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Marktkommentar

Steve Land (Franklin Templeton): Ein elektrisierender Ausblick für die Metallnachfrage

Die Experten von Franklin Templeton gehen wir davon aus, dass sich aus der weltweiten Einführung von Elektrofahrzeugen während des nächsten Jahrzehnts ein günstiges Umfeld für Metalle entwickeln wird.
© Franklin Templeton

Was bisher geschah

Lithium und seine Verbindungen werden schon seit Jahrzehnten auf unterschiedlichste Art und Weise eingesetzt, unter anderem in der Herstellung von Pharmazeutika und Chemikalien. Die Beliebtheit, der sich Lithium in den letzten Jahren erfreut hat, ist jedoch in erster Linie auf die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien zurückzuführen, die Elektrofahrzeuge sowie Smartphones, Laptops und andere Produkte mit Strom versorgen.

Auch wenn sie als Lithium-Ionen-Batterien bezeichnet werden, enthalten diese Akkus ebenfalls erhebliche Mengen an Kobalt, Kupfer, Nickel und manchmal auch Mangan oder Aluminium. Batterietechnologie entwickelt sich ständig weiter, da Unternehmen bestrebt sind, ihre Abhängigkeit von schwer zu beschaffenden Materialien zu verringern. Da für Elektrofahrzeuge jedoch sichere Batterien benötigt werden, die in der Lage sind, Höchstleistungen zu liefern, schreitet dieser Prozess nur langsam voran. Angesichts des potenziell schnellen Wachstums von Elektrofahrzeugen machen sich Batterielieferanten Sorgen, dass kritische Elemente in den kommenden Jahren knapp werden könnten.


Die Welt setzt zunehmend auf Elektrofahrzeuge

Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge gab es Ende 2017 weltweit mehr als drei Millionen Elektrofahrzeuge.[1]Wie die nachfolgende Grafik zeigt, weist China mit 1,2 Mio. Fahrzeugen derzeit den höchsten Bestand auf.

China unterhält das am längsten laufende nationale Programm zur Steigerung der Anzahl seiner Elektrofahrzeuge. Unter anderem werden finanzielle Anreize für die Herstellung und den Kauf der Fahrzeuge sowie für den Aufbau der Infrastruktur des Landes an Elektro-Ladestationen geboten. Große Volkswirtschaften wie etwa Frankreich, Indien, Großbritannien und Norwegen haben inzwischen jedoch strikte Zieltermine vorgegeben, bis zu denen ein bestimmter Anteil ihrer Fahrzeuge elektrisch betrieben sein soll.

Auf Grundlage dieser neuen Richtlinien geht die IEA davon aus, dass bis 2030 bis zu 125 Mio. Elektrofahrzeuge weltweit unterwegs sein könnten.[2]Sollte sich das Szenario einstellen, das von einer hohen Akzeptanz ausgeht und bei dem Elektrofahrzeuge bis 2030 30 % des globalen Automobilmarkts ausmachen, könnten bis dahin – den Prognosen der Agentur zufolge -bis zu 220 Mio. Elektrofahrzeuge im Einsatz sein.[3]


Franklin Templeton: China führt den globalen Markt für Elektrofahrzeuge an


Die Nachfrage nach Batterien für Elektrofahrzeuge steigt

Unserer Einschätzung nach dürfte die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien von Technologieunternehmen und Fahrzeugherstellern exponentiell ansteigen. Bereits heute haben Automobilhersteller alle Hände voll zu tun, um ihre Versorgung sicherzustellen, da immer mehr Kunden ihre Benzinschleudern gegen elektrisch betriebene Alternativen mit deutlich geringeren Wartungs- und Betriebskosten eintauschen. Wie die nachfolgende Grafik zeigt, rechnet Bloomberg damit, dass die Nachfrage nach sowohl Lithium als auch Kobalt aus der Elektrofahrzeugbranche bis 2040 jährlich um durchschnittlich 20 % steigen dürfte.[4]

Aufgrund des zunehmenden Trends hin zu Elektrofahrzeugen sind die Preise für Lithium und Kobalt in den letzten beiden Jahren bereits drastisch gestiegen. Allein im Jahr 2017 wurde bei Lithium und Kobalt ein Preisanstieg um jeweils 29 % bzw. 129 % verzeichnet, und auch die Aktien zahlreicher Hersteller verbuchten starke Kurssprünge.[5]


Franklin Templeton: Der nächste Superzyklus bei Metallen


Die Zukunft der Herstellung von Lithiumbatterien

Lithium ist ein relativ häufig vorkommendes Element. Daher gehen zahlreiche Marktbeobachter davon aus, dass genügend Lithium im Boden sein sollte, um den zukünftigen Bedarf für Elektroautos zu decken. Allerdings haben wir bereits vereinzelte Phasen von Marktturbulenzen erlebt, als Sorgen aufkamen, die erhöhte Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge, Laptops, Drohnen und Smartphones könnte Engpässe nach sich ziehen.

