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Marktkommentar

Volker Schilling (Greiff): Doch keine Welle?

© PartnerLOUNGE

11.11.2022 -

Doch keine Welle?

Wenn einer weiß, wie man Wellen schlägt, dann doch wohl der ehemalige US-Präsident Donald Trump. Das dachte sich auch seine Partei die Republikaner und zogen mit einer illustren Riege von Kandidaten in die US-Zwischenwahlen. Doch die „rote Welle“ blieb aus. Der angekündigte Durchmarsch der Republikaner ist bestenfalls eine Woge, aber keine Welle. Und selbst am Ende dieser Woche ist noch unklar, wer im Senat und Repräsentantenhaus jetzt die Mehrheit hat. Trump tobt und Biden lobt. Er lobt die Wähler, die aus seiner Sicht einen „guten Tag für Amerika“ bereitet haben. Trump dagegen ist wütend und sucht berserkernd Schuldige, inklusive seiner eigenen Frau. Eigenkritik wie immer Fehlanzeige. Deshalb werden Trump und sein grenzenloses Ego wie immer aus einer Niederlage einen Sieg machen wollen. Er wird daher aus meiner Sicht zügig ankündigen, wieder als Präsidentschaftskandidat anzutreten. Und seine Logik, sein Narrativ wird sein: Der Chef muss es selbst richten. Nur er weiß, wie man Wahlen gewinnt. Alles andere ist eine „Big Lie“! Keine Lüge dagegen ist wohl die Ankündigung von Biden, ebenfalls wieder kandidieren zu wollen. Ob sich die Demokraten damit einen Gefallen tun, ist mehr als fraglich. Die US-Börsen ob der Hängepartie erstmal verstört, deuten das Ausbleiben der Welle als Ebbe. Wo keine Welle, da keine Liquidität. Die Käufer streiken, Börsen im Wartemodus.

Nur eine Delle?

Ganz anders bei den Kryptowährungen. Dort gab es diese Woche keine Welle, sondern eine ordentliche Delle. Ein Beben mit darauffolgendem Tsunami bei der vor der Pleite stehenden Kryptohandelsplattform FTX sorgte für einen Krypto-Run der FTX-Kunden. 6 Milliarden zogen die Kunden binnen kürzester Zeit ab und brachten FTX in Zahlungsschwierigkeiten. Das Beben bei FTX erschütterte die Kurse von Bitcoin & Co. So fiel der Kurs des Bitcoins von über 20.000 Dollar in einem Rutsch unter die 16.000 Dollar. Erzrivale Binance kündigte hastig eine Übernahme des Konkurrenten an, zog aber nach Einsicht in die Bücher schnell zurück und befeuerte dadurch den Niedergang noch mehr. Kryptoanleger erleben damit erneut einen Unfall auf dem Highway zum Reichtum. Im besten Falle ist die Delle wirklich nur ein Blechschaden auf dem Weg zum Goldstandard. Für die Kritiker ein erneuter Beweis der Untauglichkeit als Anlageklasse, sehen die Befürworter darin nur Wachstumsschmerzen auf dem Weg zum heiligen Gral. Sagen wir es mal so: Die Laseraugen in den Profilen vieler Anhänger des Bitcoins sind verglüht und so mancher schaut auf ein Häufchen Asche seiner Ersparnisse. Es gilt eben immer noch die gute alte Weisheit von Börsenlegende André Kostolany: „Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man schnell reich wird; ich kann Ihnen aber sagen, wie man schnell arm wird: indem man nämlich versucht, schnell reich zu werden.“ Apropos schnell:

Auf die Schnelle?

Schnelligkeit ist nicht immer ein Vorteil. Das musste auch Elon Musk diese Woche wieder erfahren, der erstmal die Hälfte der Twittermitarbeiter entlassen hat, um dann eilig wieder zurückzurudern. Aber mit Rückrufaktionen kennt der Tesla-Chef sich ja aus. Getreu dem Motto „Muss nur noch schnell die Welt retten“ geht seine grenzenlose Ungeduld einher mit seinem unbändigen Willen zur Weltveränderung. Doch die Signale an die Börsen sind klar: Egal ob Twitter, Stripe oder Meta, die Techfirmen stehen erst am Anfang einer Kostenkonsolidierung. Die fetten Jahre sind erst einmal vorbei, der Wachstumsspeck wird jetzt abtrainiert. Damit legen diese Unternehmen jetzt den Grundstein für künftige Erfolge. Wer die Zeichen der Zeit verpasst, wird womöglich mit der Zeit keine Rolle mehr spielen. So schnell kann es gehen.

 

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