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Pressemitteilung

MMD: Marktbericht - Januar - 2022

© MMD Analyse & Advisory GmbH

11.01.2022 - Die Europäische Zentralbank (EZB) wird wegen ihres zögerlichen Vorgehens gegen die hohe Inflation kritisiert. Es gibt aber durchaus Gründe für die Zurückhaltung der obersten Währungshüter.

Die EZB hat ihre Inflationsprognosen für 2021 von 2,2% auf 2,6% angehoben und für 2022 von 1,7% auf 3,2% fast verdoppelt. Für 2023 und 2024 erwartet die EZB, dass die Inflation bei 1,8% liegt, was dem Zielkorridor entspräche und somit eine restriktivere Geldpolitik mitten in der Pandemie überflüssig macht. Folglich normalisiert die EZB ihre Geldpolitik nur langsam, während Notenbanken in den USA und England die anziehenden Inflationsraten zum Anlass für eine deutliche Kurskorrektur nehmen.

Als Begründung für die angepasste Prognose und die Reaktion der EZB nannte EZB-Präsidentin, Christine Lagarde, am Tag vor Weihnachten die widersprüchliche Situation zwischen starker wirtschaftlicher Erholung und dem Fortschreiten der Pandemie. Hohe Energiepreise und die Probleme in den Lieferketten, die wesentlich zur Inflation beitragen, tun ihr Übriges. Natürlich bereitet die hohe Inflation vielen Menschen zu Recht Sorgen. Im November sind die Preise im Euroraum um fast 5% gestiegen - ein Rekordwert. Mit den steigenden Preisen wird es vor allem für Menschen mit geringerem Einkommen schwieriger, ihren Alltag zu bestreiten. Die hohen Inflationsraten muss man aber relativieren:

So ist einer der Haupttreiber der Inflation die Energie. Rechnet man diese heraus, liegt die Inflation im November bei nur rund 3,0%. Zur Berechnung der Inflation muss man zudem berücksichtigen, dass sie sich immer am Vorjahresmonat bemisst. Genau das ist der Ursprung der oberflächlich betrachtet „explodierenden" Energiepreise. Zur Erinnerung: Im Dezember 2019 - also vor der Corona-Krise – kostete ein Fass Öl (Brent) rund 70 US$. Im vergangenen Dezember lag der Preis bei rund 75 US$. Das entspricht einem Anstieg von 7% - an den internationalen Ölmärkten nichts Besonderes.

Im Zuge der Krise und weltweiten Wirtschaftseinschränkungen waren die Preise für Energie und weitere Warengruppen 2020 sehr deutlich (z.B. Öl (Brent) auf unter 30$ je Barrel per Ende April) gesunken. Mit der Erholung der Wirtschaft und steigender Nachfrage normalisieren sich die Preise wieder, aber diese Normalisierung der Preise zieht die Inflationsrate in die Höhe. Ein sogenannter „Basiseffekt“.

Einer dieser Basiseffekte ist in Deutschland auch die Mehrwertsteuer, die ab Januar inflationsdämpfend wirken wird. Im 2. Semester 2020 wurde die Mehrwertsteuer im Zuge der Pandemie auf 16% gesenkt, aber bereits ab 1. Januar 2021 galt wieder der Mehrwertsteuersatz von 19%. Ein „inflationstreibender“ Effekt im 2. Halbjahr 2021, der mit dem 1. Januar 2022 verschwinden wird.

Ein anderes Krisenproblem sind gestörte globale Lieferketten. Wenn diese sich in den kommenden Monaten hoffentlich wieder stabilisieren, dürfte sich auch der Preisdruck von dieser Seite abschwächen.

Derartige Effekte gibt es auch in anderen Regionen der Welt, aber trotzdem reagieren etwa die Bank of England und die US-Notenbank FED entschiedener. Die Bank of England erhöht den Leitzins von 0,15% auf 0,25%. Auch der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, hat eine stärkere Bremsung der Anleihekäufe angekündigt. In den USA soll nicht nur das Anleihekaufprogramm auslaufen. Die FED hat darüber hinaus auch bis zu vier Zinsschritte für das kommende Jahr in Aussicht gestellt. Das liegt vor allem daran, dass die US-Wirtschaft deutlich stärker wächst als im Euroraum. Und das geht auch mit einer stärkeren Inflation einher - sie liegt derzeit bei 6,8%. Gleichzeitig haben US-Arbeitgeber Schwierigkeiten, Arbeitsplätze zu besetzen, so dass Löhne und Gehälter aufgrund dessen so stark steigen wie seit Jahren nicht mehr. So will die FED mit ihren Maßnahmen offenbar entschieden der Gefahr einer sogenannten Lohn-Preis- Spirale entgegenwirken. Eine solche Gefahr sehen die meisten Experten für den Euroraum noch nicht. Zwar liegt auch hier die Inflation auf einem Rekordhoch.

Doch fallen Lohnsteigerungen im Euroraum bis jetzt noch vergleichsweise moderat aus. Ob dies vor dem Hintergrund der bisherigen Inflationsraten und der demografischen Entwicklung so bleibt, ist abzuwarten und wird entscheidend mit dazu beitragen, ob die Inflationsrate ein „temporäres Phänomen" bleibt.

Lesen Sie mehr im MMD-Marktbericht Januar 2022.


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