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Pressemitteilung

MFS: Rezessionsängste nach Wachstumseinbruch in den USA

© MFS

29.07.2022  - Internationale Aktien legten auch diese Woche zu, während die US-Zehnjahresrendite unter den Vorwochenwert von 2,75% fiel. Das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate verteuerte sich von 94 US-Dollar vor einer Woche auf 100 US-Dollar. Gemessen am CBOE Volatility Index (VIX) verringerte sich die Volatilität von 23,1 am letzten Freitag auf 21,4

US-Wirtschaft auch im 2. Quartal geschrumpft

Nach einem Minus von 1,6% (annualisiert) im 1. Quartal ging das US-BIP auch im 2. Quartal zurück, diesmal um 0,9%. Nach 1,8% Zuwachs im 1. Quartal ist der private Verbrauch im 2. Quartal nur noch um 1% gestiegen. Schwach war vor allem die Güternachfrage. Ein Lichtblick ist der PCE-Preisindex: Nach 5,2% (annualisiert) im 1. Quartal sind die Verbraucherpreise jetzt nur noch um 4,4% gestiegen.

Fed erhöht Zinsen um 75 Basispunkte

Wie allgemein erwartet hat die amerikanische Notenbank am Mittwoch den Zielkorridor für die Federal Funds Rate um 75 Basispunkte angehoben, auf 2,25% bis 2,5%. Der Offenmarktausschuss gab zu, dass Konsum und Produktion zuletzt schwächer waren, verwies aber zugleich auf den noch immer hohen Beschäftigungszuwachs. Weitere Zinserhöhungen seien daher angebracht. Beruhigend für die Märkte waren Äußerungen von Notenbankchef Jerome Powell. Er bezeichnete den Leitzins jetzt als „weitgehend neutral“, sodass man sich nach den frühzeitigen Zinserhöhungen jetzt wieder mehr an den Konjunkturdaten orientieren könne. Für die Zukunft wird mit kleineren Zinsschritten gerechnet. Allerdings könnten sich die Erwartungen wegen der vielen Datenveröffentlichungen vor der Sitzung am 21. September durchaus wieder ändern.

Deutsches Konsum- und Geschäftsklima im Juli sehr schwach

Nach dem jüngsten ifo-Geschäftsklimaindex steht Deutschland an der Schwelle zur Rezession, meint ifo-Präsident Clemens Fuest. Nach 92,2 im Juni fiel der Index im Juli auf ein Zweijahrestief von 88,6. Eine wesentliche Rolle spielte die anhaltende Energieknappheit infolge der deutschen Abhängigkeit von russischem Erdgas. Gazprom hat Nord Stream 1 letzte Woche zwar wieder in Betrieb genommen, doch wurden die Lieferungen erneut halbiert, sodass die Pipeline nur mit 20% ihrer Kapazität arbeitet. Deutschland wird es schwerfallen, genügend Gas für den Winter einzulagern. Um eine Energiekrise zu verhindern, einigten sich die EU-Mitglieder diese Woche auf eine freiwillige Verbrauchssenkung um 15%, die bei einer Notlage bindend werden soll. Am Donnerstag ist das GfK-Konsumklima auf ein Rekordtief von  30,6 gefallen.

IWF senkt Weltwirtschaftsprognose erneut

Diese Woche hat der Internationale Währungsfonds seine Prognose für das Weltwirtschaftswachstum in diesem Jahr zum dritten Mal gesenkt. Er rechnet jetzt nur noch mit 3,2%, nach 3,6% im April und 4,4% im Januar. 2023 soll das Wachstum dann weiter fallen, auf 2,9%. Es könne aber auch noch niedriger ausfallen. Außerdem rechnet der IWF mit 8,3% Inflation in diesem und 5,7% im nächsten Jahr.

Hohe Preise und steigende Zinsen schwächen US-Wohnimmobilienmarkt

Im Juni wurden in den USA 8,1% weniger neue Immobilien verkauft als im Vormonat und damit so wenige wie zuletzt zu Beginn der Pandemie. Wegen der hohen Preise und steigenden Hypothekenzinsen können sich viele Amerikaner kein Eigenheim mehr leisten. Auch die schwebenden Hausverkäufe gingen im Juni zurück und waren um 8,6% niedriger als im Mai, während der Case-Shiller US Home Price Index von Mai 2021 bis Mai 2022 um 19,75% gestiegen ist. Außerdem berichtete die Mortgage Bankers Association, dass in der Vorwoche so wenige Hypothekenkredite beantragt worden waren wie zuletzt im Jahr 2000.

