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Marktkommentar

Tilmann Galler (J.P. Morgan): ESG-Integration bei Schwellenländer-Investments

© J. P. Morgan Asset Management

März 2021 - Wie im Investment Ausblick 2021, erläutert, gilt es für Anleger in diesem Jahr zu erkennen, wie die globalen politischen und regulatorischen Initiativen zur Stärkung der ESG-Faktoren (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) zunehmend das Makro-Umfeld und die finanzielle Nachhaltigkeit von Unternehmen beeinflussen.

In diesem Kontext fragen sich Anleger, ob sie angesichts der niedrigeren Standards in Schwellenländern auf Investments in diesen Märkten verzichten sollten. Wir betrachten im folgenden Artikel die vielfältigen ESG-Herausforderungen, die in den Schwellenländern bestehen. Wir zeigen aber auch, dass ein Fokus auf Unternehmen, die sich den Herausforderungen stellen und sich an das veränderte ESG-Umfeld anpassen, zu erheblichen Renditechancen führen kann. Dies belegen auch die Daten der letzten Jahre.

Umwelt - Environment (E):

Der Schutz der Umwelt und die Bekämpfung des Klimawandels werden zu immer dringlicheren globalen politischen Prioritäten. Nach dem Amtsantritt von Präsident Biden hat das Pariser Klimaabkommen neuen Auftrieb erhalten, und die Diskussion dürfte sich vor der wichtigen Neuausrichtung bei der UN-Klimakonferenz (COP 26) im November verstärken.

Die Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen und das Ziel der Klimaneutralität wurden als wichtige Meilensteine identifiziert. Vor fünfzig Jahren verursachten die heutigen Industrieländer zwei Drittel der globalen Kohlendioxid-Emissionen, die Schwellenländer lediglich ein Drittel. Heute haben sich die CO2-Emissionen insgesamt verdreifacht, aber das Verhältnis hat sich umgekehrt. Der Anteil der Schwellenmärkte beträgt nun fast 70 % .

Europa und die USA haben sich verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden, während China sich weitere 10 Jahre Zeit nimmt. Zur Erreichung dieser Ziele wird eine deutliche Änderung der Geschäftsgrundlagen von Unternehmen in CO2-intensiven Sektoren wie Energie, Grundstoffe und Versorgungsunternehmen erforderlich sein. Dies betrifft vor allem Volkswirtschaften, die von fossilen Brennstoffen abhängig sind, wie beispielsweise Russland, Saudi-Arabien und Südafrika. Geschäfts- und Wirtschaftsmodelle, die sich nicht anpassen, werden voraussichtlich mit zunehmenden Sanktionen von Investoren und klimabewussten Regierungen konfrontiert werden.

Ein prominentes Beispiel ist der CO2-Grenzausgleichsmechanismus, der derzeit in Europa und den USA diskutiert wird, um regulatorische Arbitrage zu vermeiden. Der Ausgleich würde die CO2-Intensität der verkauften Waren berücksichtigen. Für Länder, die keinen angemessenen CO2-Preis festgesetzt haben, würde ein Wettbewerbsvorteil angenommen; sie müssten daher an der Grenze mit Zöllen rechnen. Die Umsetzung ist jedoch komplex. Ein CO2-Grenzausgleich muss in die im Rahmen der Welthandels-organisation bestehenden Verpflichtungen eingebettet werden und sollte sich auch auf lokale Emissionshandelssysteme beziehen. Es besteht auch die Gefahr, dass ein solcher Mechanismus weitere Handelskonflikte anheizt und sich am Ende zu einer neuen Front im Handelskrieg zwischen den USA und China entwickelt. 

In dem Maße, in dem sich die Schwellenländer weiter entwickeln und der Anteil von Dienstleistungen an ihren Volkswirtschaften zunimmt, wird sich ihre Klimabilanz von selbst verbessern. Wir haben bereits einen deutlichen Rückgang der Gewichtung von CO2-intensiven Sektoren im MSCI Emerging Markets Index beobachtet. Dennoch gibt es weiterhin Herausforderungen, vor allem in den Bereichen Fertigung, Lebensmittelverarbeitungsstandards sowie Wasserund Abfallmanagement. Regierungen können sich gegen Veränderungen sträuben, wenn sie diese als Hindernis für das BIP- und Einkommenswachstum wahrnehmen. Schwellenländerunternehmen, die Teil einer internationalen Lieferkette sind, werden jedoch ihre Standards verbessern müssen, weil die großen multinationalen Unternehmen beginnen, ihre Wertschöpfungsketten nach ESG-Kriterien zu optimieren. Unternehmen, die sich nicht anpassen, haben im globalen Wettbewerb einen erheblichen Nachteil. Wir erwarten daher, dass der Übergang in vielen Fällen auf Unternehmensebene schneller von stattengehen wird als in der Regierungspolitik.

Soziale Faktoren - Social (S):

Menschenrechte, Arbeits- und Gesundheitsbedingungen sowie Diversität sind soziale Kriterien, die bei den in Schwellenländern tätigen Unternehmen verstärkt überprüft werden müssen. Das wachsende Bewusstsein bei Verbrauchern und Investoren auf der ganzen Welt setzt Regierungen und Unternehmen unter Druck, sich in diesen Bereichen zu verbessern - und die sozialen Medien sorgen für eine erhöhte Sichtbarkeit der Probleme. Die Ausbeutungsdebatte bei Foxconn ist ein gutes Beispiel. Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen in den chinesischen Fabriken des Unternehmens, in denen Produkte für Apple hergestellt werden, erzeugten eine sehr negative globale Rückkopplung. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter und die Gemeinschaften, in denen sie tätig sind, ausbeuten, riskieren erhebliche Imageschäden auf globaler Ebene.

