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Marktkommentar

Anastasia Petraki (Schroders): Corona, soziale Ungleichheiten und die Folgen für Anleger

© Schroder Investment Management GmbH

29.07.2020 - Die Covid-19-Krise hat soziale Ungleichheiten in den Mittelpunkt gerückt. Diese zu bekämpfen, bedarf einer kollektiven Anstrengung. Weltweit haben Regierungen bereits Maßnahmen ergriffen, aber auch den Vermögensverwaltern kommt hier eine Funktion zu. Die Berücksichtigung der sozialen Auswirkungen von Unternehmen bei Anlageentscheidungen und eine aktive Einflussnahme auf Unternehmen im Hinblick auf soziale Themen, einschließlich derer rund um soziale Ungleichheit, werden in Zukunft wichtiger denn je sein. Im Kontext nachhaltiger Kapitalanlagen wird dies zunehmend als Aufstieg der Komponente „S“ im Hinblick auf „ESG“ (Umwelt, Soziales und Governance) beschrieben.

Covid-19 hat sich als der „große Spalter“ und nicht als der „große Gleichmacher“ erwiesen

Einige sprechen in Bezug auf Covid-19 als der „große Gleichmacher“, weil grundsätzlich jeder infiziert werden kann. Ein genauerer Blick darauf, wie sich das Virus auf die Gesundheit und Finanzen der Menschen auswirkt, legt jedoch nahe, dass der Ausdruck „großer Spalter“ die Lage viel angemessener beschreibt. Die bestehenden Ungleichheiten haben sich vor allem in diesen vier Bereichen verschärft: Einkommen, Gesundheit, Bildung, ethnische Zugehörigkeit.

1. Einkommen: Geringverdiener wurden finanziell am härtesten getroffen

Geringverdiener sind mit höherer Wahrscheinlichkeit in den Sektoren beschäftigt, die am stärksten von sozialen Distanzierungsregeln und Lockdowns betroffen sind. So gehören Unterhaltung und Freizeit sowie Beherbergung und Lebensmitteldienstleistungen zu den drei Sektoren in Großbritannien mit der schlechtesten Bezahlung. Und eben in diesen Bereichen mussten mehr als 80 % der Unternehmen während der Covid-19-Krise entweder vorübergehend schließen oder ihren Betrieb einstellen. Viele Arbeitnehmer in diesen Sektoren haben ihren Arbeitsplatz verloren oder wurden beurlaubt.

2. Gesundheit: wohlhabendere Haushalte erfreuen sich „gesundheitlicher Vorteile“

Menschen mit hohen Einkommen verfügen über relative „gesundheitliche Vorteile“. Erstens ist für sie die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung geringer, da sie mehr Möglichkeiten haben, von zu Hause aus zu arbeiten, und mit höherer Wahrscheinlichkeit in weniger dicht besiedelten Gebieten leben. Zweitens haben wohlhabendere Haushalte bessere Chancen, bei einer Infektion schneller behandelt zu werden. Außerdem verfügen sie eher über eine private Krankenversicherung. Das ist auch für andere Erkrankungen von Vorteil, die einer Behandlung bedürfen.

3. Bildung: Schüler aus Haushalten mit höheren Einkommen haben während des Lockdowns mehr Zeit mit Schularbeit verbracht

Haushalte mit höheren Einkommen haben in der Regel einen besseren Zugang zu Technologie und schnellerem Internet. Schüler aus Haushalten mit niedrigeren Einkommen sind daher bei Schulschließungen benachteiligt. Von vielen wurde erwartet, den Unterricht zu Hause über Online-Instrumente und virtuelle Klassenzimmer fortzusetzen. In Großbritannien verwenden Kinder aus den oberen 20 % der Haushalte (gemessen am Einkommen) ein Drittel mehr Zeit drauf, zu Hause zu lernen, als die unteren 20 %.

4. Ethnische Zugehörigkeit: ethnische Minderheiten sind sowohl physisch als auch finanziell stärker vom Virus betroffen

Daten zur Sterblichkeit zeigen, dass Angehörige sämtlicher ethnischer Minderheiten mit wesentlich höherer Wahrscheinlichkeit an dem Virus sterben. Unter anderem liegt dies daran, dass sie eher in dicht besiedelten urbanen Gebieten leben. Ethnische Minderheiten arbeiten außerdem mit höherer Wahrscheinlichkeit in Sektoren, die mit der Kohorte der „systemrelevanten Arbeitskräfte“ in Verbindung gebracht werden, wie Pflegedienste. Ferner sind ethnische Minderheiten von dem wirtschaftlichen Shutdown eher betroffen. In Großbritannien arbeiten Männer ethnischer Minderheiten wesentlich häufiger in den am stärksten betroffenen Sektoren als weiße britische Männer.

