Grafik: Britische Inflation von Januar 2010 bis Mai 2018

Quelle: Schroders. Office for National Statistics (ONS). Die Daten entsprechen dem Stand vom 21. Juni 2018.



Rechtlicher Hinweis: 

Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis für die Wertentwicklung in der Zukunft und lässt sich möglicherweise nicht wiederholen.

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.


Informationen zum Artikel
Autor: David Brett
Unternehmen: Schroder Investment Management GmbH