Unternehmensführung - Governance (G):

Während ökologische und soziale Faktoren zunehmend an Bedeutung gewinnen, stellen Governance-Themen wie Regulierung, Korruption, Transparenz und die Recht der Aktionäre/Anleiheinhaber seit langem wichtige Erwägungen für Anleger in Schwellenländern dar. Die Weltbank-Indikatoren geben nützliche Hinweise in Bezug auf die Länder, die besondere Wachsamkeit seitens der Anleger erfordern, und die Länder, die bereits höhere Standards eingeführt haben. Es ist jedoch wichtig zu bedenken, dass diese Indikatoren nur eine Momentaufnahme des aktuellen Status darstellen, und dass die Dynamik in Bezug auf Korruption und Regulierung in den einzelnen Regionen recht unterschiedlich ist. In den letzten 10 Jahren haben sich die asiatischen Länder im Durchschnitt deutlich stärker verbessert als die Länder Lateinamerikas, wo sich die Lage eher verschlechtert hat. Selbst wenn Länder eine nachhaltigere Politik verfolgen und Stewardship-Codes einführen, wie es Korea, Taiwan und Brasilien im Jahr 2016 getan haben, können die Ergebnisse stark voneinander abweichen. Die Investmentwelt wird den nächsten Fünfjahresplan Chinas genau beobachten, um zu sehen, ob die Reform des Finanzsektors und die strengere Umweltregulierung auch die staatliche Stewardship verbessern werden.

Ein zentraler Punkt auf Unternehmensebene in Schwellenländern sind die Eigentumsverhältnisse. Der Streubesitz-Anteil im MSCI Emerging Markets beträgt lediglich 50 %, im Vergleich zu fast 90 % in den Industrieländern. Eine Anlage in Schwellenländern bedeutet in der Regel, dass Investoren eine Minderheitsbeteiligung halten, weil das Unternehmen vom Staat, von Einzelpersonen oder Familien beherrscht wird. Das Risiko für Anleger besteht darin, dass die Unternehmensführung nicht nur wirtschaftliche Ziele verfolgt. Auch beeinträchtigen enge Beziehungen zu Regierungsvertretern die Bemühungen, wettbewerbswidrige Praktiken, Korruption und Bestechung zu bekämpfen und Aktionärsrechte zu schützen. Ein enger Austausch mit den Unternehmen ist von entscheidender Bedeutung, um ein klareres Bild in Bezug auf den Einsatz des Managements zur Verbesserung der Unternehmensführung zu erhalten. Im Vergleich zu den Industrieländern sind die Möglichkeiten, durch Abstimmungen in Aktionärsversammlungen Veränderungen herbeizuführen, stärker begrenzt.

Die Politik in den Schwellenländern reagiert jedoch auf die gestiegenen Forderungen nach verantwortungsvoller Unternehmensführung. So hat sich beispielsweise durch die Einführung von Corporate-Governance-Richtlinien in Taiwan (2010), Brasilien (2016) und Russland (2014) der Anteil unabhängiger Mitglieder in den Vorständen verbessert. In den Schwellenländern insgesamt ist dieser Anteil in den letzten vier Jahren um 10 Prozentpunkte auf 51 % gestiegen. Die Standards der Unternehmensführung in Südafrika sind bereits nahe an den Standards der Industrieländer.

Fazit

Mit den Themen „Schwellenländer“ und „ESG“ treffen zwei Investment-Megatrends zusammen. Das dynamische Wachstum der Schwellenländer wird in den nächsten 10 Jahren zu einem deutlich höheren Anteil dieser Länder in den Portfolios führen. Gleichzeitig beobachten wir aufgrund der Anlegerpräferenzen und der Kapitalmarktregulierung in den Industrieländern eine wachsende Präferenz für Investments, die ESG-Kriterien erfüllen.

Die Region der Schwellenländer ist weder auf Länder- noch auf Unternehmensebene homogen. Wachstum und Nachhaltigkeit können jedoch durch sorgfältige Unternehmensanalysen und „Corporate Engagement“ in Einklang gebracht werden. Unternehmen, die von schnellem Wachstum in ihren lokalen Märkten profitieren, jedoch gleichzeitig im Bewusstsein agieren globale ESG-Standards erfüllen zu wollen, haben nachhaltigere Geschäftsmodelle. Tatsächlich stehen ESG-Merkmale häufig für Qualität, da Unternehmen, die beim ESG-Screening gut abschneiden, oft mit einer langfristigen Perspektive geführt werden und ein höheres Maß an breit angelegter F&E und Innovation aufweisen.

Insgesamt sind wir nicht der Ansicht, dass Anlagen in Schwellenländern im Widerspruch zu den breiteren ESGAmbitionen der Welt stehen - das Gegenteil könnte der Fall sein. Durch die Forderungen nach höheren ESGStandards tragen Anleger dazu bei, das Tempo des Wandels zu beschleunigen. Der Spielraum für Verbesserungen in Bezug auf nachhaltige Ergebnisse ist erheblich, und die Berücksichtigung von ESG-Faktoren in dieser Anlageklasse bietet umfangreiche Renditechancen für langfristig orientierte Anleger.


Finden Sie hier den Originalartikel mit Grafiken.


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Informationen zum Artikel
Autor: Tilmann Galler
Unternehmen: J.P. Morgan

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