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Marktkommentar

Volker Schilling (Greiff): "Staatswirtschaft"

© Greiff capital management AG

05.02.2021


Gastwirtschaft oder Staatswirtschaft

Die Bundesrepublik Deutschland, eines der großen Häuser der globalen Wirtschaft, gleicht immer mehr einem Schankwirt, der mehr an seine Kunden ausgibt, als die vertragen. Die Staatsquote, also die Ausgaben des Staates in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), liegt aktuell bei über 50%. Das ist keine Marktwirtschaft mehr, das ist eine Staatswirtschaft.

Inzwischen mischt sich der Staat in alles ein, sobald auch nur jemand soziale Gerechtigkeit ruft oder in irgendeiner Form Benachteiligungen wittert. Selbstverantwortung und Leistungsprinzip verkommen zu Schimpfwörtern eines sogenannten Neo-Kapitalismus. Eben der Kapitalismus, der unseren Wohlstand erst möglich gemacht hat.

Ich kenne kein Land dieser Erde, welches mit Planwirtschaft und Sozialismus mehr Wohlstand und Freiheit erreicht hat, und ich möchte auch nicht in so einem Land leben. Es müssen nicht alle gleich sein, es müssen alle die gleichen Chancen haben. Es muss nicht jeder alles haben, aber jeder muss von dem was er hat, leben können.

Der Staat muss Regeln und Leitplanken aufstellen, Sicherheit und Recht durchsetzen, aber mehr nicht. Was ist das für ein Verständnis von Staat, wenn man alle hätschelt und in Watte packen will?! Dazu passt diese völlig irrsinnige Forderung, dass man Ersatzfeiertage schaffen will, weil dieses Jahr zu viele offizielle Feiertage auf ein Wochenende fallen. Schwachsinn, wir haben ganz andere Probleme. Kümmert euch endlich um die Digitalisierung der Schulen, um eine nachhaltige Infrastruktur und neue moderne Konzepte für Mobilität und Klimaschutz.

Bankenhäuser oder Krankenhäuser

An der Börse zählen diese Woche sowohl die Bankhäuser als auch die Krankenhäuser nicht gerade zu den bevorzugten Investments. So brach die Aktie des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care nach einer Gewinnwarnung ein. Die hohe Sterblichkeit der Dialysepatienten an Corona beschert dem Konzern eine ganz andere Coronakrise. Die Aktie im Sinkflug. Und obwohl die Deutsche Bank Gewinne meldet und der große deutsche Konkurrent – die Commerzbank – massiv Stellen abbaut, will sie auch so recht niemand haben. Einen kleinen, aber feinen Unterschied gibt es allerdings: Während die großen deutschen Bankhäuser ein Geschäftsmodell verfolgen, welches massiver Disruption ausgesetzt ist, verfügt Fresenius Medical Care über Vorsprung in der Technologie und der Marktstellung. Mit anderen Worten: Ich würde die Finger vom maroden Modell der Finanzinstitute lassen und lieber in die nach unten durchgereichte Aktie von Fresenius investieren. Einsteigen, wenn andere kalte Füße bekommen. Apropos einsteigen:

Kaufladen oder Kuhfladen

Wussten Sie, dass man sowohl in einen Kaufladen als auch in einen Kuhfladen treten kann? Letzteres wird Ihnen sicher weniger gefallen. Aber wie oft glaubt man an der Börse, in etwas richtig Gutes zu investieren, und am Ende war es doch Mist? Dieses Gefühl, genau dieses Gefühl habe ich, wenn ich diese Woche lese, dass der deutsche Staat dem maroden Kaufhaus Konzern Galeria Karstadt fast eine halbe Milliarde (460 Mio Euro) an Notkredit gibt. Der schleichende Niedergang von Karstadt läuft schon seit Jahren, Corona hat damit gar nichts zu tun und beschleunigte lediglich das unausweichliche Ende: Insolvenz! Und der Staat hat nichts Besseres im Sinn, Geld zur Verfügung zu stellen, das er nie wiedersehen wird. Im Übrigen unser Geld, unsere Steuern, die hier in ein Geschäftsmodell ohne Zukunft wandern und ohne Aussicht auf Rückzahlung. Das ist im wahrsten Sinne meiner Worte der Tritt in den großen Kuhfladen und eben nicht in den Kaufladen. Am Ende wird es laufen wie bei Schlecker: Pleite, eben doch alle Mitarbeiter arbeitslos und das Geld weg. Misswirtschaft auf Ansage: Kasse drei, bitte die 460!




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Informationen zum Artikel
Autor: Volker Schilling
Unternehmen: Greiff capital management AG

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