Lithium ist zwar recht häufig vorzufinden, die Verarbeitung von natürlich vorkommendem Lithium bis zur Erreichung von Formen und Reinheitsgraden, die für einen Einsatz in modernen Batterien geeignet sind, kann sich jedoch schwierig gestalten. Als Reaktion auf die erwartete Nachfragesteigerung errichten Produzenten derzeit neue, effizientere Verarbeitungszentren. Es kann jedoch mehrere Jahre dauern, bis ein neues Werk die für eine Nutzung in Batterien für Elektrofahrzeuge erforderlichen Lithium-Spezifikationen erreicht.

Was Kobalt angeht, wird praktisch die gesamte Produktion weltweit (99 %) über Nebenprodukte erzielt, wobei geringe Mengen an Kobalt aus bestimmten großen Kupfer- und Nickelminen weltweit gewonnen werden. Dies macht eine Ausweitung des Angebots schwierig. Die Nickel- und Kupfermärkte sind zwar bereits sehr viel größer und weisen unterschiedlichste Nachfragesegmente auf, das Wachstum bei Elektrofahrzeugen könnte jedoch immer noch erheblichen Einfluss auf die Nachfrage haben – insbesondere in Kombination mit den derzeit beschränkten Investitionen in neue Bergwerke.


Folgen für Anleger

Trotz des rosigen Ausblicks der IEA für die Verbreitung von Elektrofahrzeugen dürfte die weitere Entwicklung während der nächsten zehn Jahre kontrovers diskutiert werden. Einerseits erscheint es offensichtlich, dass Elektrofahrzeuge angesichts der immer strikteren staatlichen Abgasnormen und des zunehmenden Verbraucherwunsches nach schadstoffarmen Fahrzeugen künftig einen wichtigen Teil des Transportmixes ausmachen werden.

Andererseits sehen wir kurzfristig mehrere mögliche Produktionsprobleme hinsichtlich der Metalle, die für die Batterien von Elektrofahrzeugen benötigt werden. Die Bergbaubranche erholt sich immer noch von dem explosiven, von China angeführten Nachfragewachstum der frühen 2000er Jahre – ein Boom, der die Entwicklung vieler der weltweit bekannten Erzvorkommen zur Folge hatte. Die übriggebliebenen Lagerstätten erfordern entweder überdurchschnittlich hohe Kosten oder befinden sich in Ländern, beispielsweise in Zentralafrika, in denen sich der Bergbau schwierig gestalten kann.

Zudem liegen bei neuen Minen in der Regel rund 15 Jahre zwischen dem Zeitpunkt der Entdeckung und der Aufnahme der Produktionstätigkeit. Bergbauunternehmen benötigen diese Vorlaufzeit für Explorationsarbeit, ingenieurtechnische Untersuchungen und ordnungsgemäße Umweltschutzmaßnahmen, bevor sie den Bau neuer Bergwerke überhaupt erst in Erwägung ziehen können.

Derzeit befinden sich relativ wenige neue Kupfer- und Nickelprojekte in der Entwicklung. Stattdessen konzentrieren sich die großen Bergbauunternehmen darauf, ihre Bilanzen zu sanieren und Kapital an ihre Aktionäre zurückzuführen, nachdem die letzten Jahre von rapidem Wachstum und Kostenexplosionen geprägt waren.

Ca. 63 % der weltweiten Kobaltproduktion stammen aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK),[6] und viele der unterentwickelten, kostengünstigen Kupfer- und Kobaltvorkommen der Welt befinden sich in der DRK. Hieraus ergeben sich zahlreich sehr spezielle operative und aufsichtsrechtliche Schwierigkeiten sowie eine Konzentration des Versorgungsrisikos für die Elektrofahrzeugbranche.

Batteriehersteller suchen stets nach Möglichkeiten, um den Kobaltgehalt von Lithiumbatterien zu reduzieren. Für mehrere der führenden chemischen Verfahren für Batterien stellt dies jedoch nach wie vor eine kritische Sicherheits- und Leistungskomponente dar.

