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Marktkommentar

Norbert Clément (CSR): Das Rentenproblem eskaliert in Zeiten des Nullzinses

© CSR

05.08.2021 - Auch die letzten Politiker und Wissenschaftler haben mittlerweile bemerkt, dass es mit dem Rentensystem der sog. „Säulen“ (gesetzliche/private/ betriebliche Renten) so nicht weitergeht. Weder die gesetzliche, noch die Riester-Rente oder die Lebensversicherungen – keine dieser drei Varianten hat ihr Versprechen gehalten.

Das Renteproblem - Wo kommen wir her, wo stehen wir?

Nach dem 2. Weltkrieg stand die Bundesrepublik vor leeren Rentenkassen. Die Idee einer Fachgruppe aus Wissenschaftlern, Politikern und Beratern rund um die Gründerväter unserer Nachkriegswirtschaftsordnung war der Generationenvertrag, der die Renten der Zukunft quasi durch Geburt sichern sollte. Und dann kam Mitte der 60er-Jahre der sog. „Pillenknick“. Es ist also auch nicht weiter verwunderlich, dass der geburtenstärkste Jahrgang 1964 war und damit das Rentenproblem uns spätestens 2030 mit voller Breitseite treffen wird. Es gab durchaus in den darauffolgenden Jahren einige Faktoren, welche die Mitgestalter des Rentensystems hätten aufwecken können ...

Beispielhaft seien hier einige Punkte aufgezählt: fallende Geburtenraten, gleichzeitig (aufgrund verbesserter medizinischer Versorgung) eine höhere Lebenserwartung, immer mehr Paare, die keine Kinder bekamen, aber dennoch volle Renten beziehen werden. Und es gab auch einige Mahner, die zumindest auf eine Adjustierung des Systems gedrängt haben. An dieser Stelle sollen hier nur stellvertretend Prof. Kurt Biedenkopf und Prof. Meinhart Miegel genannt werden, die alternative Konzepte wie eine Grundrente und eine kapitalgedeckte Altersvorsorge schon recht früh thematisierten. Aber diese wurden mit dem unvergessenen Satz von Norbert Blüm „Die Rente ist sicher.“ politisch an den Rand des nicht Sagbaren weggeschoben.

Kaufmännisch betrachtet war die Ausgangsbasis eigentlich einfach; die Kalkulation der ursprünglichen Rentenplanung basierte auf ein paar Annahmen: Einzahlung eines bestimmten Anteils des Lohns in die Rentenversicherung (hälftig Arbeitgeber/Arbeitnehmer) und dass jedes rentenabgesicherte Paar mindestens 2 Kinder bekommen wird. Bereits Anfang der Jahrtausendwende gab es erste öffentliche Bestrebungen, die Rente für Kinderlose zu kürzen - auch Prof. Hans-Werner Sinn 2) setzte sich für diesen Lösungsansatz ein, den die Bundeskanzlerin damals sogar öffentlich befürwortete, aber ihre Partei wollte diesen Vorschlag auf keinen Fall aufgreifen. Die Interessen von zu vielen Gruppen unter einen Hut zu bringen, spielte sicherlich eine Rolle bei der Verdrängung des Problems aus der politischen Debatte.

Das Dilemma ist einfach zu erkennen, aber man kommt nicht darum herum sich zu fragen: Ist diese Konstruktion der umlagefinanzierten Rente am Ende nicht ein Vertrag zu Lasten Dritter? Es darf dabei auch nicht vergessen werden, dass gewisse Teile der Gesellschaft von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreit sind (anders als in den meisten anderen Ländern).

Lassen Sie uns an dieser Stelle einmal in die Schweiz blicken, in der es das bekannte 3-Säulen-Modell gibt und alle Einkommensbezieher dort in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen – und das ohne Beitragsbemessungsgrenze bei der Einzahlung in die 1. Säule (jedenfalls bei Erwerbseinkommen)! Das führt dazu, dass in der Schweiz die hochbezahlten Erwerbstätigen auch die Topeinzahler in die Rentenversicherung sind (und trotzdem später die betragsmäßig gleiche Altersrente wie alle anderen Einzahler erhalten). Dieser Punkt trägt auch wesentlich zur Stabilisierung des gesamten Säulen-Systems bei, da in der Schweiz die (kapitalgedeckten bzw. steuerlich subventionierten) anderen beiden Säulen, ebenso wie bei uns, nicht annähernd ihre Ertragsversprechungen einhalten, die man an sie geknüpft hatte.

Wo stehen wir heute:

Die Zinsen sind bei Null, es gibt kaum noch sinnvolle Angebote für das Alterssparen, und das ist nicht nur in Deutschland eine Herausforderung, sondern auch in Japan (wo das Problem schon deutlich länger existiert), und schwappt nun so langsam auf den Rest Europas über und vermutlich sind die USA die nächste Station. Provokant: Demographie frisst Ertrag auf! 1) An dieser Stelle noch die Begründung der DWS: „Die vollständige Beitragsgarantie der Riester-Produkte erweist sich im Umfeld anhaltender Niedrigzinsen zunehmend als Bürde für Vorsorgesparer, da das Kapital fast ausschließlich in konservativ und negativ rentierende Anleihen investiert werden muss.(Volle Zustimmung des Verfassers).

„Weiter so“ geht nicht. Sollen alle Bürger/innen länger arbeiten oder zumindest eine bessere Steuerförderung erhalten als die Kinderlosen? Sollen die Selbstständigen auch in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen? Sollte vielleicht die Beitragsbemessungsgrenze nach oben verschoben werden? Zahlt eigentlich der „Kollege 4.0“ in die Rentenversicherung ein? Letzteres wäre möglich, wenn die Rentenversicherung über die Mehrwertsteuer finanziert würde, statt über die Lohnkoppelung.

Der politische Sprengstoff ist an mehreren Stellen erkennbar und auch, welche Lobbygruppen sofort aus ihren „Schützengräben“ kämen. Es hilft aber nichts – wenn wir die Zukunft unserer Kinder und Enkel auf ein faires und generationsübergreifendes Fundament aufbauen wollen, muss das Thema sehr umfassend und vor allem ehrlich angegangen werden.

Quellen: 1) https://www.dws.com/de-de/unser-profil/medien/medieninformationen/dws-stellt-riester- neugeschaeft-ein-und-setzt-auf-garantiefreie-produktloesungen/;

2) https://www.hanswernersinn.de/de/video-mediathek-7345993


Finden Sie hier weitere Kommentare der CSR Beratungsgesellschaft.


Informationen zum Artikel
Autor: Norbert Clément
Unternehmen: CSR

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