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Pressemitteilung

ODDO BHF: Fokus auf China

© ODDO BHF Asset Management

14.06.2022 -

Geschäftsumfeld 2022

China nimmt eine einzigartige Stellung in der Weltwirtschaft ein. Auf der einen Seite steuerte es 2021 18% zum globalen BIP bei, andererseits unterliegt das Land einer strengen zentralen Kontrolle. Die Bemühungen der Regierung, Wachstum und Ideologie in Einklang zu bringen, haben bereits für ein turbulentes Jahr 2021 gesorgt, u.a. durch eine umfassende Verschärfung der Regulierung der Tech-Riesen, anhaltende Spannungen mit den USA und eine mögliche Immobilienblase.

An den Aktienmärkten und in großen Sektoren der chinesischen Wirtschaft kam es daher zu einer erheblichen Volatilität. Beispielsweise wurden im vergangenen Jahr neue Maßnahmen ergriffen, die auf boomende Sektoren wie Computerspiele und Nachhilfe abzielten, und auch der geplante Börsengang der Ant Group, der bisher größte Chinas, wurde gestoppt. „Es handelte sich mehr oder weniger um einen Komplettumbau bestimmter Bereiche der chinesischen Wirtschaft", sagt Martin Fechtner, Multi-Asset-Portfoliomanager, Emerging Markets bei ODDO BHF. „Es war der Regierung wichtig, manchen Unternehmen klar zu signalisieren, dass sie zu dominant geworden waren.“

Doch im April und Mai dieses Jahres kam das Wirtschaftswachstum aufgrund der Covid-19-Lockdowns zum Erliegen. Es scheint, dass die Behörden inzwischen das Risiko dieser Maßnahmen für die Wirtschaft erkannt haben und nicht hinnehmen konnten. Das nationale TV-Symposium, zu dem Premierminister Li Keqiang Ende Mai eingeladen hatte, zeigte deutlich, dass es keine Toleranz gegenüber einer möglichen Rezession gibt. Entsprechend schwenkte die Regierung auf einen unterstützenden Kurs um.

Die Stabilisierung des Wirtschaftswachstums hat nun Priorität. Hierzu werden verstärkt expansive geld- und fiskalpolitische Maßnahmen eingeführt und Beschränkungen für zuvor „abgestrafte" Sektoren gelockert. Der seit Juli 2021 geltende Genehmigungsstopp für Computerspiele wird aufgehoben. Auch werden zahlreiche Impulse zur Stärkung von Nachfrage und Angebot im Wohnungsbausektor gesetzt, u. a. durch eine Senkung der Leitzinsen für Darlehen, niedrigere Anzahlungsbeträge, eine Reduzierung der Kaufbeschränkungen und einen leichteren Zugang zu Krediten für Projektentwickler.

Die strengen politischen Restriktionen im vergangenen Jahr waren zu einem großen Teil ideologisch motiviert und folgten der Doktrin des „Wohlstands für alle“. Diese hat zum Ziel, Ungleichheiten abzubauen sowie Stabilität und die Macht der Partei aufrechtzuhalten. „Langfristig – so unsere Überzeugung – dürfte der Weg zum „Wohlstand für alle“ weiter begangen werden. Ungleichheit ist eines der wichtigsten Probleme des Landes,“ sagt Valérie Niquet, Leiterin des Asienprogramms der Foundation for Strategic Research. „China zählt weltweit zu den Gesellschaften mit der größten Ungleichheit. 600 Millionen Menschen haben ein Einkommen von weniger als 100 Euro pro Monat.“ 

Die Privatwirtschaft ist nach wie vor ein wesentliches Element der chinesischen Wirtschaftspläne. Schließlich werden 90% der Menschen in den Städten von privaten Unternehmen beschäftigt. Das Land ist auch weiterhin offen für ausländische Unternehmen. So wurden etwa die Vorschriften im Automobil- und Versicherungssektor gelockert. Allerdings erschwert die Null-Covid-Politik weiterhin das Reisen.

Mit Sorgen blicken viele Anleger auf den Immobiliensektor, der 30% des BIP ausmacht. Hier könnten die hohen Ersparnisse der Haushalte und die niedrigen Beleihungsquoten bei Hypotheken jedoch mögliche Schäden abmildern. Die chinesische Regierung verfügt über vielfältige Instrumente, um sowohl nachfrage- als auch angebotsseitig eingreifen zu können und so extremen Schwankungen der Immobilienpreise entgegenzuwirken.

