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Pressemitteilung

BANTLEON: Investment Insight September 2017

​Die US-Wirtschaft wächst weiterhin solide. Zwar ist die Arbeitslosenquote im August von 4,3% auf 4,4% gestiegen und die Zahl der neugeschaffenen Stellen lag mit 156.000 unter den Konsensuserwartungen von 180.000. Im Durchschnitt der vergangenen 3 Monate liegt das Plus jedoch immer noch bei 185.000 Stellen. Mehr als genug, um allen neu auf dem Arbeitsmarkt drängenden US-Bürgern eine Beschäftigung zu bieten.
© BANTLEON AG

Als Enttäuschung beim jüngsten Arbeitsmarktbericht kann somit – wenn überhaupt – das schwache Lohnwachstum angesehen werden. In der Tat ist hier eine Belebung überfällig. Ungeachtet der vorherrschenden Lethargie zeigt aber der grundlegende Trend weiterhin nach oben. Dass eine sinkende Arbeitslosigkeit zu steigenden Löhnen führt, steht ausser Frage – nur geht dieser Prozess langsamer vonstatten, als es in der Vergangenheit der Fall war. Je länger aber die Arbeitsmarkterholung anhält, umso grösser wird die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Löhne kräftiger anziehen.

Darüber hinaus ist das aktuell relativ schwache Lohnwachstum in den Augen der US-Verbraucher derzeit kein Problem. Sie schätzen laut der neusten Umfrage des Conference Board die Arbeitsmarktlage als so günstig ein wie zuletzt vor 16 (!) Jahren. Das zeigt sich auch in den Einkommenserwartungen, die im August wieder gestiegen sind und die auf ein tendenziell weiter zulegendes Konsumwachstum hindeuten

Aber nicht nur die Verbraucher bewerten die aktuelle konjunkturelle Lage positiv. Auch die Unternehmen sind optimistisch – im landesweiten ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie (August) kommt dies in einem überraschenden Sprung nach oben von 56,3 auf 58,8 Punkte zum Ausdruck – der höchste Stand seit immerhin sechs Jahren.

Wir sehen darin einen weiteren Beleg für unsere Prognose einer fortgesetzten Investitionsbelebung. Die mit der Revision der Q2-BIP-Daten veröffentlichten Unternehmensgewinne deuten in die gleiche Richtung. Nach der Abschwächung in Q1 (auf +3,3%, gegenüber dem Vorjahr) hat das Gewinnwachstum wieder auf +7,0% angezogen. Die Unternehmen wollen also offensichtlich nicht nur investieren – wie sie in den Geschäftsklima-umfragen angeben. Sie verfügen auch über die dafür nötigen finanziellen Mittel.

Der US-Konjunkturaufschwung bewegt sich damit auf einem stabilen Fundament. Anziehende Investitionen, steigende Beschäftigung und ein robuster Konsum sollten dafür sorgen, dass sich das Wirtschaftswachstum im laufenden und dem kommenden Quartal um 3,0% bewegt (nach rund +2,0% im 1. Halbjahr).

Während die US-Wirtschaft auf Erholungskurs ist, stellt sich die konjunkturelle Lage in China, der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt, gespalten dar. So spiegeln auf der einen Seite die August-Einkaufsmanagerindikatoren der Industrie eine anhaltend robuste Wachstumsdynamik wider. Sowohl der Index des Statistikamtes, NBS, als auch das Pendant von Markit legten im abgelaufenen Monat zu und erreichten dabei wieder die obere Begrenzung ihrer diesjährigen Seitwärtstrends.

Auf der anderen Seite verlieren die Dienstleistungssektoren aber an Schwung. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend in den kommenden Monaten fortsetzt. Alles in allem halten wir an unserer Erwartung einer moderat nachlassenden Wachstumsdynamik fest: Nach einem BIP-Zuwachs von jeweils 6,9% in Q1 und Q2/2017 rechnen wir in Q3 mit einer Abschwächung auf 6,7% und in Q4 auf 6,5% (gegenüber dem Vorjahr).

Die leichte Abkühlung in China wird auch an der Eurozone nicht spurlos vorübergehen. Im 1. Halbjahr hatte die Währungsunion noch stark von der weltwirtschaftlichen Belebung profitiert. Das Wachstum zog im Zuge dessen auf 0,5% bis 0,6% an (pro Quartal bzw. auf über 2,0% im Vorjahresvergleich). Für das laufende und die kommenden zwei Quartale rechnen wir indes mit einer Verschnaufpause, die das Wachstum in Richtung potentielle Wachstumsrate (ca. 0,3% bis 0,4% pro Quartal) drücken wird.

Bislang kündigt sich die zyklische Verlangsamung allerdings nur auf sehr leisen Sohlen an. So legen zwar einige Barometer bereits erste konjunkturelle Bremsspuren nahe (Composite-Einkaufsmanagerindex, OECD Leading Indicator, ZEW-Index), andere sind aber noch ungebrochen aufwärtsgerichtet. Dies galt im August erneut für die Geschäftsklimaindikatoren. Den abschliessenden Beleg dafür lieferte die Umfrage der EU-Kommission. Das alle Indikatoren bündelnde EUR-Wirtschaftsvertrauen arbeitete sich weiter nach oben und erklomm einen neuen 10-jährigen Höchststand. Triebkräfte waren vor allem das Industrie- und das Dienstleistungsvertrauen.

Auf Länderebene fielen die Ergebnisse bunt gemischt aus. Nach schwächeren Monaten verzeichneten vor allem Spanien und Italien kräftige Anstiege. Dafür kam es unter anderem in Belgien zu einem Rücksetzer. Im Grunde genommen befindet sich jedoch das Sentiment in nahezu allen Ländern im Aufwärtstrend. Selbst das Schlusslicht Griechenland hat sich davon anstecken lassen. Das nationale Wirtschaftsvertrauen erreichte dort im August ein 2½-Jahres-Hoch.

Die Kombination aus starken Wirtschaftsdaten einerseits und der Aussicht auf einen konjunkturellen Durchhänger andererseits wird die Finanzmärkte im weiteren Verlauf des Jahres vor einige Herausforderungen stellen – ganz zu schweigen von den geopolitischen Risiken. Der Höhenflug der Aktienmärkte dürfte dem ebenso zum Opfer fallen, wie der Heisshunger der Investoren auf Hochzinsanleihen. Cui bono – wem nützt es? Profitieren könnten am Ende ausgerechnet jene Assets, die bis zuletzt keiner haben wollte und die daher auf der Beliebtheitsskala mit weitem Abstand auf dem letzten Platz rangieren: Deutsche Bundesanleihen. Deren Kurse würden dann nicht nur von den QE-Käufen der EZB angeschoben, sondern zusätzlich von Umschichtungen »normaler Investoren« aus Risikoassets in die sicheren Häfen.

Wir haben in Antizipation dieser Entwicklung in den ersten Fonds die Risiken auf der Aktienseite sowie bei illiquiden Unternehmensanleihen reduziert. Gleichzeitig haben wir die durchschnittliche Laufzeit von deutschen Bundesanleihen erhöht, um im Ernstfall von den »Safe-Haven-Flows« zu profitieren.