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Interview

Richard Schmidt (DJE): ESG-Prinzipien

© DJE

14.09.2020 -

ESG ist integriert

Sei es der Umweltschutz, die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten oder eine verantwortungsvolle Unternehmensführung, diese ESG-Prinzipien sind für DJE von großer Bedeutung. Richard Schmidt, Co-Fondsmanager des DWS Concept DJE Responsible Invest und Leiter Absolute Return, erläutert den Ansatz von DJE im Interview.

Warum setzt DJE auf verstärktes nachhaltiges Investment?

Als Investor kaufen Sie mit nachhaltigen Firmen in der Regel Firmen mit einem proaktiven, meist überdurchschnittlich erfolgreichen Management. Dies spiegelt sich in der Performance der jeweiligen Beteiligungen in den DJE-Fonds wider. Zudem werden in den nächsten Jahren fast nur noch solche Firmen am Markt erfolgreich sein, die ein glaubwürdiges und nachvollziehbares Konzept der Nachhaltigkeit präsentieren können. Und dabei geht es nicht nur um die Produkte selbst, sondern auch um die Zulieferer, um die Art und Weise der Produktion und um die Unternehmenskultur. Schon heute sehen wir die starke Kundenpräferenz für solche Produkte, die man mit wirklich gutem Gewissen kaufen kann.

Hat die Corona-Krise gerade bei Privatanlegern die Bereitschaft für Nachhaltigkeit-Investments weiter gesteigert?

Corona hat uns allen vor Augen geführt, wie abhängig wir voneinander sind und wie sehr unser heutiges Tun die Zukunft beeinflussen kann. Die Hygienestandards auf den Tiermärkten im fernen Wuhan spielen auch für unsere Zukunft eine große Rolle – genauso wie der Zustand des Regenwaldes in Brasilien. Nachhaltiges Handeln heißt in diesem Zusammenhang, nicht auf Kosten der Mitmenschen oder späterer Generationen zu handeln du zu leben.

Für die Anleger aber war in der Nachbetrachtung bedeutender, weil sie gesehen haben, in welchem Masse die Unternehmen aus weniger nachhaltigen Branchen wie Öl, Gas, Automobile und Tabak in der Corona-Krise hinter dem Markt zurückgeblieben sind. Gewinne sind kollabiert und Dividenden wurden gestrichen, der Ausblick ist immer noch düster. Es hat dagegen eine sehr starke Outperformance zu Gunsten von Tech- und von HealthCare-Unternehmen stattgefunden - und das spielt dem ohnehin starken Nachhaltigkeitstrend in die Hände. Denn diese Branchen haben eine deutlich bessere Öko-Bilanz als die zuvor genannten. Und je stärker die von den Unternehmen verursachten ökologischen Kosten von ihnen internalisiert werden müssen – sei es durch CO2-Zertifikate oder durch Regulierung –, desto eher werden die proaktiv nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen profitieren. Privatanleger werden in immer stärker wachsendem Maße darauf achten müssen, dass sie in Fonds anlegen, die dem Trend zur Nachhaltigkeit Rechnung tragen.

Was verlangen die Kunden, vor allem die Institutionellen?

Unsere Kunden verlangen von uns eine tiefgreifende, fundamentale Analyse der Unternehmen, an denen wir uns beteiligen. Hierzu gehört selbstverständlich auch eine ESG-Analyse. Um einen besonders guten Informationsstand zu haben, sprechen wir nicht nur mit Unternehmensvertretern persönlich über ESG-Belange – das sogenannten Engagement - sondern arbeiten auch mit dem Daten- und Analysehaus MSCI zusammen, die uns harmonisierte Daten für eine Vielzahl von Unternehmen liefern. Privatkunden, aber auch institutionelle Kunden schätzen unsere ESG-Bewertungen einzelner Unternehmen und die Kompetenz, die wir in diesem Bereich mittlerweile aufgebaut haben. Der Fokus liegt dabei bei vielen Anfragen auf dem Pfeiler E wie Environment und hier insbesondere auf dem CO2-Monitoring.

Wie fließen die ESG-Kriterien bei der Aktienauswahl mit ein?