Als größte Herausforderung könnten sich die ehrgeizigen Klimaziele Chinas erweisen. Der Anteil fossiler Brennstoffe an der Stromerzeugung soll von aktuell 90% auf 20% im Jahr 2060 reduziert werden. „Die vor ihnen liegende Aufgabe ist gewaltig", erklärt Dr. Axel Schweitzer, CEO der ALBA Group. „China wächst immer noch, d.h. sie werden bei voller Fahrt ihren Energiemix vollständig umstellen.“    

Wo bieten sich 2022 Anlagechancen?

 „An den chinesischen Märkten können sich die Dinge schnell wandeln. Daher ist es nicht damit getan, Aktien auszuwählen. Anleger müssen vielmehr verstehen, wie sich Regierungspolitik und wirtschaftliche Rahmenbedingungen kurz-, mittel- und langfristig auf die Aktien auswirken werden", sagt Ken Wong, Director, Client Portfolio Manager China Equities bei Eastspring. Investitionen in China sind eng mit dem ideologischen und politischen Kurs des Landes verwoben, so dass sich Anleger auf Unternehmen und Sektoren konzentrieren sollten, die davon profitieren können.

Wie in den USA wird die langfristige Wirtschaftspolitik stark von dem Wunsch bestimmt, in Branchen wie E-Mobilität, künstliche Intelligenz und Halbleiter autark zu sein und aus fossilen Brennstoffen auszusteigen. Mit dem Vorantreiben eines strukturellen Wandels weg von einem export- hin zu einem konsumgetragenen Wachstum versucht China auch, den Binnenkonsum anzukurbeln, der derzeit nur 56% des BIP ausmacht. Hiervon könnten auch europäische Luxusunternehmen stark profitieren.

Zu den Schlüsselsektoren des Fünfjahresplans 2021 der Regierung für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung gehören sowohl der Energiewendesektor, einschließlich erneuerbarer Energien wie Windkraft, Solarenergie und Wasserstoff, als auch Finanzdienstleistungen wie Vermögensverwaltung, Finanzmanagement und Versicherungen. Volatilität wird aber ein stetiger Begleiter bleiben. Im vergangenen Jahr sahen sich Technologieunternehmen mit strengen neuen Vorschriften konfrontiert. Daher ist ein diversifizierter Ansatz zur Risikostreuung unerlässlich. Der Schlüssel liegt darin, starke Managementteams zu identifizieren, die sich an neue Regularien anpassen können.

Zu den Sektoren, bei denen man vorsichtig sein sollte, gehören im Ausland notierte Aktien sowie Kommunikations-, Versorgungs- und Energiewerte. Es sind aber andere Sektoren, für die Anleger China trotz der Unsicherheit schätzen. Verglichen mit 2020 haben sich die Kapitalströme, die 2021 über die Shanghai-Hong Kong Stock Connect in den Markt für A-Shares flossen, mehr als verdoppelt. Grund hierfür sind attraktive Bewertungen: Die Unternehmen wurden per Ende 2021 mit dem 13-fachen des voraussichtlichen Gewinns bewertet, in den USA war es das 20-fache.

Aufgrund der Unsicherheiten im Zusammenhang mit den geopolitischen Spannungen und den Corona-Lockdowns kam es im März am Markt für A-Aktien zu Kapitalabflüssen in einem Volumen von 451 Mrd. Yuan. Angesichts des schwierigen internationalen Umfelds haben jedoch positive Nachrichten aus China und in relativer Sicht attraktive Bewertungen (das 11-Fache des geschätzten Gewinns in China gegenüber dem 18-fachen in den USA per Ende Mai) A-Shares für die Anleger wieder interessant gemacht, vor allem nach Aufhebung des Lockdowns in Shanghai. Insgesamt ist bei den Kapitalzuflüssen in A-Aktien eine wachsende Dynamik zu verzeichnen: 64 Mrd. Yuan im April, 169 Mrd. Yuan im Mai, 412 Mrd. Yuan allein in der Zeit vom 1. bis 10. Juni.

Obwohl die EU vor kurzem einen Bericht veröffentlichte, in dem gewarnt wurde, dass sich Chinas Wirtschaft zunehmend nach innen wende, gibt es auch positive Signale. „Die Regierung verfolgt tatsächlich eine zweigleisige Politik, indem sie einerseits den Binnenkonsum fördert und sich andererseits um Investitionen aus dem Ausland bemüht", sagt Yan Lan, Vice Chairman des Investment Banking bei Lazard. „Trotz bestehender Herausforderungen eröffnen die neuen Wachstumssektoren in den Bereichen digitale Wirtschaft, Infrastruktur und Energie viele Möglichkeiten.“

 

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