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Marktkommentar

Matthias Hoppe (Franklin Templeton): Eine Verhandlung oder der Beginn eines Handelskrieges?

Die globalen Handelsbedingungen haben sich in diesem Monat verschlechtert. Die USA haben erklärt, die Einführung von Zöllen auf zusätzliche chinesische Waren im Wert von 100 Mrd. USD in Erwägung zu ziehen, wodurch sie einen potenziell schädlichen Handelsstreit eskalieren könnten.
© Franklin Templeton

Dieser Schritt folgte auf die Ankündigung Chinas, als Vergeltung für die von den USA erhobenen Abgaben auf Stahl und Aluminium Zölle auf mehr als 100 US-Güter zu erheben, insbesondere auf landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Sojabohnen. Auch wenn diese Zölle noch nicht eingeführt wurden und es vor deren Umsetzung noch zu Verhandlungen kommen dürfte, stellt dies eine deutliche Verschlechterung der Handelsbeziehungen dar.

China hat sich in seiner Rhetorik entschlossen gezeigt und erklärt, Protektionismus bis zum bitteren Ende und um jeden Preis bekämpfen zu wollen. Allerdings hat Präsident Trump in seiner Erklärung zum Ausdruck gebracht, die Möglichkeit neuer Zölle schließe Diskussionen mit China „zum Schutz der Technologie und des geistigen Eigentums amerikanischer Unternehmen und des amerikanischen Volkes“ nicht aus, was darauf hindeutet, dass dies eher eine Verhandlungstaktik und nicht der Beginn eines echten Handelskriegs ist.

So ist es etwa interessant, dass die USA im Zuge der Neuaushandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) Zugeständnisse gemacht haben, während sich gleichzeitig die Beziehung zu China verschlechterte. Erst kürzlich hatten die Verhandlungsführer des Landes eine der umstrittensten Forderungen aufgegeben, nämlich dass 50 % der Inhalte eines Automobils in den USA hergestellt werden müssten – eine für die kanadische und mexikanische Automobilbranche völlig inakzeptable Bedingung. Dieses Zugeständnis könnte den Wunsch der USA signalisieren, zeitnah eine Einigung zu finden, damit das Land seine Aufmerksamkeit auf China richten kann.


Was bedeutet das für den Rest der Welt? 

Aus der folgenden Grafik  geht hervor, dass die USA gegenüber China ein sehr viel größeres Handelsdefizit hatten als gegenüber ihren nordamerikanischen Partnern. Dies könnte die Leichtigkeit erklären, mit der sie Zugeständnisse gemacht haben, um den Weg zu einem Abkommen zur Erneuerung der NAFTA zu ebnen. Allerdings passt das alles andere als gut zu einigen von Trumps Kommentaren über das südliche Nachbarland Mexiko.


Grafik: Jährliches US-Handelsbilanzdefizit


Zudem fällt auf, dass die USA auch gegenüber der Europäischen Union und Japan erhebliche Defizite aufweisen. Auch wenn die USA in Bezug auf den Abschluss von „Deals“ mit ihren Sicherheitspartnern weiterhin optimistisch klingen, drohen angesichts der Rechtfertigung der ursprünglichen Zölle, diese seien aufgrund von Fragen der nationalen Sicherheit erforderlich, für alle Handelspartner unbeabsichtigte Folgen. Welchen Preis werden die USA fordern, etwa im Hinblick auf erhöhte Militärausgaben zur Erfüllung der NATO-Zusagen? Wir wissen es einfach nicht.

Die Welthandelsorganisation (WTO) ist nicht ermächtigt, Zölle anzufechten, die aus Gründen der nationalen Sicherheit erhoben werden. Allerdings bezieht sich diese Regelung eigentlich auf Krisenzeiten, in denen es eine klare und akute Gefahr für die nationale Sicherheit gibt. Als Rechtfertigung für Protektionismus ist sie nicht vorgesehen.


Werden Zölle aus wirtschaftlicher Sicht funktionieren? 

Das Augenmerk hat sich bislang vor allem darauf gerichtet, wie und wo die Zölle gegebenenfalls erhoben werden. Dabei wird die Frage, ob sie überhaupt funktionieren, oft außen vor gelassen. Es sollte beachtet werden, dass das Leistungs­bilanzdefizit eines Landes aus wirtschaftlicher Sicht per definitionem das Gegenstück zum Saldo aus inländischen Investitionen und nationalen Ersparnissen ist. Die USA haben ein Defizit, das sich vor allem auf den Handel konzentriert, weil es ihnen an inländischen Ersparnissen fehlt, um die Investitionen im Inland zu finanzieren. Sofern die US-Verbraucher ihre jüngsten Steuersenkungen nicht nutzen, um Investitionen anstelle von Konsum zu finanzieren, ist eine Verringerung des Handelsdefizits unwahrscheinlich. Und daran können auch noch so viele angekündigte protektionistische Maßnahmen nichts ändern.


Fazit 

Angesichts der Art und Weise, wie diese Verhandlungen geführt werden (vor den Augen der Öffentlichkeit und der Finanzmärkte), fragen wir uns, ob die Hauptmotivation nicht möglicherweise politisch ist. Da die USA im ersten Jahr seit dem Amtsantritt von Präsident Trump Handelskonflikte gemieden haben, scheinen die anstehenden Mid-Term-Wahlen einen Motivationsfaktor darzustellen.

Unter dem Strich ist die derzeitige US-Regierung oft von Unvorhersehbarkeit geprägt. Der persönliche Verhandlungsstil Donald Trumps scheint in erster Linie auf die Schaffung von Chaos ausgerichtet zu sein. Hieraus ergeben sich dann häufig Veränderungen, die er seiner politischen Basis als „Gewinne“ anpreisen kann. Die Tatsache, dass die ergriffenen Maßnahmen die Handelsbilanz nicht verbessern, würde etwa als Beweis gehandelt werden, dass China das Welthandelssystem manipuliert.

Die mit einer so durchsichtigen und waghalsigen Politik verbundenen Risiken sind meiner Meinung nach weitaus größer als die direkten finanziellen Auswirkungen dieser relativ moderaten Zölle. Wir werden die Entwicklung der Lage auch weiterhin im Auge behalten und sind optimistisch, dass dies nicht der Beginn eines Handelskriegs ist. Allerdings bereitet uns die mögliche Entwicklung der Lage durchaus Sorgen, und dies stellt nach wie vor eines der größeren Risiken dar, das dafür sorgen dürfte, dass die Märkte 2018 volatiler bleiben als in den vergangenen Jahren




Informationen zum Artikel
Autor: Matthias Hoppe
Unternehmen: Franklin Templeton