ESG ist einer der sechs Eckpfeiler unseres Bottom-up-Bewertungsprozesses für Aktien. Das gilt für alle DJE-Fonds mit Aktienanteil. Vor allem die Bewertung durch MSCI ESG Research trägt zum Gesamtrating bei. Um die Bewertung für ein Unternehmen zu entwickeln, identifiziert MSCI für jede Branche signifikante Chancen und Risiken aus ESG-Perspektive. In einem nächsten Schritt werden diese Schlüsselthemen entsprechend ihrer Auswirkungen auf das Unternehmen und der erwarteten Zeit bis zu ihrem Auftreten gewichtet. Ein gewichteter Durchschnittsscore wird aus der Berechnung des gewichteten Durchschnitts der wichtigsten Bereiche abgeleitet. Um eine Unausgewogenheit eines Sektors zu vermeiden, wird der Durchschnittswert innerhalb der Branche normalisiert, um die ESG-Gesamtpunktzahl zu erhalten. Je höher die Punktzahl, desto positiver ist der Beitrag zur Bottom-up-Bewertung.

Ist der reduzierte CO2-Ausstoß inzwischen ein Schlüsselkriterium für die Beurteilung von Nachhaltigkeit?

Oft wird der Begriff Nachhaltigkeit schwammig verwendet. Es mangelt an einer festen Definition, und jeder kann seine eigene Sichtweise in den Begriff hineininterpretieren. Umso dankbarer sind wir als Investoren dafür, einige fest definierte Nachhaltigkeits-Kennzahlen zur Verfügung zu haben, und dazu gehört eindeutig der CO2-Ausstoss eines Unternehmens. Dieser ist dank der großen Nachhaltigkeitsagenturen über alle Unternehmen hinweg verfügbar und kann auch in unseren DJE-Fonds fortlaufend beobachtet werden. In unserem DWS Concept DJE Responsible Invest beispielsweise setzen wir auf einen CO2-Höchstwert, welcher von keinem Portfoliounternehmen überschritten werden darf. Dadurch vereint der Fonds Unternehmen mit niedrigem Carbon Footprint und bietet zugleich eine Rendite für die Anleger. Und auch in Bezug auf die künftige politische Regulierung von Nachhaltigkeitsfonds wird der CO2-Wert eine Schlüsselrolle spielen. Die auf europäischer Ebene anstehende Definition von nachhaltigen Anlagen – die sogenannten Taxonomie – wird die CO2 Reduktion zu einem Kernelement machen, und damit die logische Umsetzung des Pariser Klimaabkommens auf Ebene der Finanzmärkte bedeuten.

Haben Sie Beispiele für Ausschlüsse bzw. Übergewichtungen, die Sie aus ESG-Gesichtspunkten vorgenommen haben?

Zum einen sind wir Unterzeichner der Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investieren der Vereinten Nationen (UN PRIs) und schließen damit alle Unternehmen aus, die sich nicht an die von der UN vorgegebenen Prinzipien für nachhaltiges Investieren halten. Darüber hinaus schließen wir DJE-weit auch Unternehmen aus bestimmten Branchen aus. Dazu gehören etwa Waffenhersteller. Im DWS Concept DJE Responsible Invest beispielsweise nehmen wir keine Zement- oder Aluminiumhersteller auf, da der CO2-Ausstoss hier um ein Vielfaches höher ist als in anderen Sektoren. Wir mischen gezielt Unternehmen aus Zukunftsbranchen bei - hier sind unter anderem die Brennstoffzellen-Hersteller zu nennen. Auch die damit in Verbindung stehenden führenden Produzenten von grünem Wasserstoff sehen wir als geeignetes Investment. Neben der Wasserstofftechnologie halten wie ausgewählte Unternehmen aus einer Reihe von Branchen für zugleich grün und vom Geschäftsmodell her sehr gut aufgestellt.

Auf welche Performance-Treiber setzen Sie?

Performance wird durch die gute Entwicklung von Einzelwerten gemacht. Hier kommt uns unser Ansatz zugute, alle Portfoliounternehmen aus dem Effeff zu kennen. Die schnelle Identifikation der richtigen Unternehmen aus den Bereichen Chipherstellung, Softwareentwicklung, der Impfstoffherstellung oder aber der Brennstoffzellentechnologie ist unser Schlüssel für die Generierung von langfristig guter Performance. Performance und Nachhaltigkeit gehen dabei Hand in Hand, denn meistens sind die nachhaltigen Unternehmen auch die Outperformer.





Informationen zum Artikel
Autor: Richard Schmidt
Unternehmen: DJE

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