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Interview

Christian Zimmermann (Amundi): Sonne und Wind verhelfen zur Energieautonomie

© Amundi Asset Management

26.07.2022 -

Warum gerade die Energieeffizienz von Gebäuden einen großen Klimabeitrag leisten kann, welche unterschiedlichen Technologien Pkws und Lkws künftig antreiben könnten und warum Transparenz beim Thema Nachhaltigkeit so wichtig ist, erläutert Portfoliomanager Christian Zimmermann im ausführlichen Interview.

Herr Zimmermann, welche Auswirkungen hat die kürzlich durch die EU erfolgte Einstufung von Kernkraft und Erdgas als „nachhaltig“ für Ihre Fondsanleger?

Das ändert für unsere Kundinnen und Kunden grundsätzlich nichts. Wir haben bei Amundi schon lange strikte Ausschlusskriterien, u.a. seit dem Unglück von Fukushima 2011 für Kernkraft und seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 für fossile Energieträger. Daran halten wir natürlich auch weiterhin fest.

Nach welchen Kriterien stufen Sie bei Amundi denn Investments als nachhaltig ein?

Das ist bei Amundi ein mehrstufiger Selektionsprozess. In einem ersten Schritt schließen wir, wie bereits erwähnt, kontroverse Sektoren und Unternehmen aus, beispielsweise die Tabak- und die Alkoholindustrie. Wir achten zudem auf die Einhaltung der Menschen- und Arbeitsrechte und auf das Thema Kinderarbeit. Im nächsten, sehr wichtigen Schritt ermitteln wir, welche Sektoren und Unternehmen einen positiven Beitrag im Bereich Ökologie und Umwelt leisten könnten. Im Fondsklassiker, den ich bereits seit 2003 verantworte, wollen wir gezielt in Unternehmen investieren, die Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft anbieten – also den Klimawandel, die Energiewende oder auch die Transformation hin zur elektrischen Mobilität. In Summe haben wir in unserem Portfolio zehn Nachhaltigkeitsthemen definiert, die uns besonders wichtig sind. Innerhalb dieser Sektoren wählen wir dann konsequent die konkreten Einzeltitel aus, u.a. anhand von „Nachhaltigkeitsnoten“ – sogenannten ESG-Scores –, die wir gemäß unserer eigenen Amundi Ratingmethodologie in einem speziellen ESG-Team sowie in Kooperation mit externen Partnern ermitteln.

Lassen Sie uns drei dieser Themenbereiche herausgreifen: energieeffiziente Gebäude, nachhaltige Mobilität und alternative Energien. Wie gehen Sie hier vor?

Lassen Sie mich zum Begriff Energieeffizienz anmerken: Jede Energie, die wir nicht verbrauchen und konsumieren, also gar nicht erst erzeugen müssen, kann auch keinen negativen CO2-Abdruck hinterlassen. Das ist generell wichtig für die Klimaziele, die wir verfolgen. Bricht man das auf das Thema Gebäudeeffizienz herunter, dann müssen wir uns verdeutlichen, dass der Gebäudesektor für 35–40% des CO2-Ausstoßes steht. Folgerichtig konzentriert sich der EU Green Deal auf diesen Bereich, weil hier sehr schnell Einsparpotenziale – z.B. durch Dämmung – generiert werden können. Das gilt im Übrigen auch für den laufenden Betrieb der Gebäude, wo intelligente Technik zu enormen Einsparungen führen kann. Innovative Unternehmen in diesem Sektor interessieren uns sehr.

Stehen bei nachhaltiger Energie für Sie die Elektroantriebe im Fokus oder gibt es noch weitere Schwerpunkte?

Da sollte man die Bereiche Pkw und Transport differenzieren. Wir denken grundsätzlich, dass auch hier Veränderung ganz wichtig ist, zumal beide Bereiche global für rund 25% des emittierten CO2 stehen: Bei den Pkws sollten wir weg von den Otto- und Dieselmotoren und hin zu elektrischen Antrieben. Aber was brauchen wir noch? Etwa nachhaltig erzeugte Batterien, die mehr speichern können und größere Reichweiten erzielen, die sich aber auch schnell aufladen lassen. Die Ladeinfrastruktur muss europaweit verstärkt vorangetrieben werden, damit sich immer mehr Menschen für E-Fahrzeuge entscheiden. Alles interessante Branchen und Sektoren. Im Transportbereich, etwa beim Schwerlastverkehr auf der Straße oder in der Schifffahrt, geht es unserer Meinung nach in Zukunft eher in Richtung Brennstoffzelle, also Wasserstofftechnologie.

Welche alternativen Energien haben Sie aktuell im Blick?

Uns sollte klar sein, dass wir hinsichtlich des Klimawandels möglichst schnell von den fossilen Energieträgern wegkommen sollten. Das geht am besten mit Sonne und Wind. Und ich denke dabei nicht nur an die Großprojekte wie Solaranlagen oder Windparks. Auch hier kommen die einzelnen Gebäude wieder ins Spiel: Wenn Sie heute schon Solarzellen auf dem Dach und den Energiespeicher im Keller haben, sind Sie in Sachen Energie bereits zu 70–80% autark. Die Technologie schreitet weiter voran, mittlerweile können sogar Gartenzäune Strom erzeugen. Wir rechnen in Zukunft mit weiteren spannenden Innovationen.

Wer auch bei der Geldanlage auf Nachhaltigkeit umstellen möchte, sollte wie vorgehen?

Ehrlich gesagt wurde das Angebot der nachhaltigen Fonds, ETFs sowie Themenfonds stark ausgeweitet und damit leider auch recht unübersichtlich. Das erschwert die Auswahl natürlich. Deshalb trete ich als Manager eines nachhaltigen Portfolios für maximale Transparenz ein, damit Anlegerinnen und Anleger klar erkennen können, wie wir Nachhaltigkeit definieren und im Fonds umsetzen. Investorinnen und Investoren sollten dann ihre Präferenzen mit einem konkreten Produkt abgleichen. Erst wenn das passt, haben wir die Voraussetzungen geschaffen, eine langfristige und zufriedene Kundenbeziehung aufzubauen.

 


Rechtliche Hinweise: Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 30.06.2022. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.

Informationen zum Artikel
Autor: Christian Zimmermann
Unternehmen: Amundi Asset Management
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