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Interview

Thomas Kruse (Amundi): In den USA wächst die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale

© Amundi Asset Management

02.05.2022 - Nicht nur im Supermarkt und an der Tankstelle wird hierzulande die Inflation deutlicher spürbar als erwartet. Warum die Preisentwicklung in Europa und den USA unterschiedliche Treiber hat und sich dies auch in einer anderen Notenbankpolitik spiegelt, erläutert Thomas Kruse, CIO von Amundi Deutschland, im ausführlichen Interview.   

Die Inflation ist in den USA bereits sehr hoch, Europa hat aber mittlerweile fast aufgeschlossen. Sehen wir hier einen Gleichlauf oder bestehen Unterschiede beim Preisauftrieb in beiden Wirtschaftsräumen?

Auf den ersten Blick sieht man in Europa und den USA ähnliche Entwicklungen, zumal die Inflationsrate der Europäer mit aktuell 7,4% nun in etwa auf dem Niveau der USA angekommen ist, die momentan bei 8,5% liegt. Schaut man aber genauer auf die sogenannte Kerninflation – also die Teuerungsrate ohne die Bereiche Nahrungsmittel und Energie – gibt es doch signifikante Unterschiede. Da liegt Europa bei nur 2,9%, die USA allerdings schon bei 6,5%. Das heißt, die Amerikaner haben einen deutlich höheren Preisanstieg bei Gütern und Dienstleistungen zu verkraften. Ein Grund, warum die Fed nun auch so aktiv wird.

Die EZB hingegen ist weit weniger offensiv wie die Fed. Wie kommt es zu den Unterschieden in der Notenbankpolitik?

Wir haben in den USA einen angespannten Arbeitsmarkt mit niedriger Arbeitslosenquote und vielen offenen Stellen, sehen aber bereits ein hohes Lohnwachstum. Hier bahnt sich also eine größere Gefahr für eine Lohn-Preis-Spirale an als in Europa.

Müssen wir uns also längerfristig auf eine höhere Inflation einstellen?

Das ist eine gute Frage: Einige Zeit haben viele Beobachter ja geglaubt, die höhere Inflation sei nur ein vorübergehender Preisanstieg wegen der Verzögerungen bei den Lieferketten, Engpässen durch die Lockdowns, durch erhöhte Sparquoten und den sogenannte Wiedereröffnungseffekt nach der Coronakrise. Nun müssen wir feststellen, dass gerade der Anstieg der Kerninflation darauf hindeutet, dass wir uns anhaltender mit dem Preisauftrieb auseinandersetzen müssen. Deshalb auch der aggressivere Kurs der US-Notenbank.

Jerome Powell wird also die lockere Geldpolitik zurückdrehen müssen, die er selbst mit initiiert hatte?

Ja, und das voraussichtlich schneller als das ursprünglich erwartet worden war. Im letzten Dezember haben wir noch über zwei Zinserhöhungsschritte in 2022 gesprochen, bis Februar waren dann schon sieben im Gespräch, dann größere Zinssprünge von 0,5%. Damit scheint nun ein Zinsniveau von 2,5% zum Jahresende alles andere als unrealistisch.

Würde dies die Wirtschaft in Schwierigkeiten bringen, droht dann eine Rezession?

Man sagt ja, immer wenn die Inflation über 4% und die Arbeitslosenquote unter 4% liegt, besteht die Gefahr einer Rezession. Auch eine inverse Zinsstrukturkurve, wie wir sie kurzzeitig in den USA im April hatten, könnte dafür ein Anzeichen sein. Doch soweit ist es noch nicht: Wir haben aktuell ein robustes Wachstum, gerade nach dem Auslaufen der Pandemie. Wir von Amundi gehen für dieses Jahr immer noch von einem US-Wachstum von 3,1% aus, in 2023 dann immerhin noch 1,8%. Dennoch bleibt es schwierig für die Notenbank, eine hohe Inflation zurückzuführen ohne die Wirtschaft dabei abzuwürgen. Wir werden also genau darauf achten müssen, wie gut es den Akteuren gelingt, eine sogenannte „weiche Landung“ der Wirtschaft hinzubekommen.

Wie sollten nun Anleger in dieser Situation reagieren?

Wir sind überzeugt, dass bei hoher Inflation reale Werte zählen. Aktien sind beispielsweise solche realen Werte. Zu Bedenken ist allerdings auch, dass das Wachstum an Dynamik verlieren dürfte, weshalb wir bei Amundi nun weniger in zyklische Aktien investieren und Value-Titel – also wertorientierte Aktien– klar bevorzugen. Wir setzen aber auch auf solche Unternehmen, die wegen ihrer hohen Marktmacht die Preissteigerungen der Vorprodukte an ihre Kunden weiterreichen können. Das betrifft etwa Luxusgüterhersteller, aber auch die Basiskonsumgüterbranche. Auch für die Reisebranche erwarten wir nun zum Pandemieende eine Sonderkonjunktur. Bei den Technologiewerten bevorzugen wir die „Big Player“, die ihre Gewinne nicht erst in der Zukunft generieren, sondern bereits heute gute Geschäft machen. Explizite Wachstumstitel meiden wir eher. Generell sehen wir die US-Märkte im Vergleich zu Europa als attraktiver. Mit der breiten Amundi Fondspalette können Anleger hier gezielte Akzente setzen oder auch bewusst diversifizieren, ganz nach Wunsch und individueller Ausrichtung des eigenen Portfolios.  



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Rechtliche Hinweise:

Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 28.04.2022. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.

Informationen zum Artikel
Autor: Thomas Kruse
Unternehmen: Amundi Asset Management

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