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Kolumne

Michael Reuss (KRK): Am Ende wird es Geld vom Himmel regnen

Ben Bernanke, der ehemalige Chef der US-Notenbank FED, ist einer der bekanntesten Verfechter der Idee des Helikoptergeldes. EZB-Chef Mario Draghi hatte die Debatte neu angefacht, als er bei einer Pressekonferenz am 10. März das Konzept als „sehr interessant“ bezeichnete. Nun könnte der Einsatz wieder wahrscheinlicher werden.
© Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH

Obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) durch ihr Anleihekaufprogramm bislang mehr als eine Billion Euro in den Geldkreislauf gepumpt hat sind Erfolge bei der Preisentwicklung – die EZB strebt eine jährliche Inflationsrate von 2,0 Prozent an – nicht mal im Ansatz zu erkennen. 

Was aber tun, wenn sich die bisherigen Kaufprogramme als Irrweg erweisen, um die Inflation in Gang zu bringen? Die Währungshüter könnten dann gezwungen sein, auch Staatsanleihen zu kaufen, deren Renditen unter der kritischen Marke von minus 0,4 Prozent liegen. Bislang ist das nicht erlaubt.

Am Ende dürfte sich bei der EZB die Erkenntnis durchsetzen, dass eine expansive Geldpolitik zwar in Krisenzeiten helfen kann, aber kontraproduktiv wirkt, wenn sie extrem exzessiv betrieben wird. Immer mehr Anleger zweifeln am Nutzen der EZB-Maßnahmen, da hinsichtlich Inflation, Wirtschaftswachstum, Strukturreformen und Kreditvergabe kaum Erfolge zu sehen sind. 

Aus unserer Sicht bewegt sich die westliche Welt in Richtung gigantischer fiskalpolitischer Programme, ohne Rücksicht auf die jetzt schon sehr angespannte Verschuldungssituation. Daher ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Zentralbanken einen maßgeblichen Anteil zur Finanzierung beitragen werden. Ein derartiges Vorgehen nennt man dann wohl Helikoptergeld. 

Doch was ist Helikoptergeld und wie könnte es eingesetzt werden? Grundsätzlich wird Helikoptergeld als ein geldpolitisches Konzept bezeichnet, bei dem Zentralbankgeld direkt an Staaten oder Bürger ausgezahlt wird. Die öffentliche Hand könnten dann beispielsweise große Infrastrukturprojekte finanzieren, wie den Ausbau von Autobahnen, die Sanierung öffentlicher Einrichtungen wie Schulen oder Krankenhäuser und dergleichen mehr. Böse Zungen behaupten, es würde vielleicht sogar eine 17. Brücke über das Rheintal gebaut, unabhängig davon, ob sie gebraucht wird oder nicht. In der Ära von George Bush hatten die Vereinigten Staaten bereits den Versuch unternommen, mit massiven Geldgeschenken an alle Bürger in Form von Steuerschecks den Konsum anzukurbeln.

Grotesk, aber durchaus vorstellbar, ist auch die Idee, dass Notenbanken den Schuldendienst von Staaten übernehmen: Sie würden die Zinsen zahlen und Investoren von Staatsanleihen
auszahlen, wenn diese auslaufen. Dabei müssten nicht mal neue Staatsanleihen zur Finanzierung der Rückzahlung ausgegeben werden. Der absolute Schuldenstand des Staates würde sich somit verringern, die Bilanz der Notenbank jedoch gewaltig aufgebläht. 

Nach den Vorstellungen der Befürworter sollen die Programme laufen, bis die gewünschte Inflationsrate von zwei Prozent erreicht ist. Entscheidend wäre, dass die Staaten das Geld nicht zurückzahlen müssen. Ziel ist, dass das Geld direkt in die Realwirtschaft umgeleitet und diese dadurch angekurbelt wird. Das Problem: Sollten die Konsumenten das zusätzlich
verfügbare Einkommen dazu nutzen, um Schulden abzubauen oder zu sparen, würde der gewünschte Effekt in großen Teilen verpuffen. 

Geldpolitik ist kein Allheilmittel. Sie kann notwendige Reformen in einzelnen Staaten nicht ersetzen und löst auch keine Wachstumsprobleme aufgrund mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Wer das von ihr verlangt, überfordert sie und wird am Ende bitter enttäuscht werden.

Lesen Sie hier die Kolumne von Michael Reuss als PDF-Version.

Informationen zum Artikel
Autor: Michael Reuss
Unternehmen: Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH
Herausgeber: Themendienst für Journalisten

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