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Interview

Andreas Meyer (ARAMEA): Nachhaltigkeit

© ARAMEA

05.02.2021 - Das Thema Nachhaltigkeit ist derzeit in aller Munde und wird die Fondsbranche in den kommenden Jahren massiv prägen.

Allerdings fehlen oftmals noch eine allgemein gültige Definition und das Verständnis was Nachhaltigkeit bedeutet und was nicht, ist relativ heterogen.

Grund genug einmal bei einem Experten nachzufragen, der sich schon lange mit der Thematik auseinandersetzt.

Andreas Meyer ist bei ARAMEA Asset Management zuständig für alle Nachhaltigkeitsthemen und arbeitet auch in der Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit des Verbands der unabhängigen Vermögensverwalter (VuV) intensiv mit.

PUNICA Invest: Herr Meyer, wie kommt es, dass das Thema Nachhaltigkeit so in den Fokus gerückt ist?

Andreas Meyer: Eigentlich geht die aktuelle Entwicklung auf den sogenannten Brundtland-Bericht von 1987 zurück, in dem erstmals ein neues Leitbild der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung vorgestellt wurde. Danach ging es nicht mehr nur darum kritische Firmen wie z.B. Waffenhersteller zu meiden, sondern ein breiteres Bild zu entwickeln. Seit Mitte der neunziger Jahre wurden dann Nachhaltigkeitsaspekte bei der Firmenbewertung zunehmend relevanter und ESG-Aspekte spielten bei immer mehr Analysten eine Rolle. Von 2000 bis etwa 2007 standen vor allem Themenfonds mit einem klaren Bezug im Fokus. Nach der Finanzkrise waren dann erst einmal andere Themen im Vordergrund, aber so ab 2013 gingen immer mehr institutionelle Investoren dazu über, ESG-Kriterien zu implementieren. Richtige Beschleunigung erhielt das Thema dann mit dem Pariser Klimaabkommen und der Verabschiedung der UN SDGs in 2016. Danach war das Thema endgültig im Mainstream angekommen und hat sich dort festgesetzt.

PUNICA Invest: Erst hieß es „grün“ oder SRI, heute nennt man es ESG – ist das nur ein sprachlicher Wandel oder hat sich da wirklich etwas verändert?

Andreas Meyer: Lange war die Befürchtung groß, dass bei einem grünen oder "Socially Responsible Investment" auf Rendite verzichtet werden müsse und derartige Investments eher etwas für Liebhaber seien. D ist jedoch mittlerweile durch zahlreiche Studien widerlegt. Es ist im Gegenteil zu befürchten, dass Unternehmen, die sich nicht ESG-konform verhalten, bei gleicher Performance erheblich höhere Risiken beinhalten könnten. Für Fondsmanager heißt das: Man muss imstande sein, die publizierten ESG-Daten von Firmen richtig zu interpretieren und in die eigene Meinungsbildung mit einzubeziehen.

PUNICA Invest: Welcher der drei Buchstaben ist Ihnen dabei am Wichtigsten E, S, oder G?

Andreas Meyer: Auch wenn aktuell das E stark im Vordergrund vor allem der medialen Betrachtungen steht, zeigen Faktoranalysen, dass das G besonderen Einfluss auf die finanziellen Ergebnisse hat. Der Fall Wirecard hat uns dies erneut schmerzhaft vor Augen geführt. Wo sich aber Herausforderungen aus den Bereichen S oder E materialisieren, sind diese aus finanzieller Sicht auch höchst relevant, wie man an einigen Branchen sieht, die Lieferketten wegen Kinderarbeit erneuern müssen oder sich sogar ganz neu erfinden, wie z.B. die Automobilbranche oder die Ölindustrie.

PUNICA Invest: Im Zusammenhang mit ESG steht auch das Impact Investing. Worum handelt es sich hier konkret?

Andreas Meyer: Beim Thema Impact Investments steht der Anspruch dahinter, messbar positive soziale oder ökologische Wirkungen sowie eine finanzielle Rendite zu erzielen. Angefangen hat dies mit bestimmten Asset-Klassen wie z.B. Microfinanz, heute gibt es aber auch zahlreiche Aktien- oder Rentenfonds, die Impact nicht nur im Namen tragen. Der Anspruch ist dabei aber hoch zu definieren, d.h. es sollte klar dargelegt werden können, wie durch den operativen Betrieb oder die Produkte und Dienstleistungen dieser Firmen die erwünschte Wirkung erreicht werden kann

PUNICA Invest: Neben Impact Investing fällt auch immer der Begriff „Engagement“ – was versteht man darunter?

