12 Events in den nächsten 7 Tagen
Pressemitteilung

BANTLEON: Investment Insight August 2017

Trotz guter Konjunkturzahlen in der Eurozone gehen die Experten von Bantleon im laufenden und im kommenden Quartal von einer moderaten Abkühlung der Eurozonen-Konjunktur aus. Mehr dazu im Investment Insight August 2017 von BANTLEON.
© BANTLEON AG

Die Wirtschaft in den USA brummt – trotz des chaotischen Regierungsstils von Donald Trump. Entsprechend ist die Beschäftigungssituation in den USA unverändert positiv: Die Zahl der Neueinstellungen ist weiterhin hoch. Im Mittel der ersten sieben Monate des laufenden Jahres wurden 184.000 Jobs geschaffen, was in etwa dem Tempo beim Stellenaufbau im vergangenen Jahr gleichkommt (durchschnittlich 187.000). Das reicht nicht nur aus, um allen neu auf den Arbeitsmarkt drängenden US-Bürgern einen Arbeitsplatz zu bieten. Auch diejenigen, die nach der tiefen Rezession dem Arbeitsmarkt den Rücken gekehrt hatten und jetzt wieder nach einer Beschäftigung suchen, werden fündig. Das spiegelt sich in der Erwerbsquote, die ihren demografisch bedingten Abwärtstrend seit Herbst 2015 unterbrochen hat und von ihrem damaligen Tiefpunkt bei 62,4% auf aktuell 62,9% geklettert ist.

Allerdings ist die Arbeitsmarkterholung immer noch nicht weit genug fortgeschritten, damit die Beschäftigten deutliche Lohnsteigerungen durchsetzen können. In Anbetracht des jahrzehntelangen Tiefststandes bei der Arbeitslosenquote dürfte das jedoch kein Dauerzustand sein. Je länger der Aufschwung am Arbeitsmarkt anhält, desto mehr werden die Arbeitgeber zu Lohnzugeständnissen gezwungen sein. Für einen anhaltenden Konjunkturaufschwung, der schliesslich auch die Lohndynamik ankurbelt, sprechen auch die Ergebnisse der jüngsten Einkaufsmanagerumfragen.

Während die US-Wirtschaft zur Jahresmitte wieder Fahrt aufgenommen hat, bewegt sich Chinas Wirtschaft weiterhin in einem Spannungsfeld gegenläufiger Einflussfaktoren. Auf der einen Seite will die Regierung die ausufernde Verschuldung eindämmen, die Stabilität des Finanzsystems erhöhen und der Blasenbildung am Immobilienmarkt entgegenwirken. Die dafür nötigen und zum Teil schon ergriffenen Massnahmen müssten eigentlich das Wirtschaftswachstum bremsen.

Auf der anderen Seite wirft aber der 19. Parteikongress im Herbst immer deutlicher seine Schatten voraus. Dann stehen fünf der sieben Posten des ständigen Ausschusses des Politbüros der Kommunistischen Partei zur Neubesetzung an. Präsident Xi Jinping und Premier Li Keqiang – die als einzige ihre Ämter behalten – werden diese Gelegenheit nutzen, ihre Machtbasis im wichtigsten Führungsgremium auszubauen. Wirtschaftliche Stabilität ist dafür eine wichtige Voraussetzung, weshalb die oberste Parteispitze Interesse an einer anhaltend robusten Konjunkturdynamik hat.

In Anbetracht dessen spiegeln der Composite-Einkaufsmanagerindex des Statistikamtes und das Pendant von Markit mit ihren übergeordneten Seitwärtstrends eine überraschend robuste Wachstumsdynamik zur Jahresmitte. Offensichtlich dominieren immer noch die Bemühungen der Regierung, für wirtschaftliche Stabilität zu sorgen. Darüber hinaus profitiert das Reich der Mitte derzeit vom freundlichen weltwirtschaftlichen Umfeld.

Der Vorrang, den die Regierung bislang dem stabilen Wirtschaftswachstum vor dem notwendigen Einbremsen des Schuldenwachstums eingeräumt hat, deutet darauf hin, dass Peking bei der Blasenbekämpfung auch in den kommenden Monaten einen eher vorsichtigen Kurs fährt. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Wirtschaftswachstum im 3. Quartal weniger als von uns veranschlagt verlangsamt (von 6,9% auf 6,7%, gegenüber dem Vorjahr). Am Jahresende, spätestens 2018 sollte aber eine deutlichere Abkühlung einsetzen.

Auch die Konjunktur der Eurozone läuft derzeit auf allen Zylindern, wie die erste offizielle BIP-Schätzung für das 2. Quartal zeigt. Der Zuwachs der Wirtschaftsleistung betrug demnach 0,6% im Vergleich zum Vorquartal (Q1: 0,5%). Die Daten hatten zwar auf eine noch stärkere Belebung hingedeutet, aber dennoch wurde der aktuelle positive Trend bestätigt. Das Expansionstempo hat sich seit Ende 2016 bei mehr als 0,5% pro Quartal etabliert. Der auf das Jahr hochgerechnete aktuelle Wachstumstrend befindet sich somit bei über 2,0% – doppelt so hoch wie das Potentialwachstum von gut 1,0% p.a.

Trotz dieser guten Zahlen müssen wir Wasser in den Wein giessen: Wir haben an dieser Stelle schon mehrfach darauf hingewiesen, dass wir im laufenden und im kommenden Quartal von einer moderaten Abkühlung der Eurozonen-Konjunktur ausgehen. Unsere Prognose für das 3. Quartal lautet 0,5% und für das 4. Quartal 0,3% bis 0,4%.

Sollte es zu dem von unseren Frühindikatoren angezeigten Schwächeanfall in den offiziellen Daten kommen, sind High-Yield-Anleihen genauso wie die Aktienmärkte anfällig für eine Korrektur. Dafür ist nicht etwa eine drastische Verschlechterung der Perspektiven erforderlich. Es reicht bereits aus, dass sich der Aufschwung – gemessen beispielsweise am Rückgang der Arbeitslosenquote – abschwächt.

Deshalb bekräftigen wir unsere Prognose, wonach Risikoassets im weiteren Jahresverlauf auf ein undankbareres Makroumfeld treffen. Kurzfristig dürfte zwar die überverkaufte Markttechnik der Aktien im Verbund mit einem überkauften Euro Entlastung schaffen, was dem DAX Potential für die Rückkehr auf 12.500 Punkte eröffnet. Unser Jahresendziel bleibt dessen ungeachtet mit 11.000 Punkten deutlich tiefer. Auf der anderen Seite sollten die Renditen deutscher Bundesanleihen wieder in Richtung Nulllinie sinken und damit entsprechende Kursgewinne ermöglichen.

Dieser Prognose entsprechend haben wir damit begonnen, in unseren Fonds die durchschnittliche Laufzeit der hochqualitativen Anleihen schrittweise zu verlängern. Zugleich sind wir auf dem Sprung, High-Yield-Quoten und Aktienquoten zu reduzieren, um uns auf das rauere Fahrwasser an den Finanzmärkten vorzubereiten.