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Marktkommentar

Volker Schilling (Greiff): "Niveau ist keine Creme"

© Greiff capital management AG

05.03.2021

Niveau ist keine Creme

Das höchste Niveau, welches man als börsennotierte Firma in Deutschland erreichen kann, ist die Aufnahme in den deutschen Aktienindex DAX. Dies schaffte diese Woche der erst 6 Monate alte Börsenneuling Siemens Energy. Am 22. März wird der Siemens-Spin-Off die Aktie von Baiersdorf ersetzen. Der Creme-Hersteller wandert in den MDAX und beendet damit das Kapitel „Nivea auf Niveau“. Mit Infineon und Siemens Energy befinden sich dann bald drei Unternehmen aus dem Siemens-Stall im DAX und im Herbst beim Umbau von 30 auf 40 Werten im Index könnte mit Siemens Healthineers ein weiterer dazu kommen. Die Aufspaltung des größten deutschen Mischkonzerns zeigt einmal mehr, dass die Summe der Einzelteile oft weniger wert sind an der Börse, als ihre eigenständige Notierung. In diesem Sinne erwarte ich für die kommenden Jahre noch einige Abspaltungen, da das aktuelle Börsenumfeld dafür günstig ist und Anreize schafft. Niveauvoller können Sie den Einstieg in Abspaltungen übrigens gestalten, wenn Sie nach dem Spin-Off etwas abwarten, denn meistens fallen die Kurse nach Börsennotiz erst einmal, da sich Altaktionäre und Indexfonds davon trennen, um ihre zusätzlichen Gewinne auszukehren. Apropos kehren:

Stil ist nicht das Ende des Besens

Auch wenn es manchmal so wirkt, dass der US-Notenbankchef Jerome Powell einen Besenstil verschluckt hat, bleibt er seiner Linie treu und zeigt damit für mich, dass er Stil in ganz anderem Sinne hat. Im Online-Interview diese Woche wiederholte er sachlich souverän die Beweggründe seiner aktuellen Notenbankpolitik. Und während alle Börsianer an seinen Lippen hingen, um den einen erlösenden Satz zu hören, dass die Notenbank eingreifen wird oder zumindest darüber nachdenkt einzugreifen, wenn die Zinsen am langen Ende weiter steigen, schenkte er seinem Publikum diese Äußerung nicht. Warum auch? Die FED ist nicht der Hüter der Börsengewinne. Natürlich war und ist sie die Treiberin der Börsenhausse, aber Jerome Powell weiß genau, dass er dies nicht zusätzlich befeuern muss. Vielmehr weiß er, dass es viel klüger ist, dass Märkte, sofern sie langfristig weiter steigen sollen, auch einmal Dampf ablassen müssen. Und die steigenden Zinsen durch rasante Abverkäufe bei Anleihen sind doch dafür wunderbar geeignet. Das ist temporär, kontrollierbar und weit davon entfernt, als Crashmotor zu dienen. Während also viele Marktbeobachter diese Woche dem Notenbankchef eine verpasste Chance vorwerfen, sage ich, das hat Stil. Denn sind wir doch mal ehrlich: Die US Notenbank wird trotzdem eingreifen, wenn es nötig ist, auch ohne öffentlichen Kommentar, um die wohlfeilen Herren des Börsenestablishments zu besänftigen. Also tragen Sie keine Trauer, denn

Schwarz ist keine Farbe

"Des Nachts sind alle Katzen grau", so heißt eine volkstümliche Redensart. Das stimmt insofern, als dass sämtliche Farben erst durch Lichteinwirkung entstehen. Wir sehen Farben also immer nur im Licht. Schwarz beschreibt in gewisser Hinsicht das Gegenteil von Farbe. Daher bezeichnet man es auch als "Unfarbe". Schwarz wie Kohle oder wie Öl, zwei Energieträger, die inzwischen auch als unartig gelten, um darin zu investieren. Dabei markierte der Ölpreis erst diese Woche ein neues Jahreshoch bei über 68 Dollar. Fast genau vor einem Jahr habe ich über den Einbruch des Ölpreises an gleicher Stelle geschrieben und Interviews für das Börsenradio gegeben. Da lag der Ölpreis noch bei 25 US-Dollar und meine Worte waren ziemlich klar: „Wenn man die Eier hat, dann muss man jetzt bei Energiewerten zugreifen!“ Schwarzseher dagegen haben viele davon wieder abgehalten. Apropos schwarz: Wenn Sie vielleicht ein positives Signal senden wollen, dann würde ich mich sehr freuen, wenn Sie beim diesjährigen „Black Bull Award“, für den man mich als Fondsexperte nominiert hat, abstimmen. Hier der Link: Black Bull Award. Für jede gezählte Stimme, die eingeht, wird 1€ an die Corona-Nothilfe des Deutschen Roten Kreuzes gespendet. Vielen herzlichen Dank.



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Informationen zum Artikel
Autor: Volker Schilling
Unternehmen: Greiff capital management AG

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