Der Markt für Lithium außerhalb der Batteriebranche ist beschränkt. Daher wird der Markt im Zuge der verstärkten Nutzung von Elektrofahrzeugen um ein Vielfaches seiner heutigen Größe wachsen müssen. Es gibt eine ganze Reihe von Lithiumprojekten, die derzeit vorangetrieben werden. Allerdings gibt es in der jüngeren Vergangenheit nur relativ wenige Beispiele für Situationen, in denen Rohstoffunternehmen versucht haben, eine so starke Produktionsausweitung innerhalb eines so kurzen Zeitraums zu erzielen. Auf Basis unserer Erfahrung ist nur eines sicher: keines der Projekte wird rechtzeitig und innerhalb des vorgesehenen Budgets fertiggestellt werden.

Auf dem Papier scheinen die Lithium-Fördermengen den aktuellen Nachfrageszenarien voraus zu sein, was mehrere Analysten dazu veranlasst hat, pessimistische Prognosen zu veröffentlichen. Die echte Herausforderung bei Lithium besteht weniger in der Förderung, sondern vielmehr in der Fähigkeit der Branche, das Material zu verarbeiten und auf ein höherwertiges, für den Einsatz in Batterien geeignetes Produkt aufzuwerten. Daher sind wir der Ansicht, dass Unternehmen mit bestehenden Lithiumkapazitäten, die in der Lage sind, mit einem hohen Grad an Zuverlässigkeit ein hochwertiges und für Batterien geeignetes Produkt zu liefern, am besten positioniert sind, um vom Wachstum der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen zu profitieren.

Die massenhafte Verbreitung von Elektrofahrzeugen hat zudem erhebliche Konsequenzen, die über Batterien hinausgehen. So werden etwa umfassende Verbesserungen an der Infrastruktur erforderlich sein, um Hochgeschwindigkeits-Ladenetze zu schaffen. Es müssen neue Stromquellen zur Bereitstellung der benötigten Energie entwickelt werden, und die Stromverteilungsnetze müssen in weiten Teilen der Welt deutlich aufgerüstet werden, um eine Hochspannungsaufladung zu Hause zu ermöglichen. Diese Verbesserungen begünstigen den Ausblick für die Kupfer- und Aluminiumnachfrage.

Alles in allem gehen wir davon aus, dass sich aus der weltweiten Einführung von Elektrofahrzeugen während des nächsten Jahrzehnts ein günstiges Umfeld für Metalle entwickeln wird. Somit sehen wir Chancen bei Rohstoffunternehmen, die in den Bereichen engagiert sind, die sich als die wichtigsten Bausteine einer elektrifizierten Zukunft erweisen werden.


[1] Quelle: Internationale Energieagentur, „Global EV Outlook 2018: Towards cross-modal electrification“, 30. Mai 2018. Der Bericht ordnet batteriebetriebene Elektrofahrzeuge (BEV) oder Plug-in-Hybrid-Elektrofahrzeuge (PHEV) im Segment der Pkw und leichten Nutzfahrzeuge (PLDV) der Kategorie „Elektrofahrzeuge“ zu. Hybrid-Elektrofahrzeuge (HEVs) ohne Stecker sind nicht berücksichtigt.

[2] Quelle: Internationale Energieagentur, „Global EV Outlook 2018: Towards cross-modal electrification“, 30. Mai 2018.

[3] Ebd.

[4] Quellen: Bloomberg, U.S. Geological Survey, Schätzungen zum 23. Juni 2017. Wichtige Mitteilungen und Nutzungsbedingungen der Datenanbieter sind verfügbar unter www.franklintempletondatasources.com.

[5] Quelle: Bloomberg New Energy Finance, „The Force Is With Clean Energy: 10 Predictions for 2018“, 16. Januar 2018. Wichtige Mitteilungen und Nutzungsbedingungen der Datenanbieter sind verfügbar unter www.franklintempletondatasources.com.

[6]Quelle: Bloomberg, „We’ll All Be Relying on Congo to Power Our Electric Cars„, 27. Oktober 2017. Wichtige Mitteilungen und Nutzungsbedingungen der Datenanbieter sind verfügbar unter www.franklintempletondatasources.com.




Rechtliche Hinweise

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.




Informationen zum Artikel
Autor: Steve Land
Unternehmen: Franklin Templeton