Andreas Meyer: Das ist super spannend. Üblicherweise findet das Engagement über die Wahrnehmung der Aktionärsrechte und dem Stimmverhalten an den Hauptversammlungen statt. Als Rentenmanager steht mir dieser Weg allerdings nicht offen. Daher ist man dort eher auf den konstruktiven Dialog mit den Firmen angewiesen. Große Firmen wie BlackRock, Fidelity oder Vanguard finden da natürlich eher Gehör als kleinere Asset Manager und tragen daher auch eine höhere Verantwortung. Dennoch trifft man bei den Treasury-Abteilungen immer öfter auf offene Ohren, wenn man bestimmte Geschäftspraktiken mit dem Hinweis kritisiert, dass man nun die Anleihen des Emittenten nicht mehr kaufen kann. Schließlich erhöhen sich dadurch die Finanzierungskosten der Emittenten. Ein sehr schönes Beispiel ist die Société Générale. Das Unternehmen ist wegen der Finanzierung einer Goldmine in der Mongolei in eine intensive Kontroverse geraten, da die geplanten Produktionsabläufe zu einer hohen Umweltbelastung geführt hätten. Auch dank des Drucks der Kapitalgeber, die nicht mehr in Anleihen der Bank investiert haben, wurde diese Kontroverse gelöst, d.h. die Umweltbelastung durch den Betreiber gesenkt. Somit wurde das ESG-Rating der Bank wieder erhöht und die Anleihen waren für nachhaltige Investoren wieder investierbar; damit sanken auch die Refinanzierungskosten des Instituts wieder. Man sieht also, dass die uns anvertrauten Gelder eine gewisse Wirkungsrichtung einnehmen.

PUNICA Invest: Was suchen die Investoren eher und wie schätzen Sie den Kenntnisstand bezüglich ESG, Impact oder Engagement ein?

Andreas Meyer: Da nachhaltiges Investieren erwiesenermaßen zu keinem Renditenachteil führt, möchten immer mehr Anleger diesen Zusatznutzen haben. Auch sehen wir in der aktuellen Krise, dass sich nachhaltige Investments gegenüber konventionellen eher besser geschlagen haben. Dank des Wechsels in der US-Regierung und der damit verbundenen Neuorientierung in puncto „Green Deal“ werden auch in den kommenden Jahren erhebliche Summen in diesen Bereich fließen. Wir sehen zudem ein deutlich gestiegenes Interesse privater Anleger, neben Renditen auch einen positiven Einfluss ihrer Anlagen ins Zentrum zu stellen. Hier schärft der Regulator aktuell bekanntermaßen auch aktiv nach: Offenlegungsverordnung oder EU-Taxonomie sind nur zwei Stichworte. Institutionelle Anleger sind oftmals sogar schon weiter und haben in den letzten Jahren nachhaltige Aspekte in ihre Anlageziele und Investmentprozesse eingebunden. Die Messbarkeit von Impact auf Portfolio-Ebene gewinnt ebenfalls an Bedeutung.

PUNICA Invest: Die Nachfrage steigt demnach also weiterhin?

Andreas Meyer: Die Marktentwicklung sehen wir in diesem Segment nach wie vor außerordentlich positiv. Nachhaltige Anlagen sind in der letzten Dekade jedes Jahr deutlich zweistellig gewachsen. Im letzten Jahr betrug das Wachstum sogar mehr als 30 Prozent. Auch bei uns im Haus ist dies spürbar, so konnte unser ARAMEA Rendite Plus Nachhaltig (WKN: A2DTL7), der sowohl mit dem FNG-Siegel als auch dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet wurde, im vergangenen Jahr seine Assets under Management vervierfache

PUNICA Invest: Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Was erwartet uns?

Andreas Meyer: Nachhaltige Investments sind heute schon bei vielen Anlegern ein zentraler Baustein in der Allokation geworden. In den kommenden Jahren werden es nicht nachhaltige Strategien zunehmend schwerer haben, sich Gehör zu verschaffen bzw. das Interesse von Anlegern zu wecken. Wenn entsprechend auch immer mehr Unternehmen ihre Geschäftsprozesse anpassen, wird zudem das Universum nicht nachhaltiger Anlagen immer kleiner und schließlich ganz verschwinden. Da die Fondsbranche schon immer sehr darwinistisch organisiert war, könnte dies schneller gehen, als viele dies derzeit vermuten.


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