KURZ GEFASST 

Am Freitag wurde der US-Arbeitskostenindex veröffentlicht. Im 2. Quartal ist der für Notenbankchef Powell wichtige Inflationsindikator um 1,3% gestiegen.

Wegen der hohen Inflation mussten amerikanische Verbraucher mehr für Güter und Dienstleistungen bezahlen. Im Juni stiegen die Haushaltsausgaben daher unerwartet stark, um 1,1% nach nur 0,3% im Mai.

Am Mittwoch stimmte der US-Senat einem Gesetz zu, das mehr als 52 Milliarden US-Dollar Subventionen für Halbleiterhersteller vorsieht, die in den USA produzieren. Außerdem ist eine milliardenschwere Forschungs- und Entwicklungsförderung vorgesehen. Jetzt hat das Repräsentantenhaus das Wort, das das Gesetz voraussichtlich verabschieden wird.

Chinas Bevölkerung wächst nicht mehr so schnell und dürfte spätestens 2024 schrumpfen, berichteten chinesische Staatsmedien am Sonntag.

Im Juli fiel der Konsumklimaindex des Conference Board auf 95,7, der dritte negative Monat in Folge. Im Juni hatte er noch 98,4 betragen.

Die australische Inflation ist im letzten Quartal auf ein 21-Jahres-Hoch gestiegen. Die Verbraucherpreise waren um 6,1% höher als vor einem Jahr, der Kernindex um 4,9%. Vermutlich wird die australische Notenbank ihren Leitzins am Dienstag um 50 Basispunkte anheben.

Wie die Financial Times berichtet, will China chinesische Unternehmen mit einer US-Börsennotierung in drei Kategorien einteilen: Firmen mit geheimen Daten, Firmen mit sensiblen Daten und Firmen ohne sensible Daten. Das solle den Entzug der US-Börsenzulassung verhindern, den die amerikanische Wertpapieraufsicht wegen der Nichteinhaltung der amerikanischen Buchprüfungsregeln angedroht hat. Die US-Behörden teilten aber mit, dass sie keinerlei Einschränkung ihres Zugangs zu chinesischen Prüfberichten akzeptieren würden. Damit sind die Notierungen von 270 Unternehmen gefährdet.

Im Euroraum ist das BIP im 2. Quartal trotz hoher Inflation und nachlassendem Konsum- und Geschäftsklima um 0,7% gestiegen. In der ersten Jahreshälfte hat der Neustart der Wirtschaft geholfen. Für die kommenden Monate erwartet man wegen der höheren Inflation und der anhaltenden Lieferengpässe aber weniger Wachstum.

In Deutschland ist der harmonisierte Verbraucherpreisindex im Juli auf einen vorläufigen Wert von 8,5% z.Vj. gestiegen, nach 8,2% im Juni.

Der demokratische Mehrheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer aus New York, und sein Fraktionskollege Joe Manchin aus West Virginia haben sich grundsätzlich auf höhere Energie- und Gesundheitsausgaben sowie Steuererhöhungen geeinigt. Das Gesetzespaket muss aber noch einige Hürden nehmen, bevor es im Senat im Rahmen des sogenannten Reconciliation-Prozesses zur Abstimmung kommt. Hier haben beide Parteien 50 Mandate.

Letzte Woche wurden in den USA 256.000 Erstanträge auf Arbeitslosengeld gestellt, 5.000 weniger als der nach oben revidierte Vorwochenwert von 261.000. Seit dem Tiefststand von 166.000 im März ist die Zahl kontinuierlich gestiegen.

GEWINNMELDUNGEN

56% der S&P-500-Unternehmen haben bis jetzt ihre Ergebnisse für das 2. Quartal 2022 vorgelegt. Kombiniert mit Schätzungen für die übrigen 44% sind die Gewinne laut FactSet Research um etwa 6% und die Umsätze um etwa 12,3% gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. Ein wichtiges Thema waren diese Woche die überraschend hohen Gewinne von Technologieunternehmen.

 

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