Die Funktion der Vermögensverwaltung zur Überwindung der sozialen Kluft

Keiner der oben genannten Punkte ist besonders überraschend. Soziale Ungerechtigkeit ist seit Langem ein Thema. Allerdings hat die Covid-19-Krise die Effekte dieser Ungleichheiten verstärkt und in das Zentrum des Bewusstseins der Menschen gerückt.

Der Umgang mit einem derart vielschichtigen und komplexen Problem erfordert einen multilateralen Ansatz, zu dem alle wirtschaftlichen Akteure beitragen. Die öffentliche Politik spielt dabei die wichtigste Rolle, aber auch dem Privatsektor und Vermögensverwaltern kommt eine bedeutende Funktion zu. Unsere Verantwortung als Vermögensverwalter ist zwiegestalt: Wir haben aktiv auf unsere Portfoliounternehmen Einfluss zu nehmen und die Auswirkungen von Unternehmen auf ihre Interessengruppen bei unseren Anlageentscheidungen zu berücksichtigen. Beiden Prozessen wohnt eine starke soziale Komponente inne mit spezifischen Möglichkeiten im Umgang mit Ungleichheit.

Seit dem Beginn der Covid-19-Krise haben wir bereits unsere Aktivitäten zur Einflussnahme in dieser Hinsicht forciert. Wir haben uns aktiv an mehreren Projekten zur Zusammenarbeit über arbeitnehmerrelevante Fragen und Beschäftigungsprobleme in der Lieferkette beteiligt.

Darüber hinaus haben wir unsere Einflussnahme auf Ebene einzelner Unternehmen verstärkt, deren Beschäftigungspraktiken uns seit geraumer Zeit Sorge bereiten. Unsere Arbeit mit der Workforce Disclosure Initiative (WDI) haben wir fortgesetzt. Ihr Zweck besteht darin sicherzustellen, dass börsennotierte Unternehmen jährlich vergleichbare Berichte über ihre Belegschaft herausgeben.

Abgesehen davon haben wir schon lange vor der Covid-19-Krise soziale Themen in unsere Anlageentscheidungen integriert. Die Frage, wie Unternehmen mit der Außenwelt verbunden sind und wie sie sich auf diese auswirken, ist seit Langem einer unserer Schwerpunktbereiche. In dieser Hinsicht haben wir ein Instrument namens SustainEx zur Quantifizierung derartiger Aspekte und zu ihrer Integration in unsere Anlageentscheidungen entwickelt.  

Das Gleichgewicht zwischen „E“, „S“ und „G“ (Umwelt, Soziales und Governance) erstreckt sich auch auf Kapitalanlagen

Die Nachhaltigkeitspraktiken der Unternehmen gewinnen für Anlageentscheidungen zunehmend an Bedeutung, was eine Fokussierung auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen mit sich bringt.

Wenn man bedenkt, wie diese Krise die Spaltungen in der Gesellschaft noch vorangetrieben hat, gibt es keinen Zweifel daran, dass soziale Faktoren bei Kapitalanlagen auch künftig stärker berücksichtigt werden müssen. Das trifft sowohl auf die öffentliche Debatte als auch darauf zu, wie Vermögensverwalter an Kapitalanlagen herangehen sollten. Unsere Fähigkeit, soziale Auswirkungen bei unseren Anlageentscheidungen zu berücksichtigen, wird wichtiger denn je sein.

Viele der Gespräche, die wir bei unserer Zusammenarbeit mit Unternehmen führen, drehen sich um die Komponente „S“ unter den „ESG“-Kriterien. Der erforderliche Schwerpunkt auf Ungleichheit und soziale Probleme allgemein wird allerdings unser Engagement im Hinblick auf die anderen Aspekte von ESG nicht verwässern. Das „E“ und das „S“ sowie das „G“ sind nicht als „entweder/oder“ zu verstehen.

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das alle Aspekte umspannt, die sich auf den langfristigen Bestand eines Unternehmens auswirken.

Zum einen ist da der Umgang mit dem Klimawandel. Zum anderen ist die Sicherstellung einer angemessenen Governance zu erwähnen. An positiven sozialen Auswirkungen zu arbeiten, ist ein weiterer Aspekt. All diese Faktoren sind von gleicher Relevanz und schaffen die notwendigen Rahmenbedingungen für eine langfristige Wertschöpfung.


Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.



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Informationen zum Artikel
Autor: Anastasia Petraki
Unternehmen: Schroders

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