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Marktkommentar

Igor de Maack (DNCA): Wöchentlicher Kommentar zu den Märkten (26. September 2017)

Mit den Wahlsiegen von Emmanuel Macron und Angela Merkel heilt Europa zwar in kleinen Schritten, doch beharrlich die Narben seiner größten wirtschaftlichen, sozialen und institutionellen Krise.
© DNCA Finance

Der europäische Kontinent, die Wiege der Demokratie, hat den Sirenen der populistisch-nationalistischen Kräfte an den äußeren Rändern des politischen Spektrums einmal mehr die Stirn geboten. Wenngleich von der angelsächsischen Finanzpresse, die stets mehr damit beschäftigt ist, die Ursünden des Kaleidoskops Europa anzuprangern als die Zunahme des Extremismus in ihrer eigenen Sphäre aufzuzeigen, immer wieder verschimpft, hat sich der Euroraum als robust erwiesen und ein Stück Stolz und Selbstvertrauen zurückgewonnen. Beides wird er brauchen, um gemeinsam ein neues Gesellschaftsprojekt zu entwerfen und umzusetzen, das den künftigen Generationen die Vorteile von Freiheit und einem besseren Leben bietet und zugleich den älteren Generationen, die für die Demokratie gekämpft haben, einen angemessenen Schutz gewährleistet.

Utopie, überholtes Ideal, verrückter Traum – und dennoch zieht der europäische Kontinent heute mehr Kapital an, als von ihm abgezogen wird: In zehn der letzten elf Wochen konnten europäische Aktien unterm Strich Zuflüsse verbuchen, zuletzt in Höhe von 1,8 Mrd. US-Dollar. Die Unternehmensnachrichten werden von möglichen Zusammenschlüssen von Großunternehmen beherrscht, für die sich Frankreich aufgrund des gewachsenen Bewusstseins für seinen Reformbedarf nun offener zeigt. So zeichnen sich Allianzen ab zwischen der BNP Paribas und der Commerzbank, Alstom und Siemens sowie STX und Fincantieri. Natürlich ist auch in Europa nicht alles eitel Sonnenschein, und natürlich hat auch „Mutti“ Angela Merkel, die „Unerwartete“ (in Frankreich auch als „politisches Ufo“ tituliert), ihre Kritiker und Schwächen. Und auch ihrem Land bleibt das Erstarken des Populismus nicht erspart: Die nationalistische AfD zieht in den Bundestag ein. Noch immer ist ein hoher Anteil der europäischen Bevölkerung von Arbeitslosigkeit betroffen und lebt unter oder hart an der Armutsgrenze, und noch immer lassen sich die Migrationsströme nur schwer steuern. Das Auseinanderbrechen des Euroraums ist jedoch ausgeblieben, und die Erfahrungen mit Trump und dem Brexit stimmen nachdenklich.

Auch in geldpolitischer Hinsicht verblassen die Spuren der Krise allmählich. Nachdem die Fed die Schrumpfung ihrer Bilanz angekündigt hat, dürfte auch die EZB ein positives Signal an die Finanzmärkte aussenden und die Rückführung ihrer Anleihekäufe einläuten.

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Autor: Igor de Maack
Unternehmen: DNCA